Region

Angst vor Tuberkulose berechtigt?

von (mja)

Bisingen/Region - Nach einem erneuten Tuberkulose-Fall in einem Kindergarten in Bisingen wurde rege diskutiert - vor allem in den sozialen Netzwerken. Die Angst, dass die Volksseuche Tuberkulose in Deutschland ausbricht, steigt. Viele meinen, in Asylsuchenden den Grund dafür gefunden zu haben. Aber was steckt wirklich dahinter?

In jeder Region der Welt, die von Menschen bewohnt wird, tritt Tuberkulose auf. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Erreger infiziert. Allerdings erkrankt nur ein geringer Teil auch tatsächlich an Tuberkulose. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland. Das Robert Koch-Institut vermeldete seit 2013 einen Anstieg der Fallzahlen. 2015 seien es bundesweit rund 5800 neue Fälle - deutlich mehr als im Vorjahr. 2016 hat sich die Zahl kaum verändert. Ursachen dafür seien Armut, Drogensucht und Erregerresistenzen sowie eine erhöhte Zuwanderung von Menschen aus Krisengebieten und Armutsregionen, heißt es beim Robert-Koch-Institut.

Dem Gesundheitsamt des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis wurden für das Jahr 2015 13 Fälle, für die Jahre 2016 und 2017 jeweils neun Fälle von Erkrankungen gemeldet, heißt es dort. Die letzte Meldung sei Anfang Januar eingegangen. Diese Zahlen liegen etwa 25 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Über drei Jahre gesehen liegt die Zahl für Tuberkuloseerkrankungen im Schwarzwald-Baar-Kreis bei fünf Erkrankungen je 100.000 Einwohner im Jahr. Der Landesdurchschnitt im Dreijahresvergleich liegt bei 6,7 Erkrankungen je 100.000 Einwohner im Jahr.

Weiter heißt es vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis: "In sogenannten High-Burden Countries liegt die jährliche Zahl für Tuberkulose bis zu 100 höher als bei uns. Alle länger im Land lebenden Touristen, Geschäftsreisenden, Arbeitnehmer und Flüchtlinge haben daher ein höheres Erkrankungsrisiko." Dennoch komme es aber nur selten zu "Übertragungen auf die baden-württembergische Bevölkerung durch Migranten, wie es die Migration und Tuberkulose-MuT-Studie gezeigt hat." Im Kreis gehe die Tuberkulose aber weiter zurück und werde mittelfristig das WHO-Ziel von einer Erkrankung je 100.000 Einwohner im Jahr unterschreiten.

Im Kreis Rottweil gab es im Jahr 2018 bereits einen Fall von Tuberkulose. 2017 waren es sieben Fälle, nur zwei davon "bevölkerungsrelevant", wie es die ärztliche Zuständige für Tuberkulose am Gesundheitsamt Rottweil, Christiane Ranke, erklärt. Die Krankheit werde unter anderem durch reisende Deutsche eingeschleppt, zum Beispiel sei vielen nicht bewusst, dass Thailand ein Risiko-Land darstellt. Von Aussiedlern und Einwanderern aus Osteuropa gehe ebenfalls ein erhöhtes Risiko aus. Eine Häufung aufgrund der hinzugekommenen Flüchtlinge gebe es allerdings nicht. Außerdem werde mit Umgebungsuntersuchungen für eine Absicherung gesorgt.

Der Kreis Freudenstadt hatte seine jüngsten beiden Tuberkulosefälle im Oktober 2017, erklärt das Landratsamt. Zu Spekulationen über die Herkunft der Bakterien wollte man sich dort nicht äußern.

Laut Landratsamt gab es im Kreis Calw in diesem Jahr noch keine Tuberkulosefälle, die letzten waren im Jahr 2017. Eine Aussage zum Zusammenhang zwischen dem Flüchtlingszuzug und der Entwicklung der Tuberkulosefallzahlen sei dem Amt "aufgrund der insgesamt geringen Fallzahlen" im Kreis Calw nicht möglich.

Die Zahl der Tuberkulose-Fälle im Südwesten ist im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge bereits wieder etwas zurückgegangen. Dem Landesgesundheitsamt wurden nach Medienberichten 784 Erkrankungen im Jahr 2017 gemeldet. Im Jahr davor hatte die Behörde noch 813 Fälle registriert.