Rottenburg

Bürger wollen aktiv Zukunft gestalten

von Annika Rath

Plakate an den Wänden zeigen, worum es bei der dritten Zukunftswerkstatt gehen soll: Bürgerbeteiligung und Kommunikation werden Rottenburg ebenso prägen wie Lebensräume, Verkehr, regionale Kreisläufe und Lebensqualität in der Stadt insgesamt.

Rottenburg. Es riecht nach Kaff ee. Informationsblätter und bunte Stifte liegen auf den Gruppentischen. An diesen wird eifrig zu den einzelnen Themen diskutiert.

"Wir wollen die Zukunft gemeinsam in die Hände nehmen", begrüßte Emanuel Peter die interessierten Rottenburger zur dritten Zukunftswerkstatt. Der Stadtrat der Linken-Fraktion hatte diese gemeinsam mit Dietmar Lipkow, bekannt durch das Aktionsbündnis gegen ein Gewerbegebiet im Galgenfeld, organisiert. Rund 15 Personen waren in die Räumlichkeiten des Awo-Heims gekommen, um ihre Wünsche, Ideen und Vorstellungen einzubringen. Denn, so zeigte sich Peter überzeugt: "Die Stadt gehört den Bürgerinnen und Bürgern."

Ziel des Treffens war einerseits die Vernetzung der Initiativen, die es bereits in Rottenburg gibt. Dazu gehört etwa der Aktionskreis Stadtbild, der Verein zur Steigerung der Lebensfreude, die Bürger für Ergenzingen, der Förderverein Haus der Nachbarschaft oder das Aktionsbündnis Galgenfeld.

Andererseits sollte über die zentralen Themen diskutiert und Ideen eingebracht werden. "Am Ende soll auf den Plakaten stehen: Welche Ziele sind hier vor Ort die vorrangigen?", erläuterte Lipkow. Eventuell könne damit dann beim Land Baden-Württemberg ein Antrag zur Förderung der weiteren Arbeit gestellt werden.

Ergänzende Gedanken zu den bereits festgehaltenen Themen auf den Plakaten kamen aus dem Plenum: Seniorenpolitik war da beispielsweise zu hören. Gemeinsam wurde entschieden, dass die Seniorenpolitik bei allen anderen Schwerpunkten vorkommen sollte, sei es bei der Lebensqualität, dem Verkehr oder den Lebensräumen.

Am Tisch zur regionalen Nachhaltigkeit wurden unterschiedliche Gedanken formuliert. "Wie viel Gewerbe braucht Rottenburg?", war eine heiß diskutierte Frage. Eine Bürgerin aus Ergenzingen wünschte sich, dass dort nicht alle Ackerflächen versiegelt und zugebaut würden. Stattdessen sprach sich die Gruppe für eine überregionale Strukturpolitik aus. "Richtung Böblingen gibt es schon versiegelte Flächen, da müssten die Kommunen besser zusammenarbeiten." Auch die Gewerbeflächen vor Ort könnten besser genutzt werden. Die Idee eines regionalen Kaufhauses hatte der Arbeitskreis Stadtbild bereits formuliert.

Bei der Kommunikation ging es sowohl um die Interaktion nach innen, als auch nach außen. Durch die Bildung eines Netzwerkes soll es künftig einfacher sein, innerhalb der Stadt Dinge zu äußern. Denn die Beteiligung der Bürger müsse weiter ausgebaut werden. "Die da oben machen doch eh, was sie wollen", soll keine treffende Beschreibung mehr sein. Stattdessen solle die Öffentlichkeit mehr Druck generieren können.

Am dritten Tisch wurden die Lebensqualität und die Lebensräume miteinander verknüpft. Das generationenübergreifende Wohnen stand dabei besonders im Mittelpunkt. Die Idee: Viele ältere Menschen wohnen alleine in einem Haus. Oft schaffen sie es nicht, sich um den Garten oder kleine Reparaturen zu kümmern. Junge Menschen hingegen suchen Wohnraum und könnten als Tausch Arbeiten erledigen.

Diese mögliche Tauschbörse im Privaten müsse durch städtischen Wohnungsbau ergänzt werden. Durch die kommunale Wohnbaugesellschaft sei hier bereits ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan worden. Aber, so zeigte sich Peter überzeugt: "Das reicht für die Zukunft aber in der Gesamtheit nicht aus."