Mühlenbach

Entscheidung erneut vertagt

von Schwarzwälder Bote

Mühlenbach (stö). Sind die sogenannten Mifahrbänkle eine moderne Form des Trampens oder eine ernste Konkurrenz für den öffentlichen Personennahverkehr? Der Mühlenbacher Gemeinderat hat in der Gemeinderatssitzung das Aufstellen solcher Bänke diskutiert und will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich das Gremium eher verhalten mit dem Thema auseinandergesetzt und wollte zunächst auf Erfahrungen aus den Umlandgemeinden warten. Bürgermeisterin Helga Wössner verwies auf die allgemeine Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs durch Mitfahrbänkle. In einer Untersuchung des Nutzungsverhaltens habe sich gezeigt, dass es von Kommune zu Kommune unterschiedlich gut angenommen werde.

So gebe es in der Gemeinde Schuttertal 15 Mitfahrbänkle und registrierte Autofahrer, die über einen Aufkleber am Fahrzeug als Mitnehmende erkennbar wären. Allerdings sei die Skepsis der Eltern nicht zu unterschätzen, die eine passive Form des Trampens sehen würden. Die Gemeinde Seelbach wolle noch abwarten und als Kommune nicht dafür werben, dass sich Kinder auf die Mitfahrbank setzen und zu Fremden ins Auto steigen.

Die Oberwolfacher sind sehr zufrieden

Für die Raumschaft Zell gebe es eine Kooperation zwischen Oberharmersbach, Zell und Biberach, allerdings müsse man dort erst einmal Erfahrungen sammeln. Eine Befragung in Oberwolfach habe überwiegend jüngere Leute als Nutzer ausgemacht. Dort sei man sehr zufrieden. Für Mühlenbach gelte bisher sowieso schon, dass Bekannte bei Bedarf mitgenommen würden, erklärte die Bürgermeisterin. Das Aufstellen der Bänke sei eine kostengünstige Angelegenheit und letzten Endes die Entscheidung des Nutzers, bei wem er ins Auto steige. "Die Resonanz ist überwiegend gut, es ist eine kostengünstige Möglichkeit, sich in der Raumschaft zu bewegen und der Umwelt- und Klimaschutz sollte vor der eigenen Rathaustüre nicht Halt machen", warb sie.

Für Gemeinderätin Michaela Paulat (CDU) stand fest: "Die Bänkle sind gut und recht, solange sie keine Konkurrenz dahingehend darstellen, dass der ÖPNV wegen zu geringer Nutzung eingestellt wird." Es könne kontraproduktiv zum angestrebten Erhalt der Linien sein.

Friedrich Uhl (CDU) sah zwar keine Konkurrenz, das Projekt aber im Gesamten sehr skeptisch. "Früher hat es geheißen, nicht in fremde Autos einsteigen – jetzt dreht sich das Blatt", begründete er. Thomas Keller (Freie Wähler) fand die Idee nicht schlecht, er war für ein Ausprobieren. Für Klaus Armbruster (Freie Wähler) war es vor dem Hintergrund des Klimawandels eine klare Sache, das Mitfahrbänkle zu unterstützen. Allerdings regte er an, eventuell über eine App eine Lösung zu finden, damit immer jemand wisse, wer bei wem ins Auto steige.

Monika Öhler (Freie Wähler) sprach sich gegen das Projekt aus. Sie sah es als Form des Trampens, dem die Gemeinde keinen Vorschub leisten sollte. Auch Stefan Müller (CDU) war skeptisch: "Wir sind in Richtung Haslach nicht unterversorgt. Und dass es in Richtung Elzach funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen." Jetzt sollen weitere Infos und Erfahrungsberichte gesammelt werden, bevor das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen wird.