Oberwolfach

Die drei wandelbaren Tonkünstler

von Melanie Steitz

In der Region haben sich die drei Musiker von "The Dorph" schon einen Namen gemacht. Nun haben sie ihren ersten eigenen Song kreiert und wollen auch gern in Richtung Bodensee und Stuttgart auftreten. Der Schwarzwälder Bote hat die Band bei einer Probe begleitet.

Oberwolfach. Es ist ein kleiner, dunkler, fensterloser Kellerraum im Mitteltal. Hier können Julian Bonath, Thomas Rauber und Simon Meier von "The Dorph" ungestört für ihren bevorstehenden Auftritt am Samstag, 22. Juli, proben (siehe Info). Und es gibt noch einiges zu tun.

Auf einem Bierfass stehen Getränke und eine Palme, auf dem Boden noch mehr zu trinken. Im Sommer genehmigen sich die Hobbymusiker Zitronen-Minze-Wasser und Bier, im Winter Tee und Whiskey. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Auch an diesem Montagabend, es ist schon 21 Uhr, sind sie noch mit Leidenschaft dabei, alles aus ihren Instrumenten und Stimmen herauszuholen.

Gerade hat ein Gastact mit ihnen "Jein" von Fettes Brot performt. Er wird als einer der Freunde mit seinem Saxofon am 22. Juli mit dem Trio auf der Bühne stehen und empfinde diese Teilnahme als eine Ehre, sagt er. Für "Get Lucky" von Daft Punk fragt Rauber ihn, ob er die Akkorde schon kenne und zupft auf seiner Gitarre. Der Saxofonist versucht es auch und nach dem Lied schwärmt Meier euphorisch von seinem Schlagzeug aus: "Es läuft. Ich liebe es, mit Profis zusammen zu arbeiten."

Noch will "The Dorph" aber in eher heimischen Gefilden wildern. Im Kinzigtal haben sie bereits einen guten Ruf erworben, so Meier. "Die Leute kennen uns schon in der Region." Kommerzielle und politische Veranstaltungen lehnen die Jungs ab. Sie machen es aus Spaß, üben Berufe aus und studieren, betreiben ihr Hobby nebenher.

Nun haben sie allerdings einen ersten Song, "Herzdame", heraus gebracht und ihre Arbeit, die sich sonst über das Covern bereits existierender Songs aus 50 Jahren Musikgeschichte erstreckt, bekommt einen professionelleren Touch. Irgendwo wollen sie also doch ihren Radius erweitern? Weit hergegriffen wäre das ja nicht, die Oberwolfacher sind alle musikalisch aufgewachsen, haben sogar eine Zeit lang Gesangsunterricht genommen.

2013, ganz am Anfang ihres Banddaseins, sind sie von Stadt zu Stadt getingelt, haben Straßenmusik gemacht. Meier dazu: "Unbekannte Locations ausprobieren, einen weiteren Umkreis zum Beispiel der Bodensee oder bis rauf nach Stuttgart erschließen, wäre schon schön."

Zurück in den Probenraum: Es ist stickig, das Licht immer noch gedimmt und die ersten Schweißperlen stehen den Bandmitgliedern auf der Stirn. Der Gastmusiker hat sich bereits verabschiedet, aber "The Dorph" probt auch um halb zehn noch unermüdlich weiter.

"Yellow" von Coldplay steht auf dem Programm. Mehrstimmig singen die Jungs es teilweise und üben, bis es klappt. Faszinierend ist die Wandlungsfähigkeit dieser Tonkünstler. Sie können mit einigen Musikrichtungen etwas anfangen. Und wenn Bonath singt, kann er zum Beispiel problemlos Chris Martin von Coldplay imitieren und es hört sich echt an. So wie auf der CD oder vielleicht noch besser als beim Konzert.

Insofern haben die Jungs vielleicht ein Hobby, aber sie gehen es professionell an und haben höchste Ansprüche an sich, sind ihre schärfsten Kritiker bei der Probe. Aber auch kreativ. Ein Wort gibt das andere und gemeinsam wird an Überraschungseffekten gebastelt. Mit dem neuen Musikvideo "Herzdame", das seit Anfang Juli auf Youtube zu sehen ist, wird diese Einstellung fortgeführt. 3454 Aufrufe hat es schon. Es handelt von einer fiktiven Dame, einer Traumfrau, deren Namen "The Dorph" jedoch nicht kennt.

Gegen 22 Uhr heißt es dann Zapfenstreich. "Noch ein Lied – dann bin ich platt", so Bonath und Rauber. Mit Feuereifer geben sie noch mal alles, sind voll in ihrem Element und dann ist Schluss. Noch ein kühler Schluck aus der Flasche und dann wird das Instrument zur Seite gestellt. Woher diese Disziplin herrührt, nach Feierabend noch zu proben? "The Dorph" ist ein gutes Team. Und Bonath bekennt: "Auch wenn ein Tag mal schlecht läuft, fühlt man sich hinterher wieder besser."

Weitere Informationen: Anbei der Link zum "Herzdame"-Musikvideo auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=5Za7KH16k2c Karten fürs Konzert: Das "The Dorph & Friends"-Open Air steigt am Samstag, 22. Juli, im "Hirschen". Der Vorverkauf läuft im Hotel Hirschen (Oberwolfach), in der Volksbank Oberwolfach, der Sparkasse Oberwolfach sowie um Musik-Bistro-Bar Raben in Haslach. Da die Plätze begrenzt sind, gibt es einen Vorverkauf. Die Karten kosten dabei acht Euro, ermäßigt fünf. Ein kleines Kontingent ist zudem an der Abendkasse erhältlich. Bei schlechtem Wetter wird das Konzert abgesagt, die Tickets können dann an den Vorverkaufsstellen abgegeben werden. Beginn ist um 20 Uhr. Mit Barbecue, Salatbar, Bierwagen, Eismobil und Cocktailbar wird bereits ab 18 Uhr bewirtet.