Nagold

Personalnot am Beckenrand

von Axel H. Kunert

Eigentlich gehöre das nicht zu seinen dienstlichen Aufgaben – "Headhunting". Aber im Moment hat Andreas Dingler, Betriebsleiter des Nagolder Badeparks, keine andere Wahl als ständig am Telefon nach freien Rettungsschwimmern zu suchen. Denn es herrscht akuter Personalmangel.

Nagold. "Noch haben wir die Situation einigermaßen im Griff", erzählt Dingler. Aber nur, weil die Kollegen ("Wirklich wahnsinnig großes Lob dafür") immense Überstunden schieben. Und weil Vereine wie der VfL oder die DLRG "versuchen zu helfen, wo sie nur können". Auch das bis vor wenigen Tagen noch recht unterkühlte Frühlingswetter und die nach wie vor sehr kühlen Nächte helfen – weil: "Wir heizen hier im Badepark ausschließlich mit Sonnenenergie." Was bedeutet: die Becken kühlen nachts stark ab – weswegen das Schwimmerbecken mit dem Sprungturm regelmäßig seine Soll-Wassertemperatur von 20 Grad Celsius noch nicht erreicht; und geschlossen bleiben kann. Geschlossenes Becken aber heißt: "Ich brauch keinen Rettungsschwimmer dafür."

Vielleicht zur Erklärung: 15 Mitarbeiter braucht das Badepark-Team von Andreas Dingler für den Regelbetrieb im Sommer. "Aktuell sind wir zwölf, dreizehn Leute." Es fehlen also mindestens zwei Rettungsschwimmer. "Wir arbeiten in zwei Schichten – früh von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr, spät von 14.30 Uhr bis circa 21.30 Uhr." Für jede Schicht braucht jedes der Außenbecken entweder eine Fachkraft – die sogenannten "Fachangestellten für Bäderbetrieb", ein Lehrberuf; oder einen Schwimmmeister. Alternativ können als Saison- und Aushilfskräfte zur Ergänzung der Fachkräfte für die parallele Aufsicht der Becken sogenannte Rettungsschwimmer eingesetzt werden.

"Es wurde schon letztes Jahr schwierig"

Und genau die sind in den letzten Jahren immer rarer geworden. "Es wurde schon letztes Jahr schwierig", erzählt Dingler. Wahrscheinlich eine Folge der aktuellen Vollbeschäftigung in der Region. Letzte Saison gelang es aber schließlich noch, einen Rettungsschwimmer bei einem anderen Bad "abzuwerben" - weil "der Kollege dort unzufrieden war und wir davon erfuhren". Doch in diesem Jahr ist dieser Kollege, der im Sommer als Rettungsschwimmer und im Winter als Skilehrer arbeitet, in seinem "Winterrevier" geblieben – "weil ihm dort eine Stelle angeboten wurde." Das Wohl und Wehe eines Headhunters eben. Genau deshalb ist der Badepark-Chef aktuell wieder auf der Pirsch nach geeignetem Personal. "Aber die Suche wird immer schwieriger."

Was droht, wenn die freien Posten der Rettungsschwimmer nicht bald besetzt werden können: "Im schlimmsten Fall müssen wir Öffnungszeiten reduzieren oder eben Becken schließen." Denn: "Die Sicherheit hat immer alleroberste Priorität für uns." Heißt: "Nur wenn die Aufsicht der Schwimmbecken auch fachlich versiert und körperlich topfit sichergestellt werden kann, werden Besucher reingelassen."

Am Mittwoch dieser Woche, dem bisher heißesten Tag des Jahres, sind gegen Mittag knapp 200 Gäste im Bad. Bis zum Abend würden es wohl so 400 sein. Aber an absoluten Spitzentagen (Sonntag im Sommer, Temperaturen weit über 30 Grad) waren es auch schon mal an die 6000 Badegäste im Nagolder Badepark! "Das geht dann nur noch mit der Maximal-Besetzung."

Aber auch an normalen Tagen wie heute habe der Job so seine Tücken. Gerade das "kalte" Schwimmerbecken sei für Rettungskräfte eine Herausforderung, weil "man bei solchen Temperaturen schnell mal einen Beinkrampf bekommt." Da muss der Bademeister oder Rettungsschwimmer dann sofort ins Wasser, mit den eigenen Armen den Kopf des Schwimmers über dem Wasser stabilisieren und allein mit den Beinen zurück an den Beckenrand schwimmen. "Da kann es dann schon passieren, wenn man nicht topfit ist, dass man als Retter selbst einen Krampf in den Beinen bekommt."

Ideal wären Abiturienten ab 18 Jahren

Daher sind auch die Voraussetzungen, die Rettungsschwimmer für diesen Job mitbringen müssen, nicht trivial: "Man braucht ein gültiges Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber und einen großen Erste-Hilfe-Kurs." Beides nicht älter als zwei Jahre. Für Jugendliche, die "eigentlich" bereits ab dem 15. Lebensjahr diese Ausbildungen absolvieren können, ist der Job im Badepark leider trotzdem nichts – "wegen des Schicht- und Wochenend-Dienstes und der manchmal späten Arbeitszeiten." Ideal wären Abiturienten ab 18 Jahren, die gerade mit der Schule fertig sind und die Zeit bis zum Studienbeginn im Wintersemester überbrücken wollen.

Wer jetzt Interesse hat, aber nicht die notwendigen "Scheine" als Rettungsschwimmer: die DLRG bietet in Nagold entsprechende Kurse an, "dafür trainiert werden kann natürlich auch hier bei uns im Badepark." Bewerbungen selbst müssten direkt ans Nagolder Rathaus beziehungsweise die Nagolder Stadtverwaltung geschickt werden. "Oder man ruft hier an oder kommt vorbei."