Meßstetten

"Zehn Meter vor dem Ziel"

von Karina Eyrich

Kohärenzflächen sind der vielleicht letzte Knackpunkt, bevor die Landesstraße 440 bei Tieringen verlegt werden kann – und Umweltplaner Klaus Grossmann, der die Hintergründe im Gemeinderat erklärte, hatte gute Nachrichten dabei.

Meßstetten-Tieringen. "Wir bewegen uns auf einem 100-Meter-Lauf zehn Meter vor dem Ziel" – was Rainer Mänder vom Planungsbüro "m.projektentwicklung" aus Albstadt am Mittwochabend im Gemeinderat vermeldete, hörten die Stadträte gerne: Die Verlegung der Landesstraße 440 bei Tieringen zu Gunsten einer Erweiterung der Firmen "Mattes & Ammann" und "Interstuhl" sowie der Schaffung eines Gewerbegebiets für kleinere Betriebe ist in greifbare Nähe gerückt.

Zum zweiten Mal war der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet "Süd" offen gelegen, so Mänder, und aus der Bevölkerung seien keine, von den Trägern öffentlicher Belange nur kleine und "beherrschbare" Änderungswünsche gekommen. Daher erwartet Mänder, dass der Gemeinderat im Oktober den Satzungsbeschluss fassen kann.

Noch müssten Marginalien in Sachen Kostenverteilung geklärt werden. Der Grunderwerb sei bis auf drei Grundstücke in trockenen Tüchern und das Landratsamt des Zollernalbkreises gehe den Weg mit, eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Stadt abzuschließen. Klaus Grossmann vom Balinger Büro "Dr. Grossmann Umweltplanung" habe die erforderlichen Unterlagen im Eiltempo angefertigt, lobte Mänder, ehe er an Grossmann übergab. Und auch der hatte gute Nachrichten mitgebracht.

Zwar überschneide sich das Plangebiet mit einem "Natura 2000 Gebiet", in das nicht eingegriffen werden dürfe, so Grossmann. Allerdings gebe es da Ausnahmen, da drei Bedingungen erfüllt seien: Ein überwiegendes öffentliches Interesse sei vorhanden. Alternativen seien nicht in Sicht, und für einen "Kohärenzausgleich" – Punkt drei – bestünden Möglichkeiten.

Die Gesprächspartner haben kaum Einwände

Was das ist, erklärte Grossmann den Stadträten verständlich: "Man muss Flächen gleichen Umfangs und gleicher Art im Schutzgebiet zur Verfügung stellen", oder dasselbe um die neuen Flächen erweitern. Dafür sei ein so genanntes Konsultationsverfahren nötig. Im Klartext: Grundstückseigentümer, Bewirtschafter, Bauernverband, Naturschutzbüro, die Untere Naturschutzbehörde und das Landwirtschaftsamt müssten angehört werden, was bereits passiert sei, und die Gespräche seien "sehr erfreulich" verlaufen. Immerhin sichere die Stadt die Ausgleichsflächen – nordwestlich des Heidenhofes – ja dauerhaft. Von Seiten der Gesprächspartner seien keine Bedenken eingegangen, die nicht auszuräumen wären.

Deshalb stelle die Stadt als nächstes beim Regierungspräsidium Tübingen den Antrag auf Einbeziehung dieser Kohärenzflächen.

Mit einstimmigem Beschluss nahmen die Stadträte anschließend das Ergebnis des Konsultationsverfahrens zur Ausweisung von Kohärenzflächen zur Kenntnis und beauftragten die Verwaltung, deren Einbeziehung beim Regierungspräsidium zu beantragen und die Änderung des Flora-Fauna-Habitat-Gebiets "Östlicher Großer Heuberg" beim Ministerium für Verkehr und Infrastruktur zu melden.

Die ebenfalls nötige erste Änderung des Flächennutzungsplanes der Verwaltungsgemeinschaft Meßstetten-Nusplingen-Obernheim hatten deren Verbandsräte bereits am 21. Juni gebilligt. Nur die Genehmigung durch das Landratsamt steht noch aus.