Neuweiler

Frau sichtet Wolf wenige Meter vor Haustür

von Bianca Rousek

Neuweiler - Ist der Wolf nun wirklich in Neuweiler angekommen? Eine Anwohnerin zumindest ist sich sicher, ein Exemplar gesehen zu haben. Nur rund 40 Meter von ihrer Haustür entfernt.

Ein Morgen wie jeder andere, es ist kurz vor 5 Uhr. Eine Anwohnerin des Zwerenberger Weges sitzt draußen, um einen Kaffee zu trinken. Sie muss jeden Tag so früh aufstehen, die Arbeit beginnt bald.

Dann sieht sie etwas im Augenwinkel. Ein großes Tier sitzt im Lichtkegel einer Straßenlaterne. Zuerst ist sie sich nicht sicher, um was für ein Tier es sich handelt. "Aber dann hat es sich umgedreht und mir direkt in die Augen geschaut", erzählt sie. Der Blick, die spitzen Ohren, die langen, dünnen Vorderläufe und das dunkelgraue Fell – "da dachte ich, das muss ein Wolf sein", erzählt die Anwohnerin.

Dann geht alles ganz schnell. Die Frau bekommt es mit der Angst zu tun, geht ins Haus. "Das war alles wie im Film." Sie weckt ihren Mann, holt ihr Handy und will ein Foto schießen. Dafür öffnet sie den Rolladen. "Das war im Nachhinein dumm, weil das Tier sich wahrscheinlich deshalb erschreckt hat und weggelaufen ist", vermutet sie. Ein Foto gibt es also nicht.

Ein weiteres Indiz, das laut der Anwohnerin für die Anwesenheit eines Wolfes in der Gegend spricht: "Normalerweise sehe ich um die Uhrzeit jeden Tag Wild. In den vergangenen Wochen aber war gar nichts mehr zu sehen. Die Natur ist zu ruhig gerade." Und: Nachbar erzählen häufiger, dass sich ihre Hunde bei Spaziergängen seltsam verhalten. So, als hätten sie Angst.

"Ich hab das dem zuständigen Jäger gemeldet, einen Schäfer und eine Familie gewarnt, die Rinder haben. Außerdem habe ich beim Kindergarten Bescheid gesagt", erzählt die Neuweilerin. "Ein Wolf ist ja kein Kätzle."

Auch der Experte, der verständigte Jäger, hält es für durchaus möglich, dass es sich bei dem Tier in Neuweiler um einen Wolf handeln könnte. "Ich habe schon öfter Wölfe im Ausland gesehen. Als die Anwohnerin mir das Äußere des Tieres geschildert hat, war für mich der Fall klar."

Doch was würde das bedeuten? Um mit Bürgern und Landwirten über das Thema Wolf zu sprechen war Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, erst vor wenigen Tagen in Bad Wildbad zu Gast. Der Minister sprach sich dafür aus, den besonderen Schutz des Wolfes zu lockern und ihn ins Jagdgesetz aufzunehmen. Er wolle den Wolf nicht ausrotten, betonte er. Jedoch: Das Jagen von "Problemwölfen", also solchen, die sich regelmäßig Menschen nähern, solle einfacher werden.

In den vergangenen Monaten wurden im Nordschwarzwald immer wieder Wölfe gesichtet oder von Wildtierkameras fotografiert. Auch zahlreiche Nutztierrisse dokumentieren die Rückkehr des Raubtieres in den Schwarzwald.

Derzeit gibt es laut Hauk rund 800 Wölfe in Deutschland.