Rottenburg

Bürgerprotest gegen Galgenfeld formiert sich

von Angela Baum

Am Samstag, 22. April, um 10.30 Uhr demonstrieren Bürger, Landwirte sowie die Liste "Frischer Wind" des Ortschaftsrates mit der Unabhängigen Wählervereinigung und der Kiebinger Wählervereinigung gegen das geplante Gewerbegebiet Galgenfeld.

Rottenburg-Kiebingen. Der Schulterschluss der Bündnisse ist laut Stadtrat Volkmar Raidt notwendig, um das Gewerbegebiet zwischen Rottenburg und Kiebingen eventuell verhindern zu können.

Für Raidt ist die Situation als Nebenerwerbslandwirt prekär: Er würde, wenn das geplante Gewerbegebiet "Galgenfeld" oder "Herdweg" kommt, 50 Prozent seiner Ackerfläche verlieren. Raidt treibt 76 Hektar Fläche um, davon sind 40 Hektar Ackerland. "Flächenfraß" stellt für ihn ein großes Problem dar.

So hat er bereits jetzt durch den Bau der B 28 durchs Neckartal sieben bis neun Hektar landwirtschaftliche Flächen verloren. Er hat Angst davor, dass das Neckartal zwischen Rottenburg und Tübingen "aufblüht", wenn die B 28 fertig sein wird – da könnten sich Läden und Geschäfte ansiedeln, der Straßenrand könnte "zugepflastert" werden, befürchtet er.

Doch zurzeit, ohne den Flächenverlust durch das geplante Gewerbegebiet "Galgenfeld", hat er wohl noch eine Perspektive. Raidt baut auf vielen seiner Flächen Alblinsen, die "Alb-Leisa", an. Zudem hat er derzeit 30 Rinder. Als Biolandbetrieb baut er neben den Linsen auch noch alte Getreidesorten an wie Emmer, Einkorn, Dinkel, Leinsamen, Braugerste oder normalen Weizen. Zudem produziert er Silomais als Futter für seine Ringer und Lichtroggen. "Es ist wichtig, dass man alte Getreidesorten erhält", sagt der Bio-Landwirt.

Raidt ist auf die Einnahmen angewiesen

Raidts Sohn Benedikt würde gerne einmal den Hof übernehmen. Er lernt derzeit Metzger und hat so beste Voraussetzungen, einmal in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Raidt erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass seine Großfamilie mit vier Kindern und der Oma sowie seiner Frau auf die Landwirtschaft angewiesen ist.

Nach Feierabend – Raidt arbeitet auch noch bei den Unikliniken als Elektriker – dreht sich bei ihm alles um den Biolandhof mitten in Kiebingen. Denkt er an den geplanten Aktionstag, hofft er einfach, dass möglichst viele Bürger kommen, um ihrem Unmut gegenüber den Planungen Luft zu machen und um auf die Situation der Landwirte hinzuweisen.

Es wird ein großes Banner aufgehängt, welches darauf hinweisen soll, dass auch wertvolle Naherholungsgebiete verloren gehen würden. Das Aktionsbündnis "Kein Gewerbegebiet Galgenfeld" setzt sich ein für den Erhalt der freien und unbebauten Landschaft, für Klima- und Landschaftsschutz sowie für Naturschutz zwischen Kiebingen und Rottenburg.

So sagt Raidt, dass das Naherholungsgebiet entlang des Rammert für die Kiebinger und Rottenburger Bevölkerung für immer zerstört werden würde. Auch würde eine Bebauung im "Galgenfeld" den Kalt- und Frischluftstrom im Neckartal extrem stören. Zudem würde das Landschaftsbild zwischen Rammert und Neckartal mit seinen Streuobstwiesen zerstört. "Ein Stück Heimat würde unwiederbringlich verloren gehen", bilanziert Raidt.

Finanzbürgermeister Hendrik Bednarz erklärt auf Nachfrage, dass er bislang keine Einladung zum Aktionstag bekommen habe und daher wohl nicht kommen werde. Doch sichert er zu, dass man das "Galgenfeld" nur im Dialog mit der Ortschaft und den Bürgern vorantreiben werde.

Noch sei nichts entschieden – derzeit entwickelt die Stadt ein Konzept für die Gewerbeentwicklung in Rottenburg in kommenden Jahren. Hinsichtlich des Problems der Pachtflächen für Landwirte werde die Stadt Lösungen anbieten. Zudem müsse, so Bednarz, erst einmal die Meinung des Regionalverbandes eingeholt werden. Es sei sein Wunsch, mit Offenheit an die Sache heranzugehen, so Bednarz.