Rangendingen

Welle der Solidarität bei Typisierung-Aktion

von Roland Beiter

Rangendingen - Rangendingen beweist Zusammenhalt: Bei der Typisierungs-Aktion für die an Leukämie erkrankte Lehrerin der Gemeinschaftsschule, Angi Wehrmann, wurden über 1200 Personen neu für die Spenderdatei der DKMS angemeldet. Es war eine einzige Welle der Solidarität. Hilfe war dabei in vieler Hinsicht möglich.

Aus der Ferne in der Klinik hat Angi Wehrmann die Typisierungsaktion in der Festhalle sicherlich mit großem Interesse und großer Dankbarkeit verfolgt. Ihre Familie war vor Ort und berichtete ihr von einer positiven Stimmung während des gesamten Nachmittags.

Schon zu Beginn der Aktion um 11 Uhr war der Andrang überwältigend. An 25 Tischen wurden über die gesamte Zeit gleichzeitig 50 Teilnehmer typisiert. Ein Einweisungsteam am Eingang der Halle lotste die Leute an die frei werdenden Plätze, um ein Durcheinander zu vermeiden.

"Das war wirklich alles sehr einfach und unkompliziert. In 15 Minuten war alles erledigt", erzählt Steven Theurer aus Rangendingen, der zusammen mit seiner Freundin Gloria Nischan gleich beim ersten Schub der Spender dabei war. Ihnen und den anderen Spendern standen beim Ausfüllen der Einverständniserklärung Helfer zur Seite. Danach noch durch die Kontrolle und dann die Probe abgeben: "Das war’s auch schon", lächelt das junge Pärchen. Wer wollte, konnte den Kostenbeitrag für seine Typisierung auch gleich noch an die DKMS spenden.

Um die immensen Kosten für die gemeinnützige Deutsche Knochenmarkspenderdatei etwas abzumildern, sind Spenden an einem solchen Tag stets willkommen. Dabei braucht es nicht immer eine Großspende zu sein, auch kleine Summen wurden dankend angenommen.

Angi schildert ihren Überlebenskampf auf einem Instagram-Blog

Die Gründe waren zwar unterschiedlich, doch für die meisten Teilnehmer der Typisierung stand die Hilfe für Angi Wehrmann und natürlich alle anderen Leukämie-Patienten im Vordergrund. Denn schließlich fließt jeder abgegebene Wangen-Abstrich in die zentrale Datei der DKMS ein und stellt so zukünftig für Leukämie-Patienten weltweit einen Hoffnungsschimmer auf Heilung dar. Dafür nahmen die Menschen teilweise lange Anfahrtswege in Kauf: Vor der Halle standen Autos mit Kennzeichen aus den Landkreisen Rottweil, Freudenstadt, Tübingen, Reutlingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Tuttlingen.

"Unsere beiden Töchter waren Schülerinnen von Frau Wehrmann", erzählt Hayriye Yagbasan aus Stein, "da wollte ich einfach helfen und etwas zurückgeben." Für Rangendingens Schulsozialarbeiterin Birgit Hauk war es eine Selbstverständlichkeit, sich typisieren zu lassen. "Angi war immer eine der Ersten die half, wenn man etwas brauchte", sagt sie. Frank Neth aus Killer trug schon lange den Typisierungs-Gedanken mit sich herum. Als er von der Aktion mitbekam, wollte er „die Gelegenheit nutzen.

Carina Winning aus Rangendingen kennt die Patientin als ihre Zumba-Trainerin. Im Schlepptau hatte sie ihre ganze Freundes-Clique – im vollsten Bewusstsein, auch Stammzellen zu spenden, falls sie irgendwann einmal benötigt würden. Auch sie seien Mütter und als sie von der Aktion über Whats­App mitbekamen, wollen sie einfach helfen, erklärten Kathrin Haubennestel und Sandra Schimminger aus Balingen.

Überwältigt von der großen Anteilnahme waren auch Theresa Binder und Sandra Strobel vom Organisationsteam des SV Rangendingen, die für die DKMS die gesamte Aktion mit einem Stamm an Helfern initiiert und organisiert hatten. Die Bereitschaft, bei der Aktion als Helfer mitzuwirken, sei enorm gewesen, bestätigen beide. "Unsere Handys sind beinahe explodiert", erzählt Theresa Binder. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie die rund 150 Helfer zusammen, die am Sonntag gebraucht wurden. Bürgermeister Johann Widmaier übernahm spontan die Schirmherrschaft für die Spendenaktion.

Und wie Rangendingen für die Lehrerin seiner Gemeinschaftsschule zusammensteht, beeindruckte am Sonntag sogar auch die Mitarbeiter der DKMS: "Wie toll das hier gelaufen ist, war auch für uns beeindruckend", bedankte sich Aktionsleiterin Maria Amarantidou bei allen, die mitgeholfen hatten.

Info: Zahlen zur Aktion

Die Hilfsbereitschaft bei der Typisierungsaktion für Angi Wehrmann war riesig. 1258 Spender von Wangenabstrichen wurden nach Ende der Aktion gezählt. Insgesamt wurden am Sonntag 18 635 Euro an Spenden gesammelt. Hinzu kommen noch Einzelspenden und der Erlös aus dem Essens- und Getränkeverkauf.

Dennoch ist für Angi Wehrmann jetzt erst einmal Geduld gefragt: Bis das Ergebnis der Typisierung den möglichen Empfängern weltweit zur Verfügung stehen könnten, würde es wohl noch ein paar Wochen dauern, erklärte Maria Amarantidou von der DKMS in Tübingen. Dies komme daher, dass die Spenden nun erst in einem aufwändigen Verfahren in einem Labor in Dresden untersucht und typisiert werden müssen, was sechs Wochen in Anspruch nehmen könne.