Rottenburg

50 Festmeter Fichtenwald geschlagen

von Klaus Ranft

"Gott sei Dank hat es geregnet", sagt Reinhold Renz, "jetzt hat der Waldboden wenigstens ein bisschen Feuchtigkeit, auch wenn das noch lange nicht ausreicht." Der Schwarzwälder Bote hat Renz bei einem Kontrollgang durch seine zwei Waldparzellen mit rund 25 Ar im herrlich gelegenen Rommelstal begleitet.

Rottenburg-Ergenzingen. In diesem Naherholungsgebiet, welches von Bikern, Joggern und Spaziergängern stark genutzt wird, spielt sich ein rasantes Waldsterben ab, vor allem bedingt durch den "Buchdrucker", einer Untergruppierung des Borkenkäfers. Selbiger legt seine Brutsysteme vor allem in die Rinde von Fichten. "Ich kontrolliere wöchentlich ein oder zweimal meinen Wald", so Renz. Doch trotz dieser kurzen Intervalle habe er unlängst feststellen müssen, dass zehn weitere Bäume vom Borkenkäfer befallen waren.

Renz ist einer der vielen Kleinwaldbesitzer, die besonders unter der Borkenkäferplage leiden. "Vor drei Monaten hatte ich noch ein geschlossenes Waldstück", sagt er, jetzt habe er 50 Festmeter Fichtenwald geschlagen. Alles jetzt nur noch minderwertiges Holz, wie er erklärt, das nicht absetzbar sei. Mittlerweile habe er – auch bedingt durch die trockenen Jahre zuvor – so viel von diesem Holz gelagert, dass er die nächsten zehn Jahre damit heizen könne.

Vor 70 Jahren hätten seine Vorfahren diesen Fichtenwald gepflanzt, der eigentlich als Dauerwald geplant gewesen sei, aus dem man Bauholz hätte gewinnen können, so Renz. Schließlich habe man die Fichte dereinst als "Brotbaum" bezeichnet, da sie für Bauholz besonders geeignet war und man dafür auch gutes Geld bekam. Nun habe die oben genannte Borkenkäferart, die sich an Fichten schadlos halte, diesen Plan durchkreuzt. Die Fichte als Bauholz müsse man wohl künftig abschreiben, und die Tendenz gehe zu wärmeunempfindlicheren exotischen Hölzern oder aber Douglasie, Lärche, Eiche oder Buche. Renz macht vor allem den Klimawandel und die daraus resultierenden fehlenden Niederschläge für das Waldsterben verantwortlich.

Mit dem Abholzen der von diesem Schädling befallenen Bäume sei es allerdings nicht getan, weiß Renz aus Erfahrung. Dort wo abgeholzt ist, scheint die Sonne rein, die vorhandene Feuchtigkeit verdampft schneller und das wiederum begünstige die Vermehrung des Borkenkäfers, und dieser habe dann leichtes Spiel.

Umso mehr freut er sich über die "Wildveredelung" auf seinen Parzellen durch andere Baumsorten. Das sind im Klartext Baumpflanzen, die wild wieder nachwachsen und für einen Mischwald sorgen können. Deren zarte Triebe hegt Renz besonders und stülpt ihnen eine Schutzmanschette über, die vor Wildverbiss schützen soll. Renz selbst sieht sich als Hobby-Waldbesitzer, der auch in für den Wald schlechten Zeiten Verantwortung übernimmt. "Würde ich allerdings meine Arbeitszeiten gegen meinen Ertrag aufrechnen, müsste ich meinen Wald sofort verkaufen", so Renz und weiter: "Aber selbst der Verkauf ist heutzutage nicht einfach zu bewerkstelligen."

Seine Arbeiten, sofern nötig, stimmt er immer mit dem zuständigen Förster Raik Tänzer ab. Sein Handwerkszeug ist eher bescheiden. "Ich habe lediglich einen Traktor mit Anhänger, eine Kettenmotorsäge und das, was man ohnehin zu Hause hat, damit arbeite ich dann auch im Wald", so Renz, dem man anmerkt, dass er trotz der derzeitigen Situation gerne "Hobby-Waldbesitzer" ist.