Planänderung an den Grundschulen

Wirtschaft lobt späteren Fremdsprachenunterricht

von Renate Allgöwer

Stuttgart - Mehr Förderstunden im Lesen, Schreiben und Rechnen statt Englisch oder Französisch in den Klassen eins und zwei – dies ist einer der Vorschläge, mit denen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Qualität an den Grundschulen verbessern will. Jetzt nannte sie zum ersten Mal Zahlen: 630 Lehrerstellen könnten gewonnen werden, wenn der Fremdsprachenunterricht erst in der dritten Klasse beginne, sagte Eisenmann. Sie verspricht bereits, dass diese Stellen an den Grundschulen verbleiben sollen, als Poolstunden, die die Schulen frei zur Förderung einsetzen können.

Wie das genau aussehen soll, ist noch unklar. Zum nächsten Schuljahr lässt sich das Vorhaben auch nach Einschätzung des Ministeriums kaum verwirklichen. Es müsste der Bildungsplan geändert werden, noch sind auch keine Entscheidungen getroffen.

Für Verbesserung der Grundbildung

Doch das Echo auf Eisenmanns Vorschlag ist bereits überwiegend positiv. Die Arbeitgeber Baden-Württemberg sprechen von einem „richtigen Schritt in Richtung mehr Effizienz“. Stefan Küpper, der Geschäftsführer für Bildung des Arbeitgeberdachverbands verwies auf die Bildungsqualität, die zu wünschen übrig lasse. „Deshalb sind alle Schritte konsequent, die den Fokus wieder stärker auf die Verbesserung der Grundbildung legen“, erklärte Küpper. Auch habe der Fremdsprachenunterricht an den Grundschulen nicht alle Erwartungen erfüllt.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) trägt eine mögliche Verschiebung des Fremdsprachenunterrichts mit. Bedingung sei jedoch, dass die frei werdenden Stellen für die Poolstunden verwendet würden.

Die oppositionelle FDP zeigt ebenfalls Verständnis. Der Lehrermangel und die Schwerpunktsetzung in den Bereichen Deutsch und Mathematik sind für den FDP-Bildungspolitiker Timm Kern „gewichtige Gründe für die Entscheidung“. Kern verweist auch darauf, dass in anderen Bundesländern der Fremdsprachenunterricht ohnehin erst in Klasse drei einsetze.

SPD kritisiert „aktionistische Umschichtungen“

Die SPD dagegen sieht Eisenmann bei der Unterrichtsversorgung „vor dem Offenbarungseid“. Der Schulpolitiker Daniel Born befürchtet „weitere aktionistische Umschichtungen“. Statt die Grundschulen mit zusätzlichen Ressourcen wirklich zu stärken, entziehe die Ministerin dem Fremdsprachenunterricht Deputate, um diese für die Poolstunden einzusetzen.

Die Grünen verhalten sich eher abwartend zu den Plänen der mitregierenden CDU. Eisenmann habe die volle Unterstützung bei der Sicherstellung der Unterrichtsversorgung an den Grundschulen. Zu einzelnen Maßnahmen will sich der Koalitionspartner noch nicht äußern. Sandra Boser, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, erwartet den Maßnahmenplan Eisenmanns „so rechtzeitig vor der Sommerpause, dass die Fraktionen gemeinsam mit der Ministerin darüber beraten und die geeigneten Maßnahmen definieren können“.

Gymnasiallehrer an Grundschulen

Eisenmann schwebt auch vor, Gymnasiallehrer an Grundschulen einzusetzen. Allerdings müssten diese zum Gehalt von Grundschullehrern arbeiten, heißt es aus dem Ministerium. Das ist rund 400 Euro niedriger. Ob das Angebot auf große Resonanz trifft, ist offen. Der VBE, der überwiegend Grund- und Hauptschullehrer vertritt, zeigt sich auch inhaltlich skeptisch: Gymnasiallehrer seien für ihren Bereich hervorragend ausgebildet. „Wie man Schülern Schreiben, Lesen und Rechnen beibringt, ist allerdings nicht Teil ihrer Ausbildung“, merkt der VBE-Vorsitzende Gerhard Brand an.

Bis zur Sommerpause will Eisenmann „ein Dutzend Maßnahmen“ gegen Unterrichtsausfälle vorstellen. So sollen auch Lehrer kurz vor dem Pensionsalter mit Zuverdienstmöglichkeiten dazu animiert werden, ihren Ruhestand hinauszuschieben. In diesem Jahr werden 4500, im nächsten 4000 Pädagogen pensioniert. Die Kultusministerin will zudem die Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2018/19 nutzen, um über den Abbau von Lehrerstellen zu diskutieren. Derzeit sei vorgesehen, bis 2020 rund 1300 Stellen zu streichen.