Mühlenbach

Historischer Bauernhof steht in Flammen

von Arwen Möller

Mühlenbach - In Mühlenbach hat am Montagnachmittag ein historischer Bauernhof gebrannt. Die Feuerwehr wurde gegen 16 Uhr verständigt. Rund 110 Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und Technischen Hilfswerks (THW) waren bis in die Abendstunden im Einsatz.

Immer wieder erschallten und verhallten Martinshörner. Am Haslacher Ortsausgang stand eine Rot-Kreuzlerin abholbereit für den Einsatz in Mühlenbach. Die Rauchsäule des Dachstuhlbrand dort war gestern Nachmittag bereits von weitem zu sehen. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand der Dachstuhl des Hofs am Ortsausgang Richtung Freiburg bereits lichterloh in Flammen.

"Die Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Mühlenbach, Haslach, und Hausach unter der Leitung von Kommandant Fritz Uhl konnten trotz schnellen Eingreifens das Ausbrennen des Dachstuhls nicht verhindern", heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Laut deren Bilanz konnten alle Bewohner des Hofes das Gebäude rechtzeitig verlassen, es wurde niemand verletzt und die Tiere im Stall, der sich im selben Gebäude befand, konnten von verschiedenen Helfern ins Freie getrieben werden.

Kurz nach dem Eintreffen der Rettungskräfte – ein von einem Einsatz zurück fliegender Hubschrauber hatte vorsorglich in Mühlenbach gelandet – bot sich von der B 294-Abzweigung hoch zum brennenden Hof jedoch ein dramatisches Bild. Einsatzfahrzeuge säumten die 100 Meter lange Zufahrt. Gelöscht wurde der Dachstuhlbrand des Hofes von verschiedenen Seiten und von oben mit der Drehleiter. Auch musste ein Übergreifen des Feuers auf die nur wenig entfernten Nachbargebäude verhindert werden. Dafür schaffte die stärkste Pumpe Wasser vom Talbach bergauf.

Ab der Brücke über diesen Bach riegelte die Polizei die Zufahrtsstraße zum Einsatzort ab. Zahlreiche Einsatzkräfte des Roten Kreuzes hatten auf einem nahen Parkplatz ihren Betreuungsbereich. "Verletzte gab es keine, aber es sind viele Erwachsenen und Kinder zu betreuen", gab Notarzt Ralf Greiner Auskunft. Die Kinder der Familie hätten wohl auch das Feuer entdeckt und alarmiert, blieb Greiner vage.

Dachziegel fallen, Kommandos schallen übers Megafon

Während vom Brandort in Strömen das Löschwasser bergab die Straße hinunter floss, standen auf einem Feldweg oberhalb des brennenden Hofes weitere Rotkreuzler den verzweifelten Menschen bei. Immer wieder drehte der Wind und Rauch und Asche trieben ihnen entgegen. Weiter unten am Weg und noch näher am Brand versuchten unter dem Vordach eines Wirtschaftsgebäudes einige Erwachsene eine Kuh oder einen Bullen zu halten.

Von dieser und der anderen Längsseite des Hofs löschten Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken. Auch auf dem Weg hinter dem brennenden Hof standen betroffene Menschen. Die Rinder wurden auch dort bereits fortgetrieben. Einzelne Helfer zerschnitten Weidezäune nahe des Einsatzorts. Immer wieder schallten Kommandos über ein Megafon. Wasser prasselte, Dachziegel fielen, Rauch und Dampf stieg auf und verdunkelte beständig die Abendsonne.

"Seid ihr mit Atemschutz fertig", fragte auf halber Hanghöhe ein Feuerwehrmann zwei abwärts laufende Kameraden. "Nein", lautete ihre Antwort. Mühlenbachs Bürgermeister Karl Burger ist nun vor Ort. Es war bereits der zweite Brand innerhalb kürzester Zeit in seiner Gemeinde. Um Worte ringend begrüßte er vorbeieilende Mitbürger. Ein Polizeibeamter unterrichtete ihn nach vorläufigem Kenntnisstand.

Sichtlich um Fassung rang jenseits des Einsatzorts auf der anderen Seite der B 294 auch Gemeinderätin Evmarie Buik: "Schon wieder, das ist doch furchtbar." Als sie die Sirene hörte und aus dem Fenster ihres Hauses im Mühlenbacher Bärenbach blickte, sah sie über den Bergrücken nicht den Hof, nur den Brand im Nachbartal. "Das war wie eine lodernde Feuerwand", erinnert sie sich. Sofort sei sie mit dem Fahrrad gekommen.

Viele derer, die mit Buik fassungslos und teils mit Tränen in den Augen das Geschehen verfolgen, scheinen alles andere als sensationslustig. Eher, als wollten sie der Familie, deren Heim die Flammen gestern Abend verwüstet haben, signalisieren: Ihr seid in eurer Not nicht allein. Der Schock scheint sich bei den Mühlenbachern nach dieser zweiten Brandkatastrophe tief eingegraben zu haben.

Während die Löscharbeiten gestern bis in die Abendstunden andauerten, hat laut Mitteilung der Offenburger Direktion die Polizei bereits die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Der entstandene Sachschaden wird auf mehrere 100 000 Euro geschätzt.