Region

Landfahrer: Städte haben wenig Handhabe

von Natascha Kübler

Region - Eine Landfahrergruppe hat in der vergangenen Woche in Villingen-Schwenningen für Ärger gesorgt. Nachdem die Polizei vor sogenannten Teerkolonnen (Gruppen, die von Haus zu Haus ziehen und angeblich günstige Arbeiten anbieten) warnte, entspannte sich auf Facebook in der Gruppe Stadtgeflüster VS eine rege Diskussion. Die Kommentatoren brachten die Warnung in Verbindung mit einer irischen Gruppe, die in Villingen campierte.

Auf Nachfrage bei der Stadt hieß es zu diesem Zeitpunkt, die Stadt wisse von einer irischen Gruppe, die derzeit auf dem Vorderen Stallberg aufhalte. Das Ordnungsamt schaue täglich bei diesen Landfahrern vorbei, die Kommunikation sei gut: Die Iren zeigten sich verständig, auch was Themen wie Müll und Lärm anginge. Umso größer war dann die Empörung vieler Doppelstädtler, als die Gruppe abzog und ein Müllchaos hinterließ. Zudem sorgte die Berichterstattung unserer Zeitung über einen Vorfall im Landgasthof Ritter, bei der eine Gruppe die Zeche prellte, für weitere Furore.

Doch wie gehen Städte eigentlich mit solchen Gruppen um? Jürgen Luppold, Balingens Pressesprecher, erklärt, man habe wenig Handhabe. „Die stellen sich einfach hin“, sagt er. In Balingen machen Landfahrer manchmal Halt auf dem Parkplatz bei der Sparkassen-Arena. Das sorgte in der Vergangenheit bei einem Spiel des HBW Balingen-Weilstetten schon für Probleme, denn da wurde jeder Parkplatz benötigt. „Dann ist die Frage: Wie kriegen Sie die weg?“, berichtet Luppold. Natürlich könne man die Polizei vorbeischicken und notfalls abschleppen. Aber das verursache Kosten. Deshalb resümiert Luppold: „Wir sind froh, wenn diese Gruppen an Balingen vorbeifahren.“

In Calw duldet man Landfahrergruppen auf den Caravan-Stellplätzen beim alten Bahnhof. Gewünscht ist jedoch, dass die Reisenden nicht länger als drei Tage bleiben. „Wir arbeiten verstärkt mit der Polizei zusammen. Die schauen nach dem Rechten“, erklärt Irene Stamer von der Abteilung Öffentliche Ordnung im Calwer Rathaus. Meistens sei das fahrende Volk jedoch ohnehin nur auf der Durchreise. Deshalb habe man bezüglich dieses Themas kaum Probleme.

Auch in Rottweil gibt es eine Art ausgewiesene Fläche für Gespanne: in der Verlängerung hinter den Sportstätten (beim Freibad). Das Konfliktpotenzial dort sei sehr gering, berichtet Tobias Hermann, Pressesprecher der Stadt. Lediglich wenn die Landfahrer den benachbarten Wohnmobilplatz mitnutzten, komme es zu Problemen. Ansonsten sei Rottweil auf fahrende Gruppen eingerichtet. "Diese Menschen sind schließlich auch Teil der Bevölkerung", sagt Hermann. Klar sei aber, dass das Campieren einer Gruppe nie eine dauerhafte Sache sein könne. Man brauche den Platz ja immer wieder für neue Gruppen.