Rottenburg

"Gehet hin und radelt in Frieden"

von Wiebke Jansen

Groß ist das Interesse bei der Einweihung des Meinrad-Fahrradpilgerwegs, der an der Sülchenkirche Rottenburg beginnt und bis in die Schweiz führt. Namenspatron ist der heilige Meinrad.

Rottenburg. Das Wetter ist nieselig, der Himmel bewölkt, die Temperaturen winterlich kalt. Doch das hält die drei Mönche des Einsiedelnklosters und einen Benediktinermönch aus Reichenau nicht davon ab, den frisch eingeweihten Fahrradpilgerweg, den Meinradweg, zu beginnen. Der 275 Kilometer lange Meinradweg beginnt bei der Sülchenkirche in Rottenburg und wird von Bischof Gebhard Fürst persönlich eingeweiht. Namenspatron ist der heilige Meinrad, der vor fast 1200 Jahren bei Rottenburg geboren und in der Sülchenkirche getauft wurde. Der Mönch, der eigentlich aus einem adligen Elternhaus stammte, suchte die Einsamkeit. Sein Weg führte ihn schließlich in die Schweiz, wo er das Kloster Einsiedeln begründete. Heute ruht dort sein Schädel als Reliquie.

Seinen Weg können die Pilger mit dem Fahrrad von nun an verfolgen, in vier Etappen ist der Weg zu schaffen. Die Idee zum Projekt hatten die Mönche des Einsiedelnklosters. Und dabei ist der Name des Weges Programm.

Sowohl der Namensgeber ist verewigt im "Meinrad-Weg", als auch die Bestimmung als Fahrradweg – "Mein Radweg" –, erläutert Bischof Fürst in der kleinen Andacht, die der Einweihung vorausgeht und in der der Heilige vorgestellt wird, da er leider "viel zu unbekannt" ist, wie Bischof Fürst bedauert.

"Der heilige Meinrad ist zum Märtyrer der Gastfreundschaft geworden", erklärt der Bischof. Grund dafür ist, dass der Namenspatron des Weges seinen Tod fand, als er zwei Männer bei sich aufnahm. Diese dankten ihm seine Gastfreundschaft nicht, sondern raubten ihn aus und ermordeten ihn.

Als symbolischen Start des Weges und der Existenz des Pilgerwegs wird außerdem die Statue des heiligen Meinrad enthüllt, die ab sofort den Weg vor der Kirche schmückt. Die Statue wurde von Ralf Ehmann aus Untersberger Marmor aus der Salzburger Gegend gemeißelt. Sie zeigt einen Mönch mit Kutte und Tonsur, allerdings nicht still stehend, sondern gehend. "Es ist fast, als wolle er sich selbst noch einmal auf den Weg machen und die Pilger begleiten", meint der Bischof dazu.

Diesen Gedanken hat auch der Einsiedelnmönch Philipp Steiner, der mit zweien seiner Klosterbrüder aus der Schweiz angereist ist, um den Meinradweg zu befahren. Er kennt die Strecke bereits. Im letzten Sommer hat er sie schon mit dem Fahrrad bestritten.

"Auf ihrem Weg können sich die Pilger mit dem Heiligen befassen", so der Mönch, bei der Andacht, wo auch er das Wort erhält. "Der Heilige Meinrad soll der Wegbegleiter der Pilger sein."

Zur Einweihung sind nicht nur Kirchenbesucher und Kleriker gekommen. Das mediale Interesse ist groß, auch einige Fernsehkameras sind zu sehen. Allein fahren müssen die Mönche vorerst auch nicht: schon bei der Ankunft an der Kirche fallen die teils mit Satteltaschen bepackten Fahrräder auf, die sich vor der Kirche reihen.

In der Soutane radelt es sich nicht besonders gut, darum ziehen sich die Mönche noch um, in Sportkleidung und Turnschuhe. Und so beginnen sie ihren Pilgerweg, der sie in ihr Kloster zurückführen soll, begleitet vom Grußwort des Bischofs: "Nun gehet hin und radelt in Frieden."