Mountainbike

Und dann zündet Ronja Eibl den Turbo

von Ulrich Mußler

Auf den letzten Metern vor dem Ziel klatscht sie mit den Zuschauern ab, ballt dann mit einem dicken Strahlen im Gesicht die Faust. Lokalmatadorin Ronja Eibl ist glücklich. Sie weiß, bei ihrem Heimweltcup belegt sie im U23-Rennen hinter der Österreicherin Laura Stigger sensationell den zweiten Platz.

Darauf hatte nach zwei Start-Loops und den nächsten beiden der vier zu fahrenden vollen Runden auf der schlammigen Strecke im Albstädter Bullentäle noch wenig hingewiesen. "Der Start war überhaupt nichts", sagt Eibl. Sie kam überhaupt nicht gut weg, in der ersten Rennhälfte stürzte sie zwei Mal, einer ihrer Rennschuhe ließ sich nicht mehr richtig schließen, einmal Sprang die Kette vom Ritzel, dann muckte kurz vor dem höchsten Punkt der Cross-Country-Strecke auch noch die Schaltung. "Da habe ich schon ein bisschen an letztes Jahr gedacht", so Eibl.

Damals machte ein Defekt der Grosselfingerin, die ihre radsportliche Ausbildung bei der RSG Zollern-Alb Albstadt genoss und vor dieser Saison zum Profi-Team Corendon-Circus wechselte einen dicken Strich durch die Rechnung. Nun lag Ronja Eibl zwei Runden vor Schluss gut eineinhalb Minuten hinter der Führenden Stigger sowie deren Verfolgerinnen Haley Batten (USA), Nicole Koller (Schweiz) und Nina Benz (Laichingen) auf dem fünften Rang. Doch dann zündete die 19-Jährige den Turbo, strampelte sich von all den bisherigen Rückschlägen frei und startete eine fulminante Aufholjagd. Als die Glocke zur finalen Runde für sie ertönte, hatte sie Benz und die von Krämpfen geplagte Koller überholt, lag noch 33 Sekunden hinter Batten. Doch damit gab sich die Deutsche U23-Meisterin nicht zufrieden, kassierte auch die US-Amerikanerin ein und rückte Stigger, 2017 und 2018 Junioren-Weltmeisterin im Cross-Country, immer näher auf die Pelle. Am Ende betrug ihr Rückstand auf die Siegerin gerade einmal noch 14 Sekunden. "Das ist schon cool. Ich hätte nicht mehr gedacht, dass es noch zu Platz zwei reicht. Aber bin irgendwann einfach mein Ding gefahren, habe versucht, das Feeling und die Atmosphäre im Bullentäle aufzunehmen. Die Leute haben mich unglaublich angefeuert, laut meinen Namen gerufen."

Begeistert von der Vorstellung war Bernhard-Mast Sindlinger, der Eibl Jahre lang bei der RSG Zollern-Alb trainiert hat. "Für mich war das eines ihrer besten Rennen, weil die Rahmenbedingungen doch sehr speziell waren." Sehr speziell, weil Ronja Eibl als Botschafterin für die Cross-Country-Weltmeisterschaft 2020 in Albstadt schon in diesem Jahr die Werbeplakate für den Weltcup zierte, weil sich der Fokus auf sie deutlich verschärfte. "Ich hatte den Eindruck, dass sie mega-nervös war, die ersten vier Runden waren nicht gut, da hat sie viele Fehler gemacht. Was dann kam, war sensationell. Es war ein wichtiger Schritt, mit allem klar zu kommen. Was ich besonders klasse finde ist, dass Laura Stigger, die beiden Juniorinnen im letzten Jahr alles gewonnen hat, keine Welten von ihr entfernt ist. Sie ist ganz nah dran", sagt Mast-Sindlinger.

Von den Zuschauern wurde Ronja Eibl bei der Siegerehrung entsprechend gefeiert. Mountainbike-Ikone Mike "the Bike" Kluge gratulierte mit einer herzlichen Umarmung, und danach stand noch eine Selfie-Runde mit ihren Fans an. Am Ende also doch noch ein perfekter Tag für Ronja Eibl? "Es ist ein bisschen ärgerlich, dass es am Ende mit 14 Sekunden Rückstand so knapp war, obwohl ich so viel Zeit verloren und zwischendurch um die eineinhalb Minuten Rückstand hatte", sagt Eibl. Doch dann atmet sie kurz durch, und das Strahlen kehrt in ihr Gesicht zurück.