Offenburg

Kommunalwahl: Rote Karte gleich mehrfach verteilt

von Endrik Baublies

Lahr - Junge Leute hatten bei einer Podiumsdiskussion die Chance, Kandidaten für den Gemeinderat auf den Zahn zu fühlen. Es war eine ungewöhnliche Veranstaltung, bei der auch mit den Füßen abgestimmt wurde.

Ein Kompliment gilt Fabienne Obert und Martin Hörner, Sprecher des Jugendgemeinderats. Sie hatten die Aufgabe, das Podium in der MPG-Aula mit den neun Vertretern verschiedener Parteien, die sich alle bei der Kommunalwahl bewerben, so gut es geht zu steuern. Das meisterte das Duo souverän und sparte auch nicht mit Nachfragen oder Hinweisen, wenn die Politiker zu lange redeten. Zwei Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung in der ersten Zuhörerreihe hatten je eine Rote Karte. Die bekamen die Vertreter auf dem Podium gezeigt, sobald sie die Redezeit von einer Minute je Statement überschritten. Das wirkte nur bedingt: Bei der persönlichen Vorstellung aller neun Teilnehmer auf dem Podium bekamen zwei gleich in der ersten Runde die Rote Karte gezeigt. Als das nichts half, griffen Obert und Hörner ein: Es gelte jetzt, zum Ende zu kommen. Veranstalter waren der Jugendgemeinderat und die Jugendbegegnungsstätte Schlachthof.

Noch eine gute Idee war, dass zum Einstieg alle neun Vertreter vor der Bühne mit den Füßen abstimmen sollten. Hier galt: "Entweder – oder." Zum Beispiel Frühaufsteher oder Morgenmuffel; Flüchtlingsinitiative oder Sportverein; Pizza oder Döner; ÖPNV oder Individualverkehr.

Wo ist der beste Platz für das Jugendcafé?

Die Moderatoren fragten, wo das Jugendcafé "Wildberry" seinen Platz erhalten soll. Drei Alternativen stehen zur Wahl. Emilia Nenaschew – als Mitglied des Jugendgemeinderats Teilnehmerin des Podiums – verdeutlichte die Positionen des Gremiums: Eine Mehrheit würde den bunten Wagen gern auf dem Roßplatz sehen. Es gebe aber auch zunehmend Befürworter für den Rathausplatz. Der dritte Standort, der Urteilsplatz, ist wohl aus dem Rennen.

Bei den Mitgliedern des Podiums waren die CDU und die Tierschutzpartei klar für den Rathausplatz, SPD, FDP, Grüne, Freie Wähler und Linke Liste bevorzugten den Roßplatz. Auch hier gab es eine Abstimmung mit den Füßen. Die etwa 30 Jugendlichen, die gekommen waren, entschieden sich mehrheitlich für den Rathausplatz: Die Gruppe in der Mitte vor der Bühne war mit 20 Personen deutlich größer als die Befürworter des Roßplatzes auf der linken Seite. Der Standort Urteilsplatz ging zur Gänze leer aus.

Ein anderes Thema waren die Proteste von "Fridays for Future". Niemand lehnte das Engagement der Schüler pro Klimaschutz ab. Die Kommentare lauteten so: Eine gut angelegte Investition (SDP); die Botschaft ist angekommen (FW); toll, dass sich so viele Leute engagieren (Grüne); es freut uns, dass ihr es ernst meint (AfD); die Lehrer sollten mit auf die Straße gehen (Tierschutzpartei); es geht einem das Herz auf (Linke Liste). Die Freien Wähler und die CDU meinten, dass Demos in der Freizeit besser ankommen würden, als die Schule zu schwänzen.

Es gab viele Aussagen zur Ökologie. Dabei waren Statements, die man von Politikern erwartet, die Regel und nicht die Ausnahme. Rote Karten inklusive. Nach zwei Stunden wagten die ersten Gäste erneut eine Abstimmung mit den Füßen und verließen die Aula.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Mit dabei waren diese Kandidaten: Klaus Girstl (Freie Wähler), Mark Rinderspacher (SPD), Johannes Erling (AfD), Lukas Oßwald (Linke Liste), Jürgen Durke (Tierschutzpartei), Sven Täubert (Grüne) und Tino Ritter (FDP). Die CDU wurde nacheinander von Magnus Leser und Paul Sütterlin vertreten.