Nagold

Horror-Unfall: Übrig bleibt die Frage nach dem Warum

von Sebastian Bernklau und Bernd Mutschler

Nagold - Am Freitag hat ein umkippender Müllwagen in Nagold das Leben von fünf jungen Menschen ausgelöscht. Die Frage, die sich Menschen in der Stadt, der Region und darüber hinaus auch Tage nach dem Unglück stellen, heißt schlicht: "Warum?"

Die Erde ist noch immer aufgewühlt an der Stelle, an der am Freitag ein Müllwagen auf ein Auto gestürzt ist und eine 25 Jahre alte Frau, ihren 22-jährigen Lebensgefährten, ihre zwei Kinder im Alter von wenigen Wochen und zwei Jahren und die 17 Jahre alte Schwester der Frau getötet hat. Inzwischen hat die Polizei ihre ersten Angaben, die Fünf seien aus dem Raum Nagold, korrigiert. Nach aktuellen Informationen stammen sie aus dem Kreis Böblingen.

Ein Teddy erinnert an die toten Kinder

Zwei profane rot-weiße Warnbaken sperren die Stelle des Unglücks notdürftig ab. An einer der Baken haben Menschen Blumen abgelegt, Beileidsbekundungen und einen kleinen Teddy im Gedenken an die toten Kinder. Und sie haben rote Grabkerzen aufgestellt und entzündet.

Radfahrer haben an diesem Morgen dort Halt gemacht. Blicken stumm auf den Ort des Schreckens. Die Frage, die auch sie umtreiben dürfte: Warum ist dieses Unglück geschehen? Warum wurden fünf junge Menschen binnen Sekundenbruchteilen aus dem Leben gerissen?

Festzustehen scheint dies: Ein 54 Jahre alter Mann steuert am Freitag gegen 12.45 Uhr ein 26 Tonnen schweres Müllfahrzeug die abschüssige Graf-Zeppelin-Straße vom Industriegebiet Wolfsberg hinunter in Richtung Nagolder Autobahnzubringer, die L 361. Neben dem Mann sitzt sein 26 Jahre alter Beifahrer. Plötzlich gibt es Schwierigkeiten, der Fahrer wird später von einem technischen Defekt sprechen. Das Fahrzeug bremst nicht mehr. Im Gegenteil. Es wird immer schneller.

Der Fahrer steuert den Laster auf die Kreuzung zu, dann wohl nach rechts auf die Landesstraße. Dort kippt er um – gerade in dem Moment, als der im Kreis Konstanz zugelassene Golf der Familie vorbeifährt. Der 26-Tonner zerquetscht das Auto. Die Polizei geht davon aus, dass die Insassen keine Chance haben und sofort tot sind. Viele Helfer von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten – darunter auch Rettungshubschrauber – eilen zum Unfallort. Doch zunächst muss der Laster von dem Auto gehoben werden. Das dauert mehr als eine Stunde.

"Einfach nur schlimm, furchtbar schrecklich!"

Und was die Helfer dann erblicken, ist ein "Bild des Grauens", wie es Polizisten formulieren: fünf tote Menschen, darunter ein Säugling. Noch am Nachmittag werden Experten geschickt, die die Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten psychologisch betreuen sollen. Noch während die Retter die Opfer bergen, nimmt ein Kfz-Sachverständiger seine Arbeit an der Unfallstelle auf. Er beschlagnahmt den nur wenig beschädigten Müllwagen und das Wrack des VW Golf der getöteten Familie, um der Unfallursache auf die Spur zu kommen.

Mit schnellen Ergebnissen sei da aber nicht zu rechnen, heißt es bereits am Freitagabend von Seiten des Polizeipräsidiums Karlsruhe.

Die Menschen reagieren entstetzt auf die Nachricht. Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann spricht von Schock und Entsetzen. Landrat Helmut Riegger ist am Tag des Unglücks unterwegs, als ihn Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide kurz nach Mittag über den tragischen Unfall informiert. "Ich bin tief erschüttert, dass durch dieses Unglück das Leben von fünf Menschen ausgelöscht worden ist. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer", so der Kreischef.

Der mit zwei Fahrern besetzte Lastwagen der Firma Heizöl Häberle aus Bad Liebenzell war im Auftrag der Umwelt-Service Nordschwarzwald (USN) unterwegs, um an mehreren Stationen im Landkreis Altholz abzuholen. Christian Gmeiner, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Landkreis Calw (AWG), der zu 51 Prozent die Tochtergesellschaft USN gehört, hat sich noch vor Ort ein Bild von dem tragischen Unglück gemacht. Auch er zeigt sich vom Ausmaß des Unfalls tief betroffen und spricht den Angehörigen sein Beileid aus.

Ekkehard Häberle, der Geschäftsführer des Unternehmens, das die Fahrzeuge zur Verfügung stellt und wartet, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Lastwagen sei erst im März beim TÜV gewesen. Die nächste Untersuchung in einer Werkstatt war planmäßig für den September anvisiert. Es habe nie Probleme mit dem Fahrzeug gegeben.

Viele Reaktionen auf den schlimmen Unfall gab es auch in den sozialen Medien, etwa auf der Schwarzwälder-Bote-Facebook-Seite der Nagolder Lokalredaktion. Viele Nutzer zeigten sich entsetzt über das Geschehen und drückten ihr Mitgefühl aus. "Fünf Leben innerhalb eines Wimpernschlags ausgelöscht", kommentiert beispielsweise Steven E. fassungslos. "Einfach nur schlimm, furchtbar schrecklich!", ringt auch Birgit O. um Worte. Marion H. drückt ihr Mitgefühl aus: "Wie schrecklich – so jung! Mein Mitgefühl den Angehörigen, die ihre Kinder und Enkelkinder verloren haben. Mein Mitgefühl den Fahren des Unglückswagen – wie furchtbar das alles!"

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