Nagold

Klinik: Startschuss für Millionenprojekt

von Roland Buckenmaier

Nagold - Landrat Helmut Riegger findet zunehmend Gefallen an Spatenstichen. Schon im Herbst stach die Prominenz symbolisch in den Boden auf Teufels Hirnschale in Nagold. Damals feierte man den Beginn der Vorarbeiten für den Erweiterungsbau der Kreiskliniken Nagold. Jetzt wiederholte man die Zeremonie, schließlich ging’s um den offiziellen Start für das 85-Millionen-Projekt.

Riegger sprach vor versammelter Prominenz von einem "ganz wichtigen Tag" für den Kreis wie auch für die Stadt Nagold: "Jetzt wird sichtbar, über was wir seit Jahren diskutiert haben." Zugleich sei dies ein Signal an die Bevölkerung: "Die Politiker im Kreis, die das Medizinkonzept gegen alle Widerstände durchgesetzt haben, halten Wort", erklärte der Kreischef.

Die Baugrube für den Erweiterungsbau, der neben der bestehenden Klinik entsteht, ist bereits ausgehoben. In dem viergeschossigen Neubau werden eines Tages 96 Betten zur Verfügung stehen. Im Erdgeschoss wird sich eine nephrologische Praxis mit 20 Dialyseplätzen ansiedeln.

Im ersten Bauabschnitt wird auch die Intensivstation im ersten Obergeschoss des Altbaus mit 20 Betten erweitert und der Patiententrakt im zweiten bis vierten Obergeschoss mit insgesamt 42 Betten saniert.

Eine Generalsanierung der 40 Jahre alten Gebäude stand ursprünglich zwar nicht zur Debatte, aber "bevor wir’s halb machen, machen wir es lieber richtig", meinte Riegger beim Spatenstich.

In einem zweiten Bauabschnitt folgt der Bau des neuen Medizinischen Versorgungszentrums, die Erweiterung der Zentralen Notaufnahme und die Modernisierung der Operationssäle.

"Ruhe tut den beiden Häusern gut"

Und das alles "bei offenem Herzen", also bei laufendem Betrieb. Riegger: "Das ist wahrlich keine leichte Aufgabe, aber ich denke wir kriegen das hin." Parallel dazu erfolgt die Neugestaltung der Patientenzimmer samt Umstellung auf eine zeitgemäße Zwei-Betten-Struktur, die Erneuerung der Fensterfassade und der Haustechnik.

Für die Generalsanierung der Klinik und für den Erweiterungsbau sind Kosten in Höhe von 85 Millionen Euro veranschlagt. Wie hoch die staatliche Subvention ausfällt, steht noch nicht fest. Man kalkuliert mit einer Förderquote von 40 bis 45 Prozent.

Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann sprach mit Blick auf das Millionenprojekt von einem "Zeitenwechsel: "Es geht voran im Kreis Calw." Das gelte nicht nur für die Hesse-Bahn, sondern auch für die Elektrifizierung der Nagoldtalbahn, die Breitbandversorgung und nun mit der Umsetzung des Medizinkonzeptes. Das Stadtoberhaupt zeigte sich überzeugt, dass die beiden Kreiskliniken in Calw und Nagold wie "zwei gute Magnete" in die Fläche hinausstrahlen und weitere medizinische Berufe anziehen würden.

Er stehe hinter dem Schwerpunktkrankenhaus Nagold – "Das Konzept passt" – , forderte aber eine Nachjustierung. Man müsse überprüfen, ob der Campusgedanke, der in Calw mit dem Neubau auf dem Stammheimer Feld umgesetzt werde, mit seiner sektorenübergreifenden Medizin nicht auch auf Nagold übertragbar sei.

Jörg Noetzel, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest, zeigte sich erleichtert, dass nach der jahrelangen, teils heftigen Diskussion über die Zukunft der Kreiskliniken nun "eine gewisse Ruhe" eingekehrt sei: "Das tut den beiden Häusern gut." Bei der Ausstattung der Patientenzimmer sieht Noetzel das Nagolder Krankenhaus in einer Vorreiterrolle. Zwei Monate lang habe man ein Musterpatientenzimmer unter pflegerischen, medizinischen und auch baulichen Gesichtspunkte samt Evaluation durch die Patienten getestet. Diese Test-Ergebnisse sollen nun in 125 Zimmern umgesetzt werden.

"Nagold und Calw werden sich ergänzen"

Hubert Mörk hat als Ärztlicher Direktor schon viele Baumaßnahmen an seinem Krankenhaus erlebt: "Aber was jetzt kommt, hat eine ganz andere Dimension. Wenn das fertiggestellt ist, dann haben wir nicht ein saniertes, sondern ein neues Krankenhaus." An seine Mitarbeiter gewandt meinte Mörk beim Spatenstich: "Wir werden aber anders arbeiten müssen, als wir es bislang gewohnt sind." Und: "Nicht jeder wird in der Mannschaft in seiner Lieblingsposition spielen können. Wir müssen uns so aufstellen, dass wir konkurrenzfähig sind." Die Konkurrenz – das sei nicht Calw, Leonberg oder Sindelfingen, sondern Tübingen, Stuttgart und Pforzheim.

Ulrich Kallfass, Aufsichtsratsmitglied im Klinikverbund, zeigte sich überzeugt: "Nagold und Calw werden sich ergänzen in ihren Leistungen und dafür sorgen, dass der gesamte Landkreis beispielhaft versorgt ist."

Die Fertigstellung ist für Dezember 2020 geplant.