Nagold

Diese Retter haben gerade Hochkonjunktur

von Sebastian Bernklau

Man könnte es fast schon als einen Boom bezeichnen. Das Interesse und der Bedarf am Beruf des Notfallsanitäters ist so groß, dass das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Kreis Calw nicht nur die Zahl seiner Auszubildenden aufstockt, sondern nun auch neben Calw eine zweite Lehrrettungswache in Nagold genehmigt bekommen – und jetzt auch eröffnet hat.

Nagold. Notfallsanitäter helfen Leben zu retten. Doch auch bei ihnen greift das Phänomen des Fachkräftemangels um sich. Um dem wirksam entgegen zu wirken, hat der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seine Bemühungen intensiviert, für diesen Beruf Nachwuchs zu gewinnen – und das ganz offensichtlich mit zunehmendem Erfolg.

2015, vor gut drei Jahren, starteten zwei Schüler mit der Ausbildung zum Notfallsanitäter. Inzwischen haben Ramona Rentschler und Lennart Prüfer die Prüfungen mit Bravour abgelegt und verstärken jetzt das Team des DRK-Rettungsdienstes. Doch die beiden Retter waren erst der Anfang. 2016 starteten drei weitere Anwärter ihre dreijährige Ausbildung, 2017 waren es schon vier Neueinsteiger. In diesen Tagen hat der stärkste Jahrgang seine Ausbildung beim DRK begonnen: Acht Schülerinnen und Schüler starteten ihren Weg in Richtung Notfallsanitäter. Damit befinden sich derzeit 15 Azubis beim DRK im Kreis auf diesem Berufsweg. Im nächsten Jahr, so teilt DRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Seeger mit, wird die Zahl auf insgesamt 20 steigen. Probleme, Bewerber für dieses Berufsbild zu finden, hat man beim Kreis-DRK nicht. "Es ist ein sehr beliebter Beruf", weiß Carola Markert, Personalreferentin des Kreisverbands. "Und die Ausbildung kann man als qualitativ hochwertig bezeichnen. Es ist die höchste Qualifikation, die man in unserem Bereich ohne Studium erzielen kann", so Markert weiter, die davon berichtet, dass viele der Bewerberinnen und Bewerber aus den eigenen Reihen des DRK kommen. Allerdings bekomme sie für die Stellen durchaus auch Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet.

Doch nicht nur das Team der Auszubildenden wächst, auch was die Ausbilder angeht, kann das DRK Zuwachs vermelden. Neben den bisherigen so genannten Praxisanleitern Ralf Meuer und Martin Stottele verstärken nun auch Thomas Schwarz und Alexander Becker das Ausbilder-Team.

Überall also reger Personalzuwachs. Und auf den hat man beim DRK-Kreisverband reagiert und eine zusätzliche Lehrrettungswache beantragt – und vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe nun auch genehmigt bekommen. Sie ist an die bestehende und von Micha Salopek und seinem Stellvertreter Frank Heitmar geleitete Nagolder Rettungswache angedockt.

Die Vorbedingungen für so eine zusätzliche Wache hat man im Kreis Calw erfüllt. Zunächst einmal konnte man am Standort Nagold in unmittelbarer Nähe zum dortigen Krankenhaus – dank der Kooperation mit dem Klinikverbund Südwest – die nötigen Räumlichkeiten vorweisen. Auch die Zahl der jetzt vier Ausbilder genügte den Anforderungen.

Und auch der Bedarf am Standort Nagold ist gegeben. Auf den ganzen Kreis gesehen verzeichnete das DRK im vergangenen Jahr 8000 Einsätze mit dem Rettungswagen und 4500 Einsätze mit dem Notarztwagen. Mehr als 1700 davon vom Standort Nagold aus, der im Zwei-Schicht-Betrieb 24 Stunden am Tag verfügbar ist. Dazu kommen kreisweit noch 11 000 Krankentransporte, informiert Rettungsdienstleiter Werner Schwämmle. Dafür stehen in Nagold insgesamt sieben Fahrzeuge zur Verfügung, unter anderem ein Notarzteinsatzfahrzeug, das mit einem – meist vom Klinikverbund Südwest gestellten – Notarzt und einem Notfallsanitäter besetzt ist. Dazu kommt noch ein mit zwei Sanitätern und meist auch einem Azubi besetzter Rettungswagen.

Dabei bleiben die DRK-Azubis beileibe nicht nur an der Ausbildungswache. "Sie rotieren an allen sechs Wachen im Kreis. Die befinden sich in Nagold, Calw, Bad Wildbad, Schömberg, Bad Herrenalb und Altensteig", informiert Praxisanleiter Ralf Meuer. "Dazu müssen sie noch 700 Stunden an einer Klinik ableisten. Das reicht von der Notaufnahme bis zur Intensivstation." Und auch da funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Klinikverbund.