Oberndorf a. N.

Projekt Schulcampus wird sichtbar

von Jasmin Cools

Oberndorf - Die Oberndorfer Schulen wachsen weiter zusammen – das zeigt sich nicht nur räumlich, sondern auch in einem gemeinsamen Betreuungskonzept, das auf seine Art landesweit einzigartig ist, wie Michael Schwarz, Leiter des Schulverbunds, in einem Pressegespräch sagte.

"Hier arbeiten die Schulen eng zusammen. Wir wollen miteinander schaffen und nicht konkurrieren", sagte Dirk Weigold, Schulleiter des Gymnasiums am Rosenberg, bereits im Juni. Damit spielte er auch auf das Projekt Schulcampus an, das eine engere Vernetzung des Gymnasiums, der Werkrealschule, der Realschule, der Ivo-Frueth-Schule und der Grundschule in der Oberstadt vorsieht. Damit wollen sich die Schulen gegen Konkurrenz "von außen" durchsetzen, also den eigenen Standort stärken. Vom Büro "biregio" war dazu ein Konzept erarbeitet worden.

Ein weiterer Schritt Richtung Schulcampus unter dem Stichwort gemeinsame Schulraumplanung wurde am Dienstagnachmittag gemacht. Die Schüler können nun auf 46 PCs in zwei neuen EDV-Räumen zurückgreifen. Einer war zuletzt ein Technikraum mit bis zu 60 Jahre alten Werkbänken. "Jetzt ernten wir die ersten Früchte des neuen Konzepts. Der Erfolg wird sichtbar in diesen tollen Räumen", meinte Schwarz. Diese habe man gerade so zum Schulbeginn fertigstellen können. "Es war eng und zeitintensiv, aber so können wir nun optimal starten", so der Schulleiter.

"Kleine Baustellen sind immer ein wenig problematisch" meinte Hans-Dieter Glück vom Architekturbüro "Glück und Partner". Die Vergabe gestalte sich schwierig, weil für eine Verdunklungsanlage mit 2500 Euro Kosten kaum mehr jemand komme. Aus dem zweiten in die Jahre gekommenen Werkraum werde nun ein Hauswirtschaftsraum gemacht.

"Der erste Raum, in dem wir hier stehen, ist der Input-Raum, wenn man so will. Dort werden ganze Klassen Basis-Kompetenzen am Computer erlernen. Der hintere Raum eignet sich ideal für Projektarbeiten. Einer kann recherchieren, ein anderer schneiden und kleben", erklärt Schwarz. Zusätzliche 30 Computer gibt es im auch zuvor vorhandenen Schulungsraum. "Das Beste ist: Alle können hier drin arbeiten: Grundschüler, Realschüler und Werkrealschüler."

Auf seine Art einzigartig

Das Projekt Schulcampus werde nun aber nicht nur durch das Raumkonzept, sondern auch durch ein gemeinsames Betreuungskonzept für alle Schulen der Sekundarstufe sichtbar, erklärte Hans-Joachim Ahner, Leiter des Amtes für Kultur, Bildung und Sport, begeistert. Das neuartige modulare Betreuungssystem werde in diesem Schuljahr nur für Fünftklässler angeboten. Sollte es erfolgreich sein, will man es auf die Klassen sechs und sieben ausweiten.

"Ein solches Modell gab es bislang an weiterführenden Schulen noch nicht, lediglich an Grundschulen und Gemeinschaftsschulen, die ja ohnehin auf die Ganztagesbetreuung ausgerichtet sind", erklärt Schulverbundleiter Schwarz. Man habe nur einfache Ideen gehabt, aber nichts Greifbares.

Nun könne man zwischen drei verschiedenen Modellen individuell für jeden Tag wählen, erläutert Schwarz. Es gibt die Frühbetreuung, die Betreuung über den Mittag mit Mittagessen sowie Hausaufgabenbetreuung und die Nachmittagsbetreuung von 14 bis 15.45 Uhr.

"Die Ganztagsgrundschule gibt es ja schon als Angebot. Und wenn die Kinder dann auf die weiterführende Schule kommen, ist da nichts mehr. Das war ein Problem", meint Ahner.

Nun gebe es die schulübergreifende gemeinsame Betreuung für Realschüler, Werkrealschüler und Gymnasiasten. "Dass die von verschiedenen Schulen kommen, macht nichts, denn sie kennen sich ja noch aus der vierten Klasse", so Ahner.

Die Betreuung an sich wurde an einen externen Bildungsträger vergeben, die Stiftung Lernen Fördern Arbeiten. Potenziell könnten nun 140 Schüler an der neu eingerichteten Betreuung teilnehmen. Der September ist dabei noch als kostenloser Schnuppermonat vorgesehen. Später kostet es dann 6,60 Euro pro Modul pro Woche oder 3,30 Euro im Monat für eine Betreuung alle 14 Tage. Dafür gibt es Zuschüsse vom Land. "Ohne die ginge es nicht", sagt Ahner.

"Dieses Betreuungsangebot ist ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir unseren Schulstandort stärken", freut sich Schulleiter Schwarz. In dieser Probephase im September zeige sich nun, wie stark das Angebot angenommen werde. Darauf könne man dann die weitere Planung auslegen.

Schön sei auch, dass durch diese Betreuung im Rahmen des Projektes Schulcampus die Übergänge zwischen den Schulen weicher gestaltet werden, meinte Kulturamtsleiter Ahner. Im Schulverbund ist das schon lange gang und gäbe. "Bei uns sind alle Klassenstufen fünf – ob Real- oder Werkrealschule – auf einem Stockwerk", so Schwarz.

Dabei gehe es aber nicht darum, alle nun in einen Topf zu werfen, betont Ahner. "Die Schulen behalten ihre eigene Identität, das eigene Profil wird geschärft, aber eben auch gemeinsames Potenzial genutzt." Das soll sich auch in einer Schulcampus-Broschüre und einer entsprechenden Beschilderung an der Straße niederschlagen. Beides ist aktuell in Arbeit.