Oberreichenbach

Aus optischer Sicht eine Katastrophe

von Kevin Schuon

Oberreichenbach - Seit die Skytron Communications GmbH den Sendemast in Siehdichfür aufgestellt hat, macht er den Anwohnern Probleme. Nun verspricht die Firma eine zeitnahe Lösung.

Die Bürger mit einem Breitbandinternetanschluss zu versorgen, ist eines der infrastrukturellen Probleme, mit denen die Gemeinde Oberreichenbach seit Jahren zu kämpfen hat. Eine Anbindung an das Kabelnetz der Telekom ist in den Teilorten überwiegend nicht verfügbar. "Daran wird sich auch in naher Zukunft nichts ändern", ist sich der Kämmerer, Daniel Merkle, sicher. "Die einzige Lösung wäre, die Anbindung selbst zu finanzieren", so der Kämmerer weiter. Dies sei jedoch sehr teuer und deshalb nicht realisierbar.

Erst die Skytron Communications GmbH ermöglichte in den Jahren 2005 und 2006, die ersten Breitbandverbindungen für die Bürger der Gemeinde. Damals wurde ein Sendemast für Wireless-Lan (WLAN) auf dem Grundstück von Manfred Hölzle in der Köhlerstraße in Siehdichfür platziert.

Der Masten wird mit dem Strom aus seinem Netz betrieben. "Am Anfang wurden die Kosten, die bei mir dadurch entstanden sind, anfangs von Skytron nicht beglichen", erzählt Hölzle von den Anlaufproblemen. Daraufhin habe er den Masten vom Netz genommen und abgeschaltet, bis die offenen Rechnungen beglichen wurden.

Anwohnerin: "Zustände wie in einem Entwicklungsland"

Doch das ist nicht das einzige Problem: "Der Masten sieht aus wie aus einem Entwicklungsland", meint Claudia Albrecht, die direkt gegenüber wohnt. Diese Beschreibung trifft es ziemlich genau. Unten hängen lose Kabel, in einer Höhe von etwa 1,50 Meter, herunter und andere verlaufen ohne am Mast befestigt zu sein nach oben. "Rein optisch ist das alles andere als seriös", meint Gutachter Michael Schaal. Dass die Kabel eine Gefahr darstellen, glaubt er zwar weniger, ausschließen möchte er es jedoch nicht. "Mit dieser Anlage betreibt die Firma keine Eigenwerbung", ist er sich sicher.

Auch ein Mitarbeiter der Telekom zeigt sich von den Bildern dieser Anlage entsetzt und ist zunächst sprachlos. Dann sagt er: "So geht das gar nicht, die Kabel gehören befestigt und das untere in einen Kasten. Optimalerweise sogar zurückgebaut." Auch er könne nicht ausschließen, dass das Gebilde gefährlich ist. Schließlich wird die Anlage mit Strom betrieben. Es sei auch möglich, dass sich Kinder an den herunterhängenden Kabeln verletzen.

Claudia Albrecht erinnert sich noch genau: "Wir kamen damals aus dem Urlaub zurück und plötzlich stand dieses Ding da. Wir haben ja nichts dagegen, dass die Firma hier einen Masten platziert und wir freuen uns auch über das schnellere Internet. Aber dann bitte eine professionellere Lösung und nicht so ein provisorisches Konstrukt."

Firma vertröstet oder blockt Beschwerden ab

Bei der Firma habe sie sich bereits des öfteren beschwert. "Am Anfang hieß es immer wieder, es wird demnächst umgebaut und gerichtet. Irgendwann bekam ich dann gar keine Antwort mehr", erzählt sie. Das erste dieser Versprechen liege mittlerweile knapp zwei Jahre zurück – getan hat sich bislang nichts.

Skytron habe in diesem Verbreitungsgebiet keine ernstzunehmende Konkurrenz, sagt Albrecht. Nur deshalb könnten sie es sich so etwas erlauben. "Sie müssen nichts ändern, schließlich sind wir auf ihr Internet angewiesen", wirft sie der Firma vor. "Wir sind froh, dass Skytron uns überhaupt mit einem Breitbandabschluss versorgt", meint Kämmerer Merkle.

Laut dem Geschäftsführer der Skytron GmbH, Stefan Schneider, ist für September ein Ausbau für das gesamte Netz in Oberreichenbach geplant. Dann sollen die vielen leeren Versprechungen umgesetzt und der Sendemast umgebaut werden. Dass Gefahr von seinem Funkturm ausgeht, glaubt er nicht: "Die losen Kabel sind entweder alle abgezwickt oder wurden gar nicht erst angeschlossen." Auch den Vorwurf, dass die Firma ihre quasi Monopolstellung ausnutze, weist er vehement zurück. "Sonst würden das Netz ja jetzt nicht aufrüsten", behauptet er.

Nun gilt es abzuwarten, ob die Firma sich diesmal an ihr Versprechen hält und wirklich etwas tut. Der Meinung ist auch Daniel Merkle: "Wir hoffen, dass sie die angekündigten Veränderungen zeitnah umsetzen." Und auch Claudia Albrecht und Manfred Hölzle sind sich sicher: "Es kann nur besser werden."