Nagold

Stadt heimst fünf Architekturpreise ein

von Roland Buckenmaier

Nagold - Oberbürgermeister Jürgen Großmann hat bei der Eröffnung der Ausstellung "Beispielhaftes Bauen" im Rathaus eine Lanze für die kubistische Architektur gebrochen. Sein Credo: "Gebäude, über die man nicht redet, sind der Rede nicht wert."

Um das öffentliche Bewusstsein für Baukultur im Alltag zu schärfen, lobte die Architektenkammer Baden-Württemberg in den Kreisen Calw und Freudenstadt das Auszeichnungsverfahren "Beispielhaftes Bauen" aus. 88 Arbeiten wurden eingereicht – 22 schließlich prämiert. Dass Nagold allein fünf Preise einheimste, ist für Stadtoberhaupt Jürgen Großmann "kein Zufall". Für ihn ist damit das Konzept der Grünen Urbanität als Leitmotiv der Landesgartenschau 2012 im Nachhinein "vollständig aufgegangen". Die fünf Stadtvillen in der Eugen-Breitling-Straße als Stadtkante zum Kleb wie auch die Neubauten im Riedbrunnen hätten architektonische Maßstäbe gesetzt. Ein Preis bei diesem Auszeichnungsverfahren ging auch an die Stadt selbst ­– für das Café "Longwy" und dessen "zurückhaltende Architektur", wie die Jury befand.

"Es braucht Mut, Dinge anders anzupacken"

Über Baukultur lasse sich streiten, meinte der OB, aber der Markt stimme mit den Füßen ab: Wohnungen in den kubistischen Bauten im Riedbrunnen gingen "übern Tisch wie die warmen Semmeln". Unter Satteldächern würden ohnedies nur noch wenige Menschen wohnen: "Die Leute wollen lieber in allen Stockwerken die gleiche Wohnqualität." Auch wenn die neuen Bauformen nicht jedermann gefallen würden, müsse eine Stadt diese Spannung aushalten.

Auch im Neubaugebiet Hasenbrunnen, wo vornehmlich klassische Bauten projektiert sind, will der OB offen sein für Neuerungen und neue Formen. "Es braucht Mut, Dinge anders anzupacken", pflichtete Rudolf Müller, Vorsitzender der Architektenkammer Nordschwarzwald, bei. Der Leiter des Freudenstädter Stadtplanungsamtes gestand bei der Ausstellungseröffnung mit Blick auf die fünf Preise neidlos ein: "Nagold hat absolut das Rennen gemacht."

Die Wanderausstellung soll noch in Calw in der Innenstadt – im Landratsamt war sie bereits zu sehen – und in Horb präsentiert werden. Müller: "Wir tragen Nagold in die Welt".