Offenburg

Mehr Lust auf Bauernhöfe machen

von Marco Armbruster

Hohberg - Bauernhofpädagogik zeigt Menschen, wie Landwirtschaft funktioniert. Das geschieht durch zertifizierte Expertinnen. Am vergangenen Wochenende durften sich auch Teilnehmerinnen aus dem Ortenaukreis über den Erhalt der Auszeichnung freuen.

"Ziel der Bauernhofpädagogik ist es, Menschen in die Landwirtschaft einzuladen", sagt Anja Kirchner. Die selbstständige Referentin und Beraterin organisiert seit 2011 die zehntägigen Qualifizierungen zum Bauernhof-Pädagogen in Baden-Württemberg.

Auf einem Hof böten sich viele Möglichkeiten, Landwirtschaft erlebbar zu machen. Dazu gehören Kindergeburtstage auf dem Bauernhof oder Führungen durch den landwirtschaftlichen Betrieb, zählt sie auf. "Ein Großteil der Angebote richtet sich an Kinder und Jugendliche", erläutert Kirchner. Grundsätzlich gehe es aber um das "Erlebnis, draußen zu sein." Dies sei für Erwachsene eine genauso spannende Erfahrung.

Ähnlich sieht das Beate Hauswirth-Eggs, Bauernhofpädagogin aus Hohberg: "Wir sind auch in der Erwachsenenbildung tätig. Für Tagungen bietet wir Räumlichkeiten und organisieren ein Programm auf dem Hof." Die Tanzpädagogin und Landwirtin hat nach der Kursteilnahme 2011 auf ihrem Hof das Unternehmen "tanzkuhltur" gegründet. Die Frage, die sich ihr gestellt habe, lautete: "Wie können wir diesen Ort nutzen, um Menschen auf den Hof zu bringen?" Mittlerweile bietet sie pädagogische, tänzerische und kulturelle Projekte in einem umgebauten Heuboden und in der Umgebung an.

Landwirte sollen vom Konzept auch profitieren

Besonders wichtig sei es zudem, dass die Bauern Wertschätzung für die Öffnung ihrer Höfe und ihre Arbeit erführen. "Die Landwirte sollen auch etwas davon haben", fasst Kirchner mit Hinblick auf mögliche Nebenverdienste für Landwirte zusammen. "Uns Bauern gibt es bald nicht mehr", ergänzt Christine Hamester-Koch, Leiterin der Ellernhof Natur und Business Akademie, mit Blick auf die prekäre Situation vieler Landwirte. Um ihr Überleben zu sichern, brauche es neue Konzepte – diese müssten auch finanziell tragfähig sein.

Um Potenziale auf Höfen zu entdecken und in Angebote umzusetzen, bietet die Akademie in Kooperation mit Bioland, Demeter, der Demeter-Akademie, Naturland und dem "Lernort Bauernhof Baden-Württemberg" die Qualifizierung zum Bauernhof-Pädagogen an. Die Fortbildung richte sich in erster Linie an Landwirte, erklärt Kirchner. Dazu zählt sie "Menschen, die von Höfen kommen oder auf Höfen leben." Grundsätzlich sei aber jeder, der motiviert ist, eingeladen teilzunehmen.

Die zehntägige Qualifizierung umfasst drei Module. Zunächst gehe es darum, bei den Teilnehmern die Begeisterung für den Lernort Bauernhof zu wecken, so Kirchner. "Wir nennen das Bildungsbegeisterung." Die Teilnehmer sollen lernen, den Hof mit neuen Augen zu sehen. Im zweiten Modul müssen die zukünftigen Pädagogen mit Unterstützung durch Profis ein eigenes Programm entwickeln. Dieses werde dann mit Schulklassen zusammen ausprobiert, erzählt Kirchner. Das dritte Modul bietet Raum für die Entwicklung ganz individueller Konzepte und einer Marketing-Strategie für den eigenen Hof. "Hier beschäftigen wir uns mit wichtigen Fragen: Was will ich auf meinem Hof anbieten? Wie kann ich das umsetzen? Wie stelle ich mein Angebot nach außen dar?"

Die drei Module finden auf wechselnden landwirtschaftlichen Betrieben statt, um praxisorientiertes Lernen zu gewährleisten." Zum dritten Mal fand der Abschluss nun auf dem Hof der Familie Eggs statt. "Ich bin bundesweit unterwegs: so ein Team, wie die Eggs habe ich so noch nicht erlebt", begründet das Hamester-Koch.

Info: Regional aktiv

Seit 2011 haben sich in Baden-Württemberg rund 150 Teilnehmer als Bauernhofpädagogen qualifiziert. In der Ortenau sind im Schuttertal, in Gengenbach und Hohberg Bauernhofpädagogen aktiv. Die Kosten für die Weiterbildung betragen 1500 Euro.

Weitere Informationen: bauernhofpaedagogik.eu