Offenburg

Üppige Klänge aus der Orgel gezaubert

von Jürgen Haberer

Die musikalische Handschrift von Julian Handlos ist kraftvoll und klanggewaltig. Im Rahmen der diesjährigen Sommermusiken, hat der 27-jährige Organist am Sonntagabend erstmals in der Stiftskirche gastiert.►

Lahr. Der 1992 in Schwäbisch Gmünd geborene Kirchenmusiker offenbarte in Lahr eine kraftvolle Handschrift, kann aber durchaus auch anders. Im ersten Teil seines Orgelkonzerts in der Stiftskirche schob er drei Choräle von Johann Sebastian Bach ein, im zweiten die "Kanzonetta a-Moll" von Max Reger.

Getragene, eher dunkle Harmonien glätteten die Wogen, die Klangsprache des jungen Organisten beruhigte sich spürbar. Das Publikum konnte durchatmen, für einen Moment einfach nur schwelgen. Letztendlich war das Konzert aber von einer kraftvollen und expressiven Tonsprache geprägt. Handlos, der die evangelischen Kantoreien in Freiburg-St. Georgen und Kirchzarten sowie den ökumenischen Chor im Freiburger Stadtteil Rieselfeld leitet, liebt das üppige Spiel der Klangfarben. Die konzertanten Ansätze seines Orgelspiels haben ihm bereits eine ganze Reihe Preise und Auszeichnungen eingebracht. 2019 hat er die Musikhochschule Freiburg beim Hochschulwettbewerb in Berlin vertreten, sich für das Finale des Rheinberger-Wettbewerb in Lichtenstein und den 11. Mikael-Tariverdiev-Wettbewerb in Kaliningrad (Russland) qualifiziert.

Sein Konzert in Lahr leitete er mit der "Dorischen Toccata und Fuge" von Johann Sebastian Bach ein. Das stürmische Aufbrausen der ersten Akkorde ließ aufhorchen, die vom ersten Moment an greifbare Anspannung blieb erhalten. Handlos spielte das Potenzial der großen Orgel in der Stiftskirche konsequent aus, ließ das Instrument in den tiefen Lagen kraftvoll wummern, während er die komplexe Tonsprache Bachs ausbreitete. Felix Mendelssohn-Bartholdys "Sonate Nr.1 f-Moll" steht der Tonschöpfung Bachs ebenso wenig nach wie die "Toccata und Fuge d-Moll", mit der Handlos den zweiten Teil des Konzerts einleitete. Am Ende gelangt ihm trotzdem noch eine Steigerung. Das "Präludium und Fuge über B-A-C-H" von Franz Liszt schwang sich noch einmal eine Stufe höher empor. Das Werk öffnete nun auch noch den Raum für reines Virtuosentum und immer neue Einfälle, für eine Tonsprache, die dissonante Kontrapunkte setzt, das Kirchenschiff immer wieder machtvoll vibrieren ließ.

Das Liszt-Werk krönte den Abend und erlaubte den Organisten einen Parforceritt, der die Zuhörer spürbar beeindruckte.

Die nächste Sommermusik in der Stiftskirche findet am Sonntag, 25. August, ab 20 Uhr statt. Es spielen die Organistin Ilze Reine und der Domorganist Aigars Reinis, die beide aus Riga stammen. Fortgesetzt wird die Reihe am

Sonntag, 8. September, ab 20 Uhr mit Hanna Feist (Mezzosopran, Flöte) und Hermann Feist (Orgel).