Offenburg

"Jede Stadt hat ihren eigenen Klang"

von Christina Kornfeld

Sieben Metropolen in Texten und Fotografien standen am Anfang des Hausacher Leselenz 2017. Mit den Klängen dieser Weltstädte endet nun das Literaturereignis.

Hausach. Zahlreiche Besucher der Abschluss-Veranstaltung des Leselenz folgten einem Klangteppich der durch Sao Paulo, Tokio, Kairo, Istanbul, Moskau, New York und Aleppo führte.

In der Kulturgarage in Hausach war über den Stadtplänen der sieben Städte jeweils an einem Stativ ein Lautsprecher installiert, aus dem einige Minuten lang die typischen Klänge der jeweiligen Stadt zu hören waren.

"Jede Stadt hat ihren eigenen Klang", sagte José F. A. Oliver in seiner Begrüßung. Und so konnten die Besucher an jeder Klangstation ganz unterschiedlichen Verkehrslärm hören. Gemeinsam sind die Töne, die durch die gleiche Technologie zustande kommen, beispielsweise die Sirenen der Rettungswagen, die anscheinend überall gleich klingen.

Wird dieser Lärm in Kairo von lautem Rufen und permanentem Hupen begleitet, sind die Klänge von der meistbefahrenen Kreuzung der Welt, der Shibuya-Kreuzung in Tokio, eher dezent.

"Die Ampelphasen sind dort sehr lang", sagt Werner W. Lorke, der die Soundcollage installiert hat. Niemand käme auf die Idee, ungeduldig zu sein oder gar zu hupen oder rufen. In Moskau wird sehr schnell gefahren, der Asphalt ist teilweise beschädigt, aber niemand ruft oder hupt.

Es ist ein Rauschen des fließenden Verkehrs zu hören. Dann gibt es die Klänge mit religiösem Hintergrund: Der Ruf des Muezzins in Kairo und Istanbul, das Geläute der Glocken auf dem Roten Platz in Moskau und die Klänge aus den Schreinen und Tempeln in Tokio.

Ganz individuell sind die eingefangenen Klänge aus dem Alltagsleben der Metropolen. Aus der New Yorker U-Bahn sind die quietschenden Bremsen, die Lautsprecherdurchsagen und ein fluchender Mann zu hören, aus Tokio die Geräusche eines Bankautomaten und einer Supermarktkasse und aus Istanbul eine lamentierende Frau, rufende Kinder und die Klänge der Schiffe auf dem Bosporus. Ganz individuell ist selbstverständlich die Sprache der Menschen in den verschiedenen Städten.

Welche Geräusche sind aber typisch für eine vom Krieg zerrissene Stadt wie Aleppo? "Das, was Aleppo war, gibt es nicht mehr. Die Entscheidung war: Aleppo no sound", so Oliver.

Und so war über dem stilisierten Stadtplan von Aleppo kein Stativ mit einem Lautsprecher installiert, sondern ein Fernrohr, das bereits im Krieg verwendet wurde. Auf dem auf den Grundriss reduzierten Stadtplan lagen, symbolisch für die Trümmer der Stadt, zerbrochene Steine.

Die reduzierten, stilisierten Pläne der Städte vermitteln ein Bild der Entwicklung der Metropolen, das darüber hängende Lot symbolisiert die Vermessung der Welt. Die Idee zu dieser Klang-Installation hatte Jörg Esefeld, der Herausgeber der Stadtlesebücher zu den sieben Metropolen.

In den Bildbänden sind die Fotografien und Texte der Ausstellungen zu sehen und zu lesen. Die Autoren und Fotografen, wie beispielsweise Barbara Armbruster in Kairo, haben ihre ganz eigenen Beziehungen zu den Städten zum Ausdruck gebracht.

Für die Klangcollagen war Armbruster erneut in Kairo unterwegs. Sie beschrieb eindrucksvoll , wie sie langsam das Vertrauen der Menschen gewinnen konnte, um Porträtfotos zu machen.

Die Klangkompositionen aus den Weltstädten waren ein beeindruckender Abschluss des diesjährigen Leselenz, bei dem Autoren aus 25 Ländern zu Gast in Hausach waren.