Nagold

Jugendhaus mit Graffiti verschönert

von Jacqueline Geisel

Nagold - Weiße Wände in einem Jugendhaus? Das war Michael Ohngemach zu langweilig. Also holte er einen Graffiti-Profi ins Haus und motivierte sechs Jugendliche, dort etwas zu schaffen, auf das sie stolz sein können.

"Es darf hier bunt sein und ein wenig verrückt, das gehört zu einem Jugendhaus", erklärte Michael Ohngemach vom Youz-Team. Die weißen Wände im Spielraum – einem Raum mit Sofas zum Chillen, Tischtennisplatte und Bühne – passten da nicht so recht. Bis vor ein paar Jahren war hier noch Graffiti zu sehen, genauso wie im Flur des Nagolder Jugendhauses. Schon länger reifte in ihm daher die Idee, den Raum wieder mit Farbe zu füllen.

"Alle paar Jahre was Neues machen ist gut"

Das neue Kunstwerk sollten aktuelle Jugendhaus-Nutzer mitgestalten, "damit sie was haben, worauf sie stolz sein können", erklärte Ohngemach. So hätten die Jugendlichen einen besseren Bezug dazu. "Alle paar Jahre was Neues machen ist gut", meinte er. Es herrsche Bewegung im Haus, Bewegung bei den Besuchern, da halte so eine Aktion das Haus aktuell. "Es ist ja auch interessant, wenn hier was passiert."

Damit beim Sprayen auch eine professionelle Arbeit entsteht – immerhin, so Ohngemach, "geht es auch darum, nachher ein richtig cooles Ergebnis zu haben" – hat Max Frank die fachliche Leitung übernommen. Der Graffiti-Künstler ist ein ehemaliger Kollege von Michael Ohngemach. Er arbeitet als Jugendsozialarbeiter in Weil der Stadt und macht öfter solche Projekte im Großraum Stuttgart. Nun brachte er eine einfache Bleistiftskizze zum ersten Workshoptreffen mit. Die Jugendlichen durften ihre Ideen beisteuern und sich aktiv bei der Planung mit einbringen.

Am Tag darauf brachte Frank zusammen mit sechs Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren den Entwurf an die Spielraumwände. Die Wand hinter der Bühne und die Innenwand mit der Zimmertüre ziert nun ein Bild der wild spritzenden Nagold, aus der eine große, neonfarbene Krake emporsteigt. Auch die Burg Hohennagold und das Viadukt sind zu sehen.

Einen ganzen Tag lang arbeiteten der Graffiti-Künstler und die Jugendlichen daran. Frank sprayte in beigem Farbton eine Skizze an die Wand, dann durften die Jugendlichen die Dosen zücken. Schicht um Schicht vervollständigte sich das Bild mit Unterstützung des Profis.

"Das finde ich cool", meinte Ohngemach, "dass er den Kids gezeigt hat, wie man sowas technisch richtig aufbaut." Das Sprayen lehre die Jugendlichen Geduld und Teamwork, denn es müsse abwechselnd gearbeitet und auch mal pausiert werden. "Das ist eine Teamerfahrung", bestätigte Max Frank. Die Jugendlichen hätten sich geduldig gezeigt und sich gut geeinigt. "Das läuft super", so sein Fazit, "die machen total gut mit". Für Frank ging es bei dem Workshop auch darum, "dass sich die Jugendlichen auf ihre Art mit ihrer Stadt identifizieren können." Graffiti sei Teil der Jugendkultur, das mache den Zugang einfacher. Und am Schluss hätten die Teilnehmer im Team etwas Positives geschafft.

Übungswand ermöglicht ein legales Üben

Mit Graffiti als Erlebnispädagogik will Michael Ohngemach gleich diese Woche weitermachen. Bürgermeister Hagen Breitling habe ihm eine Übungswand zugesichert. An der können Graffiti-Anfänger legal üben. Mit ein paar Jugendlichen zusammen will Ohngemach die Mauer in den nächsten Tagen von Gestrüpp befreien. Danach steht das Mauerstück – und auch nur dieses Mauerstück – jedem zum Ausprobieren zur Verfügung. "Ich bin sehr dankbar, dass die Stadt das macht", so Ohngemach. "Das ging richtig schnell und unbürokratisch, das hat mich sehr gefreut." Nur eine Bitte hat er an die Sprayer: keine Dosen und keinen Müll liegen lassen.

Wer nähere Infos zur Übungswand haben möchte, kann sich bei Michael Ohngemach unter michael.ohngemach@youznagold.de melden.