Nagold

Modellfliegen? Da ist Konzentration gefragt

von Lena Wind

Jeden Mittwochabend dürfen sich beim Modellsportclub Nagold (MSC) Mitglieder und Nicht-Mitglieder am Schulungsfliegen von Modellflugzeugen probieren.

Nagold. Fliegen in bis zu 400 Metern Höhe, Loopings drehen, den Kopf frei kriegen und dabei doch mit beiden Füßen fest auf der Erde bleiben. Für die Modellflieger beim MSC Nagold ist das ein alltägliches Vergnügen. Von April bis Oktober lassen sie daran jeden Mittwochabend auch Anfänger teilhaben. Anfänger, wie mich.

Ein Mann dreht sich wie ein Diskus-Werfer

Als ich auf dem Flugplatz "Am Auchtberg" zwischen Iselshausen und Mötzingen ankomme, ist da schon ganz schön was los. Drei ältere Herren haben es sich im Schatten auf einer Bank am Rande des Platzes gemütlich gemacht. Sie beobachten einen Mann, der mit einem grün-gelben Flieger auf dem Platz steht und sich wie ein Diskus-Werfer rasend schnell um die eigene Achse dreht. Dann lässt er los und der Segler hebt ab. Ohje, denke ich. Das wird ja schwieriger als gedacht.

Doch dann bin ich bei Michael Flosdorff, dem Vorsitzenden des Vereins. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein weißer Flieger aus Schaumstoff und zwei große Steuermodule. Daneben stehen der sechsjährige Magnus und der siebenjährige Carl. Ich entspanne mich ein wenig, wenn Grundschüler das schaffen, kriege ich es vielleicht auch hin.

Ich werde über Schalter und Knöpfe aufgeklärt

Flosdorff erklärt uns die Steuerung des Fliegers. Eigentlich erklärt er sie nur mir – die Jungs wissen längst Bescheid. Das Steuerungsmodul hat mehrere Schalter und Knöpfe. Am Wichtigsten sind aber wohl die beiden Steuerknüppel links und rechts. "Mit dem Linken steuert man das Höhenruder", erklärt Flosdorff. Das ist am Heck des Fliegers. Drückt man den Knüppel nach vorne, klappt das Höhenruder nach unten, wodurch das Flugzeug sinkt. Zieht man den Knüppel hingegen zu sich, klappt das Höhenruder hoch und der Flieger zieht nach oben. "Mit dem rechten Knüppel bestimmt man die Richtung – also ob das Flugzeug nach links oder rechts fliegt", so Flosdorff. Dabei ist Vorsicht geboten: Je nach Lage und Flugrichtung des Flugzeugs muss man auch mal seitenverkehrt steuern. "Dann ist links rechts und rechts links." Jetzt wird es also doch noch kompliziert.

Da bin ich ganz froh, dass ich erst mal bei Magnus und Carl zuschauen darf. Das Steuermodul bekommen die Jungs an einem Gurt um den Hals gehängt. Auf Dauer wird es nämlich ziemlich schwer.

Und dann kommt das Besondere beim Schulungsfliegen: Das Schulungsmodell hat zwei Steuerungsmodule. Eines für den Schüler und eines für den Lehrer. "Das Schüler-Modul ist so eingestellt, dass darüber nur die Höhe reguliert werden kann", erklärt Flosdorff. Den Rest übernimmt der Lehrer und im Notfall kann er auch auf das Höhenruder zugreifen. "Im Winter haben wir beim Gewinnsparen der Volksbank 500 Euro gewonnen. Damit konnten wir uns ein zweites Schulungsmodell zulegen", sagt Flosdorff.

Beim Zuschauen lerne ich gleich das wichtigste Kommando: "Höhe geben!" Das bedeutet, der Schüler muss den linken Hebel zu sich ziehen. Carl erklärt mir, dass das gemacht werden muss bevor eine Kurve geflogen wird und wenn ich sehe, dass die Schnauze des Fliegers nach unten kippt. Oder wenn man wie Magnus einen Looping fliegen will. Das sieht schon ganz gut aus. "Am schwierigsten sind Start und Landung", sagt unser Lehrer Flosdorff. Aber die beiden Jungs lassen den Flieger sehr elegant landen. Sieht eigentlich ganz leicht aus.

Dann wird der Akku gewechselt und ich darf das Schüler-Steuer übernehmen. Flosdorff übernimmt den Start und schaltet dann das Höhenruder für mich frei. In 100 Metern Höhe zieht der Flieger seine Runden. Ich greife nur wenig ein. Befolge Carls Tipp und ziehe am Hebel, wenn ich glaube, den Flieger sinken zu sehen. Mein Lehrer scheint zufrieden mit mir zu sein. "Frauen haben da doch ein gutes Gespür dafür", sagt er lobend. Ich entspanne mich. Aber dann leitet er eine Kurve ein und sagt: "Höhe geben!" Da erwischt er mich auf dem falschen Fuß, ich habe mich ablenken lassen. Also drücke ich den Knüppel schnell von mir weg. Ups, das Flugzeug nähert sich bedenklich dem Boden. Zum Glück kann Flosdorff eingreifen, sonst hätte es eine Bruchlandung gegeben. "Immer konzentriert bleiben beim Modellfliegen und die Fluglage im Blick behalten", ermahnt mich mein Lehrer. Nach ein paar weiteren Runden setzen wir zur Landung an. Trotz meines Patzers darf ich dabei das Höhenruder steuern. In mehreren Wellen lasse ich den Flieger absinken. Wenig später schlittert dieser auf dem Bauch über die Wiese. Geschafft.

"Zeigen sie mir mal ihre Hände", fordert mich Michael Flosdorff auf. "Hab ich mir gedacht, die sind ganz verschwitzt", sagt er dann lachend.

Das Schulungsfliegen des MSC Nagold findet zwischen April und Oktober jeden Mittwochabend ab 17 Uhr auf dem Flugplatz "Am Auchtberg" statt. Eine Wegbeschreibung dorthin gibt es im Internet unter www.msc-nagold.de. Jeder der Lust hat, mal selbst ein Modellflugzeug zu steuern, kann vorbei kommen. Rückfragen beantwortet Michael Flosdorff unter Telefon 0171/7 52 41 11.