Rottenburg

Eine vergnügliche Sonder-Dividende

von Von Peter Morlok

Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens lud die Volksbank Rottenburg ihre Anteilseigner zu einem Mitgliederforum der etwas anderen Art ein. Die Bank, die heute in Kooperation mit Nagold und Herrenberg auftritt, hatte zu ihrem Jubiläum den Stuttgarter Kabarettisten Christoph Sonntag eingeladen.

Rottenburg. Weit weg von wirtschaftlichen Informationen, von Zahlen, Zinsen und Dividenden bewegte sich das Geldinstitut bei diesem Zusammentreffen. Und die Karten für diese Veranstaltungen waren teilweise innerhalb einer Viertelstunde verkauft.

Entsprechend entspannt konnte pünktlich auf die Minute Jörg Stahl, Gesamtvorstandssprecher der drei Banken, ans Rednerpult treten und einige Hundert Besucher begrüßen. "Dieser Abend gehört dem Spaß und der Unterhaltung", versprach er zwar gleich zu Beginn seiner Rede, packte aber sofort die Verbal-Keule aus, indem er anfügte: "Aber dazu kommen wir später." Zuerst war der Werbeblock für das genossenschaftliche Bankenwesen dran. Bekannte Tatsachen, eigentlich überall nachlesbar, pries Stahl als die Superlativen überhaupt an, blieb jedoch immer an der Informationsoberfläche. Irgendwelche Zahlen oder andere Fakten ersparte er an diesem Abend den Zuhörern, denn nahezu alle waren wegen dem Mann, der mindestens so gut wie Spätzle mit Soß’ ist, wegen Christoph Sonntag, in die Rottenburger Festhalle gekommen.

Mit dem Zitat: "Nichts in der Welt ist so ansteckend wie Lachen und gute Laune" von Charles Dickens, gab Stahl dann die Bühne frei.

"Bitte machen sie keine Film-, Foto- und Tonaufnahmen und vor allem nicht an ihrer Sitznachbarin herum", mahnte noch schnell eine Stimme aus dem Nichts und schon stand Sonntag im schicken blauen Dreireiher auf der Bühne.

Berliner Gast bekommt die passende Übersetzung

"Volksbank Herrenberg, Nagold, Rottenburg – das klingt so ähnlich wie Annegret Kramp-Karrenbauer. Also einfach, geht locker von den Lippen und wird sicher gern genommen", stellte der Stuttgarter fest und lobte die Seriosität der Volksbank, die seiner Ansicht nach nicht zu den Zockerbanken gehört. "Hier ist ihr Geld noch sicher", betonte er und stellte in Bezug auf die Geldvermehrungsversprechen der Konkurrenz fest: "Hätsch des Geld net in an Hätsch-Fond investiert, dann hätsch ’s no." Ob das der Berliner in der hinteren Reihe verstanden hat, das ist fraglich. Für diesen Herrn übersetzte Sonntag einiger seiner Gags ins Hochdeutsche. So fragte er beispielsweise: "Woischt du, was päppa heißt"? "Des bedeutet: von selber heba" schob er nach und lachte über diesen Kalauer selbst am allermeisten. "Mensch ich han gar net gwusst, dass ich heut zu so einer Form auflauf", lobte er sich dafür selbst.

Den amerikanischen Präsidenten Donald Trump bezeichnete er als einen siebenjährigen, narzisstischen Buben mit ADS und dessen Regierungsstil als eine Operation am offenen Herzen der Demokratie. Trumps aktueller Vize heißt Mike Pence, genannt Micky. "Wer hätte von uns jemals gedacht, dass Amerika eines Tages von Donald und Micky regiert wird?"

Aber auch die deutschen Bundespolitiker, allen voran Horst Seehofer, kamen nicht ganz ungeschoren davon. "Seehofer hat das Porzellan-Syndrom. Er hat nicht mehr alle Tassen im Schrank", erklärte der Kabarettist, der davon überzeugt ist, dass der Micro-Mini seiner Tochter ganz dem Sicherheitsdenken des Heimatmuseumsdirektors entspricht. "Je weniger einer anhat, desto weniger hat er zu verbergen", so die bayerische Logik.

Deshalb hatte er auch keine Bayern, sondern zwei waschechte Schwaben mit in die Domstadt gebracht. Günther Oettinger und Winfried Kretschmann als Handpuppen, die sich ein Rededuell lieferten. Und da ging‘s dann ab, "My Lovley Mister Singingclub" (Mein lieber Herr Gesangsverein).

Das Publikum erfuhr noch was "Smog im Schlafzimmer" bedeutet – Dicke Luft und kein Verkehr – und, dass es bei der Familie Sonntag in Stuttgart "Seitenbacher Feinstaub-Müsli" zum Frühstück gibt: "Woischt Karle – dohvo goscht au he." Weiter erklärte Sonntag, das Tonic ohne Alkohol ginlos und "Hipster", das hochdeutsche Wort für Seggel, ist.

Ganz zum Schluss seines knapp 40-minütigen Auftritts begeisterte der Stuttgarter noch mit der schwäbischen Nationalhymne "So senn mir" sein Publikum, das je zottiger der Gag, umso lauter mitging.

Mit Christoph Sonntag haben die Banker eine vergnügliche Sonder-Dividende an ihre Miteigentümer ausbezahlt, die viel mehr wert war als die drei Prozent, die sie sonst ausschütten.