Radsport

Jonas Koch zeigt seine Qualitäten

von Uli Hugger

Die Saison der Rennradprofis geht in den Endspurt, und da dreht der Rottweiler Jonas Koch richtig auf. Bei der "Vuelta a Spania", der dreiwöchigen Spanienrundfahrt, zeigte der 26-Jährige seine Qualitäten als Sprinter und Ausreißer.

Jonas Koch fuhr auf drei der 21 Vuelta-Etappen in die Top Ten. Und das bei seinem Debüt einer "Grand-Tour". Die Spanienrundfahrt im "WorldTour-Team CCC" beendete der World-Tour-Profi als bester Deutscher und Bester seines Teams auf dem 60. Rang. Koch überzeugte auch in der dritten Woche, fuhr in Guadalajara als Sechter durchs Ziel und bei der 18. Etappe behauptete er sich zum zweiten Mal in Folge in einer Ausreißergruppe. Vier Anstiege der 1. Kategorie galt es auf dem extremen Teilstück zu bewältigen und der Rottweiler spielte seine Qualitäten als Sprinter aus. Bei der Entscheidung um den Etappensieg hatte Koch zwar keinen Einfluss, doch wie er sich selbst am Berg präsentierte, da zollten auch die Konkurrenten Anerkennung und Respekt.

"Es war jetzt nicht meine erste Spitzengruppe in der Vuelta, aber die erste, bei der es so richtig in die Berge ging. Das war nicht einfach. Als dann vor dem zweitletzten Berg eine kleine Lücke aufgegangen wart, weil die sich nicht einig waren, da bin ich mit Louis Meintjes einfach mal losgefahren, weil ich eh wusste, wenn am Berg richtig die Post abgeht, dass es dann schwer wird", schilderte Koch im Ziel "radsport-news.com" gegenüber seinen Angriff, der erwartungsgemäß neutralisiert wurde. Die Attacke zeigte aber, mit welchem Selbstbewusstsein er die erste dreiwöchige Landesrundfahrt seiner Karriere bestreitet.

"Es war richtig schwer von Anfang an, es war klar, dass es die ersten zehn Kilometer auf die Kante geht und dann gleich in den Berg rein. Ich habe mich ganz gut gefühlt. Aber es war nicht einfach, die Gruppe zu erwischen. Letzen Endes ging sie in der Abfahrt und ich konnte da noch mitgehen", schilderte Koch die hart umkämpfte Anfangsphase, an deren Ende sich dann die stark besetzte Gruppe des Tages bildete, aus der heraus sich Higuita schließlich seinen ersten Etappensieg bei einer Grand Tour holte. Aber auch Koch hatte nichts zu bereuen: "Ich denke, ich habe das Beste aus dem Tag gemacht", fügte Koch an.

All diese sportlichen Erfolge sowie die unlängst erfolgte WM-Nominierung in das Deutsche Nationalteam waren Anlass für eine spontane Open-Air-Überraschungsfeier, die Freunde von Jonas Koch Mitte dieser Woche organisierten. Diese Überraschung war "Endstation" einer Trainingsrunde und von der Jonas "Jones" Koch nichts ahnte, gab es leckeren Kuchen . Ex-Radsportkollege Carl Soballa, der früher wie Koch eine Nachwuchslizenz beim RV Radlerlust Deißlingen hatte, mit ihm im WRSV-Nachwuchs-Kader sowie bei LKT Brandenburg fuhr und auch im BDR-Team die deutschen Nationalfarben vertrat, aber 2018 seine Radsportkarriere an den Nagel hängte, sorgte mit einem lockeren, spaßigen Interview mit Kumpel Koch für große Heiterkeit.

Diesem entlockte er das eine oder andere Detail zur Vuelta und dessen Radsportlerleben. So ernährte sich Jonas Koch bei der Spanienrundfahrt hauptsächlich von Reis und vielen Eiern, konnte aber bei letzteren – so man Kochs Aussagen Glauben schenken will – den deutschen Zeitfahrmeister Tony Martin nicht schlagen, der es auf bis zu acht Eier zum Frühstück brachte. Nun stehen bereits die nächsten großen Aufgaben für den 26-Jährigen an, der in Schwäbisch Hall geboren wurde, aber im Alter von eineinhalb Jahren mit seinen Eltern nach Rottweil zog und nun in Zimmern ob Rottweil lebt.

Inzwischen ist Jonas Koch schon wieder auf dem Sprung zu drei aufeinanderfolgenden Straßenrennen in Belgien. Gestern beim "Kampioenschap van Vlaanderen UCI 1.1" sowie heute beim "Primus Classic1.HC" und am morgigen Sonntag beim Gooikse Pijl UCI 1.1", wo er für das CCC-Team fährt, um dann für das Deutsche Nationalteam am Sonntag, 29. September, das Straßenrennen der 86.Weltmeisterschaft in Yorkshire/Großbritannien, von Leeds nach Harrogate (285 Kilometer), zu bestreiten.