Reiten

Verflixtes letztes Hindernis

von Michael Stock

Auf dem Hirschhof in Nordstetten schienen sie es gestern eilig gehabt zu haben, allesamt – ob Veranstalter oder Springreiter. Das mit Spannung erwartete S*-Springen mit anschließendem Stechen begann eine Viertelstunde vor eigentlichem Zeitplan. Enttäuscht wurde am Ende niemand.

Das konnten nicht mal die Lokalmatadoren Peter Hertkorn oder Stefan Hirsch sein. "Natürlich ist es schade, es nicht ins Stechen geschafft zu haben, aber so ist der Sport, im Springen kann dir immer mal ein Fehler unterlaufen", sagte Hirsch, der den Parcours insgesamt anspruchsvoll, aber auch fair fand. Der Hofbetreiber haderte vor allem in der Schlusslinie, am drittletzten Hindernis leistete er sich auf Pferd Astana einen Abwurf. "Die Bahn Richtung Hindernis habe ich vielleicht ein bisschen zu eng genommen", analysierte er nach dem Ritt. Astana ist mit ihren acht Jahren noch vergleichsweise jung, "hat erst vier S-Turniere bestritten, dafür lief es super mit ihr", ergänzte Hirsch. Allein, sie bräuchte vielleicht ein wenig mehr Platz als ihr auf dem Gelände zur Verfügung stand.

Besser zurecht kamen in der letzten attraktiven Springprüfung des dreitägigen Turniers gleich neun Reiter, die es bis ins Stechen schafften. Nach einer Umbauphase galt es für sie, sieben Hindernisse möglichst strafpunktfrei zu überwinden und so schnell wie möglich durchs Ziel zu reiten. Manuel Friederichs legte auf Kortina zunächst gut los. Dann kam das letzte Hindernis, das Duo riss, die Zeit stand bei 35,9 Sekunden. Es folgte Thomas Volk, auch er legte auf Limerick einen makellosen Ritt hin – bis zum letzten Hindernis, dann erging es ihm wie seinem Vorgänger. War nach dem "Favoritensterben der Lokalmatadoren" plötzlich der Wurm drin im Stech-Parcours? Immerhin erwischte es auch Florian Lippermeier, ja wo nur? Am letzten Hindernis.

Die restlichen noch mitkonkurrierenden Reiter schienen mitbekommen zu haben, was die "Achillesferse" des Parcours zu sein schien. Markus Kölz war es, der in Shelby einen kongenialen Mitstreiter fand und in einem irren Tempo fehlerlos nach 37,45 Sekunden durchs Ziel ritt. Zwei Amazonen, die es ins Stechen geschafft hatten, schickten sich daraufhin an, Kölz Paroli zu bieten. Jennifer Taxis und Isabel Chiara Schmidt blieben beide strafpunktfrei, konnten am Ende aber nicht genug Tempo aufbringen wie Kölz.

Taxis war zwar aktuell Zweitbeste, doch dann betrat Volk mit seinem zweiten Pferd Cochava das Gelände, die Spannung stieg immer weiter. Er ließ das Tier regelrecht von der Leine, musste sich aber mit einer Hundertstel Sekunde hinter Kölz einreihen. Der hatte seinerseits noch einen Pfeil im Köcher und haute nochmal auf Chiapas einen raus, verbesserte seine Zeit um drei Sekunden. Da konnte selbst der angriffslustige Lokalmatador Mohamad Mogheeth Alshehab auf Galina nicht mehr mithalten, grätschte aber immerhin noch dazwischen und ritt zu Platz zwei.