Oberreichenbach

Entwicklung innerorts steht an erster Stelle

von Daniel Faust

Bei der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses kam die innerörtliche Entwicklung in der Gemeinde Oberreichenbach zur Sprache. Bürgermeister Karlheinz Kistner berichtete von vielen Baugesuchen, die im Ort Wohnraum geschaffen haben oder schaffen werden.

Oberreichenbach. Damit scheint die Gemeinde gerade gegen den Trend zu arbeiten, denn das Land hat erst kürzlich dazu ein Förderprogramm ausgerufen.

"Ich war da auch überrascht über die große Zahl", sagte Kistner im Nachgang der Sitzung im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. In der Zeit von Mai 2014 bis Mai 2018 seien 53 Bauvorhaben mit 69 Wohneinheiten in alten Baugebieten in den Orten bei der Gemeinde eingereicht worden. Kistner hat dafür mehrere Gründe ausgemacht. "Es besteht in der Gemeinde ein gewisser Wohnungsdruck. Es gibt nicht so viele Wohnungen und in Oberreichenbach sowie den Teilorten nicht so viele Baugebiete." Das letzte Baugebiet in Oberkollbach sei vor 15 Jahren ausgeschrieben worden, so Kistner.

Der zweite Grund sei die Maßgabe von Verwaltung und Rat seit einigen Jahren. "Wir haben immer die Innerortsentwicklung vor die Außerortsentwicklung gestellt", berichtete Oberreichenbachs Bürgermeister. Es müsse alles vermarktet werden, bevor man etwas Anderes ausschreiben könne. Außerdem würden sich viele für den Wohnort Oberreichenbach entscheiden, allerdings nicht für das Neubaugebiet. Grund dafür sei das Ortszentrum rund um das Rathaus mit Dorfmarkt. "Das ist für viele potenzielle Bewohner ein wichtiger Faktor", sagte Kistner.

Die Entwicklung in Oberreichenbach, die noch in diesem Jahr eine Gemeinde im so genannten Entwicklung-Ländlicher-Raum-Programm (ELR-Programm) ist, scheint gegenläufig zu anderen Gemeinden in Baden-Württemberg zu sein. Denn das baden-württembergische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gab dazu kürzlich eine Pressemeldung heraus: "Um Wohnraum zu schaffen, müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen. Innenentwicklung spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle. Das Land unterstützt die Kommunen daher bei der Mobilisierung von Flächen", heißt es in einer Pressemitteilung von Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

Schnell alle Plätze verkauft

Als Grund nannte Hoffmeister-Kraut die Wohnungsnot in den Gemeinden. Mit den Förderungen könnten Gemeinden Brachflächen und ungenutzte Baulücken angehen. Ebenso soll es Geld für Aufstockungs- oder Dachausbaumöglichkeiten bei vorhandenen Gebäuden geben.

Macht Oberreichenbach etwas besser oder schneller als andere Gemeinden, da die Innenentwicklung hier schon seit Jahren auch ohne Förderung funktioniere? Nein, meinte Kistner. Was er und Gemeinderat bisher so anders machen, das könne er sich auch nicht so richtig erklären. Er verweist generell auf die meist aussichtslose Wohnungs- und Baulandsuche, denn die hohe Zahl der Baugesuche zeige, dass es bald keinen Platz mehr geben werde. Selbst das neue Gebiet in Oberreichenbach sei jetzt schon restlos vergeben. "Ein Jahr bevor die Bagger angerückt sind, waren alle 26 Bauplätze im Baugebiet ›Im oberen Dorf‹ oberhalb des Dorfzentrums verkauft." Es bestehe ein großer Wunsch nach Wohnraum – auch außerhalb der Ortskerne, so Kistner. Dies zeige auch das nun zu planende Baugebiet "Nördlich der Waldstraße", für das sich die Oberreichenbacher beim Bürgerentscheid mehrheitlich ausgesprochen hatten.