Oberndorf a. N.

Abstieg in die Höhlen der Alb

von Schwarzwälder Bote

Oberndorf. Der Jahresausflug führte die Aquarienfreunde Oberndorf und Umgebung zur Bären- und zur Nebelhöhle. Nach der Ankunft und einer Kaffeepause ging es mit einer Führerin zu einem Rundgang in die Bärenhöhle. Sie besteht aus zwei Teilen, der 1834 entdeckten Karlshöhle und der 1949 entdeckten Bärenhöhle. Bei 271 Metern Gesamtlänge gehören 168 Meter zur Karlshöhle. Wie auch in der Karlshöhle fand man in dem später entdeckten Höhlenteil Knochen und Schädel von Höhlenbären, weshalb man diesen als Bärenhöhle bezeichnete.

Die Temperatur in der Höhle beträgt ganzjährig zwischen acht und zehn Grad, was bei den hohen Außentemperaturen als angenehm empfunden wurde. Die Luftfeuchtigkeit liegt teilweise bei bis zu 100 Prozent. Die künstliche Beleuchtung der Höhle führt zum Wachstum von Moosen, Farnen und Algen, was den Tropfsteinen und Sintergebilden nicht gerade zuträglich ist. Da im Winter Fledermäuse in der Höhle überwintern, ist diese in dieser Jahreszeit geschlossen.

Unter dem Fauthsloch, durch das der Entdecker, der Erpfinger Lehrer Karl-Wilhelm Fauth, die Höhle erstmals erkundet hat, wurden Ringe aus Bronze und Gold, Bruchstücke von Gefäßen und Knochen gefunden. Man fand in der Höhle auch zwei Millionen Jahre alte Biberzähne. Dass die Höhle von Menschen als Unterschlupf benutzt wurde, beweist eine Feuerstelle. Im Hügel unter dem Loch wurden drei Steinklingen aus der ausgehenden Altsteinzeit und ein Schaber gefunden. In der unteren Schicht fand man Bestattungen aus der Bronzezeit. Außerdem wurden Keramikbruchstücke, eine Bronze­nadeln, ein Anhänger aus Bronze und Fibeln gefunden. Zudem fand man Gebrauchskeramik aus der Römerzeit, einen frühmittelalterlichen Elfenbeinkamm und aus dem Hochmittelalter Armbrustbolzen und einen Schwertknauf.

Die Zahnfunde in der Höhle deuten auf Pferde, Hirsche, Hyänen und Jaguare vor Millionen von Jahren hin. Die Höhle diente Bären als Wohn- und Sterbestätte, zur Aufzucht ihrer Jungen und als Winterquartier und vermutlich auch Hyänen als Horst. Im Flussstadium lebten dort Biber.

Nach diesem Rundgang stärkten sich die Vereinsmitglieder, bevor sie sich auf den Weg zur Nebelhöhle machten. Die Nebelhöhle liegt im Gestein des weißen Jurakalks und ist auf 480 Metern begehbar. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt 830 Meter. Sie besteht aus fünf Höhlenteilen. Auch in dieser Höhle herrschen acht bis zehn Grad und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Der hintere Teil wurde erstmals 1486 schriftlich erwähnt. 1596 schrieb der Tübinger Geschichtsschreiber Martin Crusius über sie, man bezeichnete sie als Nebelloch. Bereits 1715 gab es Führungen in der Höhle. Erst 1920 wurde der zweite Höhlenteil, die neue Nebelhöhle von Willi Kopf und Karl Rai entdeckt, die von den hellen weißen Tropfsteinen fasziniert waren. Nach einem Abschlussgetränk machte man sich wieder auf den Heimweg zum Abschluss bei einem gemeinsamen Eis.  Das nächste Treffen des Vereins findet heute, Samstag, ab 17 Uhr bei Familie Skamel in Hopfau statt. Grillgut, Salat, Weckle, Geschirr und Besteck bringt jeder selbst mit. Anmeldungen sind bei Katja Skamel, Telefon 07454/61 89, möglich.