Oberwolfach

"Glücklich, zwei Heimaten zu haben"

von Schwarzwälder Bote

Oberwolfach/New York. Der Oberwolfacher Lukas Hauer lebt seit fast fünf Jahren in den USA. Mit einem Sportstipendium in der Tasche ging es für den 27-Jährigen nach Amerika. Zunächst war ein einjähriger Aufenthalt geplant, aus dem schnell fünf Jahre wurden. Im Interview verrät er, wie es dazu kam und wie er die Zeit bisher erlebte.

Herr Hauer, Sie leben seit 2014 in den USA. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe immer versucht, Sport und Ausbildung ideal zu verbinden, was in Deutschland aber nicht immer so einfach wahr. Ich habe dann von der Möglichkeit eines Sportstipendiums in den USA erfahren und mich einfach mal beworben. Ich musste mehrere Bewerbungsrunden überstehen bis schließlich das Angebot aus New York kam.

Wie haben Sie die Zeit bisher erlebt?

Die ersten Monate waren hart, unglaublich viele Eindrücke prasselten auf mich ein. Plötzlich fand ich mich selbst in einer Weltstadt wie New York wieder, was schon eine drastische Veränderung gegenüber dem Kinzigtal ist. Hinzu kam neben der Sprache, die ich hauptsächlich nur aus dem Englischunterricht kannte, das enorm harte tägliche Training mit meinem neuen College-Team. Es hat seine Zeit gedauert bis ich mich hier wohl fühlte. Im Nachhinein kann ich mit Sicherheit sagen, dass die Entscheidung, den Schritt in die Staaten zu wagen, die beste Entscheidung meines Lebens war, da die Stadt und das Umfeld mir enorm geholfen hat, mich persönlich weiterzuentwickeln.

Haben Sie vorher alles geplant oder haben Sie vieles auf sich zukommen lassen?

Ich habe mehr oder weniger alles auf mich zukommen lassen. Die Unterkunft wurde von dem College organisiert, sodass ich mich eigentlich nur um mein Visum und eine Auslandskrankenversicherung kümmern musste. Meine Eltern, speziell meine Mutter, waren etwas weniger entspannt. Sie hat sogar versucht, in meinem bereits vollen Koffer noch Bettwäsche unterzubringen.

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und Amerika?

Das Leben hier in New York ist generell schneller als in Deutschland, jeder scheint immerzu in Eile zu sein. Dennoch sind die Leute freundlich und meiner Meinung nach etwas aufgeschlossenerer. Ich habe allerdings hier in den Staaten die berühmte deutsche Organisation und Pünktlichkeit erst richtig zu schätzen gelernt, vor allem was Behördengänge angeht.

Gibt es etwas, das Sie vermissen? 

Ich vermisse natürlich meine Familie und Freunde. Ab und an vermisse ich auch die Ruhe und schöne Landschaft des Schwarzwalds. Definitiv vermisse ich auch deutsches Brot und andere Backwaren, da es das hier meist nur aus dem Supermarkt gibt.

Wie halten Sie den Kontakt nach Oberwolfach? 

Das ist in der heutigen Zeit relativ einfach. Zu Beginn waren es noch regelmäßige Skype-Telefonate, aber mittlerweile hat fast jeder ein Smartphone, sodass spontane Anrufe und Videokonferenzen kein Problem sind.

Fühlen Sie sich mittlerweile heimisch oder haben Sie Heimweh?

Die Frage bekomme ich öfters gestellt. Ich sage dann immer, dass ich glücklich bin, sagen zu können, dass ich zwei Heimaten habe. Ich habe mich über die Jahre hier gut eingelebt und fühle mich hier wohl. Nichtsdestotrotz vermisse ich ab und an meine Heimat in Deutschland, was, denke ich, auch ganz normal ist.

Ist eine Rückkehr geplant? 

Mein Visum läuft noch bis September, danach wird man sehen was passieren wird. Ein neues Visum zu bekommen, ist alles anderes als einfach, speziell bei einem Präsidenten, wie ihn die USA momentan haben.

Die Fragen stellte Katharina Beule.

Lukas Hauer lebt in New York und ist Fußball-Jugendtrainer bei Paris St. Germain, die dort eine Außenstelle haben. Der 27-Jährige kommt ursprünglich aus Oberwolfach, lebt aber schon mittlerweile seit fast fünf Jahren in den USA. Seinen Bachelor in Internationaler Wirtschaft hat Hauer in New York am Saint Francis College Brooklyn absolviert. Dank eines weiteren Stipendien-Angebots, diesmal aus Alabama, war er in der glücklichen Lage, innerhalb eines Jahrs seinen Master ebenfalls zu absolvieren.