Neuweiler

1944 stürzten mehrere Flugzeuge ab

von Hans Schabert

Neuweiler. Gar nicht weit von der Straße zwischen Zwerenberg und Hofstett stolpern vier Männer suchend durch den Wald. Einer davon hat eine kleine Harke dabei und hebt nahe einer kaum sichtbaren Bodenwelle etwas das Moos. Sie suchen die Stelle, wo auf den Tag genau vor 75 Jahren auf Markung Zwerenberg ein Jagdflugzeug des Typs ME 109 in den Privatwald gestürzt ist.

Rasch finden sie eine Spur. "Er hat wieder die richtig Nos ghett, unser ›Spürhund‹", sagt Michael Mayle aus Mössingen grinsend. Er meint Jörg Mezger aus Markgröningen, der ein Stück Blech und Draht in der Hand hält, die neben einem alten Baumstumpf im Boden ruhten. Mezger und Mayle sind zusammen in den Schwarzwald gekommen, um die von ihnen bearbeitete Dokumentation von Flugzeugabstürzen weiter zu ergänzen. An die richtige Stelle hat sie und den Schwarzwälder Boten Zwerenbergs Heimatforscher Martin Seeger geführt.

Er hatte den ungefähren Platz dank einer Notiz im "Neuweiler Heimatbuch" – 1987 herausgegeben von der Gemeinde Neuweiler und zusammengestellt von Jürgen Rauser – ausfindig gemacht. Darin ist aus der Dorfchronik von Zwerenbergs Bürgermeister-Stellvertreter Friedrich Lang am 25. April 1944 festgehalten, dass bei Luftkämpfen tags zuvor das Flugzeug im Waldteil des Adam Bäuerle an der Hofstetter Straße niedergegangen ist. Seeger befragte den Enkel des Waldbesitzers, dem der verstorbene Opa den Absturzort gezeigt hatte.

Stelle samt Koordinaten registriert

"Meist neben einem Baum findet man noch irgendwelche Teile oder irgendwo schwarze Brandspuren in der Erde", erzählt Mezger aus seiner Erfahrung. Eigentlich ist er ja Immobilienfachmann, aber sein Hobby ist wie das von Mayle die Stellen abgestürzter Flugzeuge – nicht nur aus Kriegszeiten – zu suchen und zu dokumentieren. Sinn ist, dies alles nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, erklären beide. Außerdem habe schon mancher Angehörige etwas mehr Seelenfrieden gefunden, wenn man ihm wenigstens den konkreten Platz habe zeigen können, wo der Sohn, Bruder, Vater oder Großvater das Leben gelassen habe.

Die Fundstelle wird einschließlich der Koordinaten registriert. Zusammen mit anderen Interessierten und Vereinen arbeiten sie so Stück um Stück die Vergangenheit auf ihrem Spezialgebiet auf. Sie kommen gerade von Enzklösterle-Gompelscheuer, wo es die Absturzstelle eines amerikanischen Jagdfliegers gibt.

Weitere Abstürze rund um Neuweiler

Im vergangenen Jahr waren sie schon in Neuweiler. Dort wusste der Zeitzeuge Erwin Ungemach den Platz im Wald nahe dem Schützenhaus, wo 1963 ein amerikanisches Militärflugzeug abstürzte. Auch die vier ihnen bei Hofstett bekannten Stellen, wo am 3. August 1944 deutsche und amerikanische Kampfflieger zu Boden gingen, haben sie teils schon eingemessen. Geläufig sind ihnen die Plätze der Abstürze des deutschen Fliegers Joachim Schmidt bei Agenbach (Heiligabend 1944) und eines britischen Bombers bei Oberkollwangen (Februar 1944). Oft können die überlebenden – wie im Fall Zwerenberg – oder die tödlich verunglückten Piloten ermittelt werden, die sie bei den Absturzstellen in ihrer Übersichtskarte neben dem Flugzeugtyp erfassen.

Ausführlicher als das "Neuweiler Heimatbuch" beschreibt Zwerenbergs Dorfchronik im Gemeindearchiv im alten Schul- und Rathaus in Agenbach den Absturz in den Zwerenberger Wald wie folgt:

"Bei ziemlich trockenem, anhaltendem Frühjahrswetter führen unsere Feinde ihre Luftangriffe zur Zeit wieder stärker aus. Gestern Mittag 13 Uhr überflogen uns mehrere Gruppen. Es entstanden Luftkämpfe. Im Allmand an der Hofstetter Straße, im Waldteil des Adam Bäuerle, stürzte eine ME 109 ab. Der Pilot, ein Unteroffizier Ostermaier, konnte sich mittels Fallschirm ohne jede Verletzung retten. Ein entstandener Waldbrand wurde durch entschlossenes Zugreifen der von allen Seiten herbeieilenden Männer rasch gelöscht, ohne großen Schaden anzurichten. Der Bruch des Flugzeugs wurde rasch aufgeräumt."