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Einbruch: Schutz für Haus und Wohnung

von (Hoefer/dpa)

Region - Die Zutrittskontrolle für Besucher kennen die meisten Bürger bislang nur aus dem Büro oder aus dem Fernsehen. Doch inzwischen rüsten  auch immer mehr Privatleute ihre Häuser mit professioneller Sicherheitstechnik aus - aus Angst vor Einbrechern. Das Angebot geht mittlerweile weit über Alarmanlage und Bewegungsmelder hinaus – vom einbruchhemmenden Fensterglas bis zum Fingerabdrucksensor für die Haustür ist alles zu haben.

Der alte Spruch "My home is my castle" ist inzwischen in vielen Fällen wörtlich zu nehmen. Die Angst vor Einbrechern ist in Einfamilienhaussiedlungen bundesweit seit einigen Jahren eines der Top-Gesprächsthemen. 

Videoüberwachung liegt im Trend

Ein Trend: die Videoüberwachung. "Die Leute wollen die Leute an der Haustür nicht nur sprechen, sondern auch sehen", sagt Clemens Jesenitschnig, Sprecher des auf Gebäudekommunikation spezialisierten Furtwanger Unternehmens Siedle. Moderne Videokameras speichern die Filmaufnahmen – so können die Bewohner nachträglich jeden betrachten, der vor ihrer Haustür stand. 2015 wurden in Deutschland demnach 65.000 Türstationen verkauft – davon bereits 15 Prozent mit Videoüberwachung. 2014 waren es nach Siedle-Angaben erst 12 Prozent.

"Einbruchhemmung ist das Thema Nummer eins", sagt Frank Horhäuser, Produktmanager beim hessischen Tür- und Fenstergriffhersteller Hoppe – eines von mehreren Unternehmen, die Fingerscanner für die Haustür anbieten. Verbreitung für den privaten Hausgebrauch finden somit auch Technologien, die bis vor einigen Jahren ausschließlich in Hochsicherheitsbereichen von Firmen, Behörden und Forschungsinstituten zu finden waren.

Der Einbruchschutz ist oft mit "smart home"-Produkten vernetzt. Wer gerne per Handy Heizung und Wohnzimmerlampe an- oder ausschaltet, entscheidet sich häufig auch für ferngesteuerte Türkontrolle und Videoüberwachung. Eigenheimbesitzer haben damit inzwischen ähnliche Kontrollmöglichkeiten wie die Sicherheitsleute in einem Bürohochhaus. "Wir spüren einen starken Trend, dass sich das stark von dem gewerblichen in den privaten Bereich hineinbewegt", sagt Gabi Bauer, Marketingchefin bei dem auf Türen und Schlösser spezialisierten Gebäudetechnikhersteller Geze aus Leonberg bei Stuttgart.

Polizei und Versicherungen allerdings legen weniger Wert auf Hightech als auf schlichte mechanische Sicherung – etwa einbruchhemmendes Fensterglas und Türbeschläge oder zusätzliche Schlösser für die Fenster. Denn die polizeiliche Erfahrung lehrt, dass es Einbrecher eilig haben.

Geht es nicht schnell, ziehen Täter wieder ab

Gelingt es ihnen nicht, innerhalb kurzer Zeit in ein Haus oder eine Wohnung einzudringen, ziehen viele wieder ab. Bevorzugte Einbruchmethode ist nach wie vor das Aufhebeln von Fenster oder Tür – das lässt sich durch ein gutes Schloss oft verhindern.

In Bayern etwa zählte die Polizei 2015 insgesamt 7480 Einbruchsdelikte, davon blieben 46 Prozent unvollendet. "Fast jeder zweite Einbruch blieb also im Versuchsstadium stecken, weil die Täter gestört oder von einer wirkungsvollen Sicherungstechnik abgehalten wurden", sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums in München.

Hilfreich für die Branche ist die staatliche Hilfe. Die öffentliche Kfw-Bank fördert den Absatz der Anti-Einbruchs-Technik abhängig von der Investitionssumme mit bis zu 1500 Euro Zuschuss. Doch eine gesetzliche Norm für den Einbruchschutz gibt es nicht, stattdessen zertifizieren mehrere Institute die Produkte der Hersteller. Doch eine neue Fenstersicherung allein garantiert keineswegs den Schutz. "Planungs- und Montagefehler können schnell dazu führen, dass die Einbruchhemmung von Fenstern und Türen nicht mehr wirkt", sagt Jürgen Benitz-Wildenburg, Sprecher des Instituts für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim. 

Fakten zu Wohnungseinbrüchen in Deutschland

Die Zahl der Wohnungseinbrüche im Südwesten geht weiter zurück. Der seit drei Jahren anhaltend positive Trend habe sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 weiter fortgesetzt, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU) in Stuttgart anlässlich des "Tags des Einbruchsschutzes" Ende Oktober. Konkrete Zahlen will das Ministerium aber erst mit Blick auf das Gesamtjahr nennen. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik war schon 2017 die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Jahr davor um 24 Prozent auf 8437 Fälle zurückgegangen. 

Wie wird eingebrochen?

Laut der alle paar Jahre aktualisierten sogenannten Kölner Studie kamen im Jahr 2011 Einbrecher in circa 48 Prozent der Einbrüche in einem Einfamilienhaus durch die Terrassentür ins Haus, bei rund 32 Prozent durch die Fenster. Die Haustür war in rund zwölf Prozent der Fälle der Zugangsort, Kellerfenster und -tür suchten sich Einbrecher nur in drei und einem Prozent der Fälle aus. Dabei werden die allermeisten Fenster und Türen aufgehebelt.

Wann agieren Einbrecher?

Häufig tagsüber, wenn die Bewohner nicht im Haus sind. 2016 traf dies auf mehr als ein Drittel aller Wohnungseinbrüche zu (41,8 Prozent). Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Zahl noch höher ist. Denn bei vielen Einbrüchen lässt sich die genaue Tatzeit nicht ermitteln, zum Beispiel weil die Bewohner währenddessen im Urlaub waren.

Was bringt Einbruchschutz?

Fast die Hälfte der gemeldeten Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken (44,3 Prozent). Diese Zahl steigt seit 15 Jahren stetig an. Das Bundesinnenministerium nennt in seinem Bericht zur Kriminalstatistik für 2016 die Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen sowie die Präventionsmaßnahmen der Polizei als möglichen Grund für diese hohe Zahl gescheiterter Einbruchsversuche.