Nagold

Neuer Treffpunkt für die Bürger

von Jacqueline Geisel

Nagold-Schietingen - Die Backhaussanierung ist fertig, der neue Dorfgemeinschaftsraum geschaffen – Grund genug für ein Fest. Die Wiedereröffnung feierte Schietingen mit einem eintägigen Unterhaltungsprogramm.

Was wiegt der Ortschaftsrat? Eine Frage, die die Besucher der Backhaus-Einweihung fast den ganzen Sonntag beschäftigt haben dürfte. Die Kommunalpolitiker hatten den Bürgern diese Schätzaufgabe als einen von vielen Programmpunkten gestellt. Das Ergebnis wurde zum Abschluss der Feierlichkeiten am Unteren Backhaus auf der ehemaligen Viehwaage im Waaghäusle ermittelt: 714,2 Kilogramm. Die besten 50 Schätzungen bekamen einen Sachpreis.

Am Mittag waren verschiedene Attraktionen geboten: Die jüngeren Besucher kamen in der Hüpfburg und bei der Märchenstunde mit Viola Bauer im Keller an der Kirche auf ihre Kosten. Andreas Gutekunst zeigte im Schmiedemuseum am Dorfplatz seine Schmiedekünste. Reinhold Gutekunst faszinierte die Gäste beim Schaubrennen von Schnaps. Das Programm gipfelte in einer Schauübung der Schietinger Feuerwehrabteilung. Die Festbewirtung übernahmen der Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde und die Schietinger Narrenfreunde.

Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete der Festgottesdienst mit Pfarrer Daniel Geese. "Der Dorfplatz war komplett voll", berichtete Ortsvorsteher Thomas Reimer. Der Kirchenchor sowie der Posaunenchor beteiligten sich musikalisch. Es folgten die Festreden von Oberbürgermeister Jürgen Großmann und Ortsvorsteher Reimer. "Das Backhaus ist ein ortsbildprägendes und denkmalgeschütztes Gebäude", blickte Reimer in die Vergangenheit des Wasch- und Backhauses. Das 1854 erbaute Gebäude sei schon immer in zwei Bereiche aufgeteilt gewesen: die Backeinrichtung und einen Nebenraum. Letzterer war bis zum Frühjahr 1989 vermietet und wurde als Milchsammelstelle genutzt.

Von 1991 bis 2014 diente der Nebenraum der örtlichen Feuerwehr als Umkleide. Nach dem Umzug der Wehrleute in ihr neues Feuerwehrhaus, blieb er ungenutzt. Also machte sich der Ortschaftsrat Gedanken über die zukünftige Verwendung. Die Idee eines Dorfgemeinschaftsraumes war geboren. "Es sollte ein neuer Treffpunkt für die Bürger geschaffen werden", erklärte Reimer, "der das Gemeinschaftsleben fördert und das Angebot an Begegnungsmöglichkeiten erweitert".

Rund 64 000 Euro kostete die Sanierung, vom Entwicklungsprogramm ländlicher Raum kamen 18 600 Euro Fördermittel. Davon wurden unter anderem ein Türdurchbruch zwischen den beiden Räumen, deren Renovierung, die Sanierung und Wärmedämmung des Daches, neue Bodenbeläge sowie ein neuer Anstrich für die Wände realisiert. In der Backküche gibt es nun einen Sanitärbereich.

Das 1877 erbaute Waaghäusle nebenan sanierte der Ortschaftsrat mit einigen Helfern in Eigenleistung. Insgesamt 296 ehrenamtliche Arbeitsstunden kamen hier zusammen. "Ohne dieses ehrenamtliche Engagement", betonte Reimer, "wäre die Umsetzung des Projektes in diesem Rahmen nicht möglich gewesen."