Oberwolfach

Milchviehhalter öffnen die Stalltüren

von Evelyn Jehle

Oberwolfach - Auf Tuchfühlung gehen zum Verbraucher und Transparenz vom Erzeuger bis zur Ladentheke schaffen – das wollen am Sonntag die Milchbauern aus der Ortenau. Der Gemeinschaftsstall der Kooperation Oberwolfach Mitteltal ist ein gutes Beispiel für die heutige Situation der Milchviehhalter. Die drei Betriebsleiter Rolf Allgaier, Konrad Sum und Albrecht Sum gründeten vor sieben Jahren gemeinsam eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), um sich wirtschaftlich besser aufzustellen. Trotz der Kooperation brauchen die Familienbetriebe einen Zuverdienst, und zwei der drei Bäuerinnen arbeiten ebenfalls noch in Teilzeit.

"Im Wolftal sind wir noch der einzige Milchviehbetrieb" wissen die Bauern. Die Milch der 95 Kühe wird traditionell und gentechnikfrei produziert. Überdies wird mit der Bewirtschaftung der 100 Hektar Grünland ein wertvoller Beitrag zur Offenhaltung der Kulturlandschaft geleistet.

An ihrem Aktionstag wollen die Landwirte aufzeigen, dass sie Ideen und konkrete Vorschläge für eine Verbesserung ihrer Stellung in der längst global gewordenen Milchwirtschaft haben, aber: Der Milchpreis wird momentan von oben her gerechnet, und die Landwirte sehen sich als "Restgeldempfänger". Normalerweise geht ein Produkt auf den Markt nach Kalkulation von Materialkosten, Produktion und Arbeitslohn. Der Landwirt wolle in der Wertschöpfungskette einen fairen Anteil erhalten.

"Schwarzwaldbauern werden wegen der Steillagen vermutlich nicht ohne staatliche Zuwendungen auskommen, aber wir wollen mehr Eigenverantwortung übernehmen und dazu brauchen wir Mitspracherecht bei Milchliefermenge und -preis", stellt Stefan Lehmann, Kreisteamleiter vom Bund der Milchviehhalter (BDM), fest. Am Sonntag wird Romuald Schaber, Vorsitzender des BDM und Präsident des European Milk Board zum Thema "Zukünftige Rahmenbedingungen für die Milchviehhalter nach 2015" , wenn die Milchquote ausläuft, referieren. Bei der Podiumsdiskussion, mit Vertretern der Bundestagsparteien, erwarten die Landwirte eine Woche vor der Wahl Antworten, wie die Zukunft der Milchwirtschaft aussehen soll.

Die Stalltüren öffnen sich zum Tag der offenen Tür bereits um 9.30 Uhr, offiziell eröffnet wird der Aktionstag um 10 Uhr von Kreisteamleiter Stefan Lehmann. Vier regionale Landmaschinenhersteller werden land- und forstwirtschaftliche Maschinen und Geräte ausstellen, Marktstände hiesige Erzeugnisse und Köstlichkeiten wie Bauernhofeis anbieten. Die "Faire Milch" mit Kuh Faironika, Logo des BDM, wird auch vertreten sein und über die Erzeugerkriterien informieren. Ebenso unterstützen die Imker das Engagement der "Fairen Milch" und sind mit Produkten vertreten. Für reichhaltigen Mittagstisch mit Produkten vom Rind aus der Region ist gesorgt. Die Trachtengruppe Oberwolfach übernimmt die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Die Veranstalter würden sich über viele Gäste freuen und haben für ausreichend Parkmöglichkeiten gesorgt.

Hans Foldenauer Sprecher des BDM, moderiert die Podiumsdiskussion, in der die Interessen der Milchbauern, in "Wahlprüfsteinen" formuliert, Thema sind. Fragen wie zur Klarheit der Produktkennzeichnung, EU-Richtlinie zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen und freiwilliger Produktionsverzicht gegen Ausfallentschädigung (FPVZ) kommen unter anderem zur Sprache. Mit dabei sind Elvira Drobinski-Weiß (SPD), Reinhard Frenk (FDP), Ludwig Kornmeier (Grüne), Norbert Hense (Piraten) und Kordula Kovac (CDU).