Rottenburg

10-Baht-Münze oder 2-Euro-Stück?

von Angela Baum

Kopf und Zahl – beides muss auf der 2-Euro-Münze zu sehen sein. Sonst könnte es sich um eine Verwechslung handeln: Gelegentlich werden thailändische Münzen in Umlauf gebracht, die dem Eurostück verblüffend ähnlich sind.

Rottenburg. Nils P. (zwölf Jahre) staunte nicht schlecht, als er nach dem Besuch eines Restaurants in seinen Geldbeutel schaute, um etwas an der Tankstelle zu kaufen. Nils wollte Kaugummis erwerben, doch an der Kasse meinte die freundliche Kassiererin, dass dies wohl keine 2-Euro-Münze sei. Es fehlte nämlich die deutlich erkennbare Ziffer Zwei – Nils hatte der Dame ein thailändisches 10-Baht-Geldstück gereicht, ohne es zu bemerken.

Die thailändische 10-Baht-Münze sieht der europäischen 2-Euro-Münze täuschend ähnlich. Doch das 10-Baht-Geldstück trägt auf der Vorderseite ebenso wie die 2-Euro-Münze ein männliches Porträt, die Rückseite zeigt eine thailändische Tempelanlage. Nur wenn man sich kurz Zeit nimmt, um den Zweier der Euromünze zu erkennen, ist ein Irrtum ausgeschlossen.

So wertlos ist das gute 10-Baht-Stück auch wieder nicht

Zuhause angekommen, erzählte der Junge seinem Vater von seinem Erlebnis in der Tankstelle – der staunte auch nicht schlecht. Die Eltern meinten, dass es in einem Restaurant eigentlich nicht passieren dürfe, dass in einer fremden Währung herausgegeben wird. Nur wenige Tage später kam Nils’ Tante Daniela Baum zu Besuch, und ihr Neffe erzählte ihr, was ihm da im Restaurant mit dem "Falschgeld" passiert ist.

Die Tante zückte daraufhin ihr Portemonnaie und holte ebenfalls eine thailändische 10-Baht-Münze heraus. "Das habe ich kürzlich in Reutlingen nach dem Besuch eines Restaurants in der Geldbörse gehabt." Ihr sei dies nur deshalb aufgefallen, weil sie auf dem Weg nach Heilbronn an einer Autobahnraststätte hielt. Der Münzautomat an der Toilettenanlage akzeptierte das fremde Geldstück nicht. Es war die einzige größere Münze in ihrem Geldbeutel, daher wusste sie auch genau, woher sie kam. Sie schaute sich das Geldstück genauer an und bemerkte erst da, dass es kein echtes 2-Euro-Stück war.

Die einigermaßen geschockte 48-Jährige fühlte sich etwas abgezockt und achtet nun mehr auf die Münzen, die sie bekommt. Die Abzock-Masche mit den 10-Baht-Münzen aus Thailand ist laut Polizeioberkommissar Tausch, der Leiter des Polizeireviers Rottenburg ist, eine alte Nummer. "Früher konnte man die 10-Baht-Münzen auch in unsere Automate einwerfen, das hat damals schon etwas Schaden angerichtet." Heute, so Tausch, ginge dies nicht mehr – die Rillen müssten inzwischen passen, zudem wögen die meisten Automat die Münzen, alles muss genau stimmen. "Immer wieder sind die thailändischen 10-Baht-Münzen im Umlauf", sagt Tausch im Gespräch mit unserer Zeitung. "Das ist halt ärgerlich für die Betroffenen."

Genauso kommentiert es die Kripo Tübingen. "Der Trick mit den 10-Baht-Münzen ist uralt und kommt immer wieder hoch. Die Leute sollten schauen, was sie besonders in der Ferienzeit für Münzen als Wechselgeld bekommen." Wer also nicht auf die Zwei der 2-Euro-Münzen achtet, und nur den Kopf und nicht die Zahl anschaut, hat unter Umständen "Ramsch" im Geldbeutel.

Doch Halt. So wertlos ist das gute 10-Baht-Stück auch wieder nicht. Wer clever ist, verkauft die thailändische Münze an einen Sammler oder versteigert sie im Internet. Denn die 10-Baht-Münzen bringen dann nicht nur zwei Euro, sondern sind bei derartigen Sammlergeschäften zwischen 3,50 Euro und 6 Euro wert.

"Falschgeld" aus Thailand kann im Netz weiterverkauft werden

Der Baht ist die Währung Thailands. Namengebend war die thailändische Gewichtseinheit für Gold. Das Gold-Baht ist durch die moderne Währung in Münzen und Banknoten abgelöst worden. Doch auch wenn man dieses "Falschgeld" an Sammler verschachern kann – ärgerlich ist es für den einen oder anderen im ersten Moment allemal.