Oberndorf a. N.

Erinnern, versöhnen und ein Zeichen setzen

von Marcella Danner

Oberndorf. Aufarbeitung der Vergangenheit, Holocaustüberlebenden eine Stimme geben, Heilung und Wiederherstellung zwischen den Nachkommen der Täter- und Opfergeneration und ein Zeichen setzen für Israel und gegen modernen Antisemitismus – so lauten die Botschaften von "Marsch des Lebens".

Die Initiative von Jobst und Charlotte Bittner und den evangelisch-freikirchlichen TOS Diensten aus Tübingen in Deutschland möchte ihre Botschaft in möglichst viele Länder und Kommunen tragen. Am Freitagnachmittag fand so ein "Marsch des Lebens" erstmals in Oberndorf statt.

Am "Buch der Erinnerung" in Altoberndorf sprachen Zeitzeugen und Nachkommen von Familien, die im Dritten Reich gelebt haben. Sie beschrieben den Mantel des Schweigens, der über diese Zeit gelegt worden war. Und wie sie später bei Recherechen herausfanden, dass der eigene Großvater bei der Waffen-SS war. Die Redner entschuldigten sich für das Leid, dass den Juden durch Mitglieder ihrer Familie zugefügt worden war, bekannten sich zum Christentum und zum Staat Israel.

Eskortiert von Polizeiautos führte der Marsch über die Teckstraße dann zum ehemaligen Wohnhaus von Josef Eppstein gegenüber des Bahnhofs. Der Oberndorfer Museumsleiter Anderas Kussmann-Hochhalter berichtete von der Geschichte der jüdischen Familie Eppstein in Oberndorf.

Seinen Abschluss fand der Marsch vor dem einstigen Schuhgeschäft Eppstein, das neben dem Alte Rathaus in der Oberstadt gestanden hatte. Neben Kussmann-Hochhalter erinnerte Dietmar Urban vom Träger- und Förderverein "Ehemalige Synagoge Rexingen" an das Leben der jüdischen Mitbürger in der Region.