Rottenburg

Am Seil geführt muss er tanzen

von Daniel Begemann

Der Wurmlinger Strohbär ist zurück: Zum ersten Mal seit sieben Jahren erweckt die Narrenzunft Wurmlinger Knöpfle die spektakuläre Figur der alten Wurmlinger Fasnet anlässlich ihres 40-jährigen Jubiläums beim Umzug am Sonntag (13.30 Uhr) zum Leben.

R o ttenburg-Wurmlingen. Der Strohbär ist in Wurmlingen nicht alle Jahre zu sehen. Doch nicht etwa, weil die Figur massiven körperlichen Ausmaßes nicht beliebt wäre. Vielmehr bedeutet ein Strohbär für die Narrenzunft sehr viel Arbeit. Das Einbinden eines Narren in eigens für diesen Zweck angebauten und geernteten Strohs dauere laut Thomas Fuhrer, Zweiter Vorstand der Narrenzunft Wurmlingen, rund eineinhalb Stunden. Fuhrer sagt: "Da es in heutiger Zeit sehr schwierig ist, einen Bauer zu finden, der diese Sorte Stroh anbaut und der Aufwand – Anbau, Ernte, Lagerung, Einbinden – sehr groß ist, haben wir uns entschieden, den Strohbär nur zu besonderen Anlässen als Teil der Gruppe ›Alte Wurmlinger Fasnet‹ laufen zu lassen."

Der Wurmlinger Bär hat eine jahrhundertelange Tradition. Bereits im Jahr 1852 wurde er von dem Volkskundler Anton Birlinger erwähnt. Er schrieb: "In Wurmlingen bei Rottenburg macht ein Bursch den Fasnachtsnarren, er wird in Stroh gehüllt und an einem Seile als Bär im Dorfe herumgeführt und muss tanzen, während ein anderer die Flöte dazu bläst." Bei der Beschreibung handele es sich nach Angaben der Narrenzunft Wurmlinger Knöpfle um die älteste Erwähnung eines Strohbären in der Region. Anfang der 1990er-Jahre sei die Tradition für einige Zeit eingeschlafen und erst zu einem Jubiläumsumzug der Wurmlinger Knöpfle im Jahre 2011, damals federführend von Thomas Fuhrer, Zweiter Vorstand der Narrenzunft Wurmlingen, erneut zum Leben erweckt.

Zu ihrem 40-jährigen Jubiläum macht sich die Narrenzunft nun wieder die Mühe, einen Strohbären auftreten zu lassen. Fuhrer sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Wir haben von einem Bauern aus Hailfingen das Stroh bekommen. Er hat uns einen Teil seiner Ernte auf dem Feld stehen gelassen." Das Stroh musste von der Narrenzunft von Hand geerntet werden, da es maschinell geerntet zu kurz wäre, um den Bären binden zu können. Fuhrer sagt: "Wir haben einen Anhänger voll Stroh." Wie viel genau für einen Bären benötigt wird, lasse sich nur schwer abschätzen.

Übersteht der Strohbär den Jubiläumsumzug, wird er möglicherweise beim traditionellen Umzug am Fasnetssamstag noch einmal auftreten. "Wir werden sehen, ob das Stroh nach dem ersten Umzug noch brauchbar ist. Falls das so sein sollte, wird es ihn noch ein zweites Mal zu sehen geben", sagt Fuhrer.

Die Figur des Strohbären sei laut Fasnetsforscher Werner Baiker aus Sulz am Neckar in den vergangenen Jahren wieder im Aufwind. In 218 Orten in Deutschland gebe es heute die Figur des Strohbären, sagt Baiker. Hochburgen seien Hessen und Thüringen. Auch im englischen Whittlesey nahe Cambridge gibt es die Tradition des Strohbärenbindens. Baiker sagt: "Früher gab es in jedem Ort mit Landwirtschaft Strohbären. Doch mit dem Aufkommen von Mähdreschern in den 1960er-Jahren und der Ästhetisierung der Fasnet in den 60er- und 70er-Jahren, als Holzmasken populärer wurden, wurde der Strohbär seltener. heute ist er im Gegensatz zu früher wieder etwas Besonderes."