Meßstetten

Ein Hausierer hat viel zu erzählen

von Werner Lissy

Meßstetten. Mehrere Besucher des Bürgertreffs Meßstetten haben einer Führung mit einem Hausierer im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck gelauscht. Bei dieser mit viel Witz und Humor, Gesang, tief- und hintersinnigen Vorkommnissen geschilderten Hausiererführung wurden die Besucher von Johann Friedrich Schöberle, genannt "Bäse-Hans" oder "Bürschte-Fritz" auf eine "Reis" eines Hausierers mitgenommen.

Er zog einst als Klinkenputzer durch das Land und verkaufte seine selbst gebundenen Bürsten und Besen. Zusammen mit seinen Waren überbrachte der Hausierer nicht nur gute und traurige Nachrichten in die Ortschaften. Er erledigte auch noch manch anderen Auftrag, der ihm einen Extra-Obolus eingebracht hatte. Schöberle gab immer wieder selbstgetextete, passende Lieder zum Besten. Singend ließ er wissen, dass das Lesen und das Schreiben, er lieber ließ bleiben.

Im ersten Haus machte der Hausierer sich durch lautes Rufen bemerkbar und bat um Einlass. Durch seine Reisen von Ort zu Ort vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb gab es für ihn viele fundierte Kenntnisse der näheren und weiteren Heimatgeschichte zu erfahren. Gewürzt mit Anekdoten, verging mit dem Bäse-Hans die "Reis" wie im Flug.

In den Gebäuden bekamen die Zuhörer so manches über das in tiefer Armut verbrachte Leben geschildert und wie raffiniert man den Rauch in den Fenster- und Kaminlosen Häusern in das Freie brachte und dabei auch gleich noch der Speck und die Würste geräuchert worden sind. Im Schlafzimmer führte neben dem Bett eine Treppe in den Keller, so dass keiner unbemerkt hinunter steigen konnte um etwas von dem Vorrat zu stibitzen.

Der Rundgang endete in einer Wohnstube, in der sich der Hausierer mit einem in jenischer Sprache gesungenen Lied verabschiedete.