Mehrere Anrufe eingegangen

Wolf im Odenwald gesichtet

von (dpa/lsw)

Mosbach/Neckargerach - Im Neckar-Odenwald-Kreis ist ein Wolf beobachtet worden. Videoaufnahmen des Raubtiers seien echt, sagen Experten. Mehrere Anrufer hatten die Behörden verständigt.

Im Neckar-Odenwald-Kreis ist der erste Wolf seit vielen Jahren gesichtet worden. Das bestätigte am Montag das Umweltministerium in Stuttgart. Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg hatten private Videoaufnahmen vom Wochenende ausgewertet. "Die Prüfung der Videos hat ergeben, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt", erklärte das Ministerium.

Zuvor hatten die Polizei und der zuständige Wildtierbeauftragte mitgeteilt, dass in der Nacht zum Sonntag mehrere Anrufer von einem Tier berichtet hatten, bei dem es sich um einen Wolf handeln könnte. Zunächst hatte der SWR über die Entdeckung berichtet. Nach Angaben des Umweltministeriums gingen Meldungen aus Schwarzach, Binau, Neckargerach und Mosbach ein. Die Kommunen liegen relativ nahe beieinander. Experten zufolge kann ein Wolf täglich eine Strecke von bis zu 60 Kilometern zurückzulegen. Den Fachleuten liegen auch einige Haare vor, die dem Tier zugeordnet werden. Sie sollen im Senckenberg-Institut einer Genanalyse unterzogen werden.

"Bis das Ergebnis feststeht, kann es aber drei bis vier Wochen dauern", hieß es im Umweltministerium. Wo der Wolf sich derzeit aufhält, lasse sich nicht sagen. Der Neckar-Odenwald-Kreis liege außerhalb der sogenannten Förderkulisse Wolfsprävention, in der es seit über einem Jahr regelmäßig Wolfsnachweise und auch Risse von Nutztieren gegeben hat. Das Ministerium warnte, Wölfe sollten auf keinen Fall angelockt oder gar angefüttert werden. "Bei Sichtungen von Wölfen zusammen mit eigenen Hunden sollten diese an die Leine genommen werden", hieß es weiterhin.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sorgt seit Jahren für Diskussionen. Immer wieder werden Nutztiere gerissen. Deshalb gibt es auch Forderungen, die Zahl der Wölfe durch eine Bejagung zu regulieren. Naturschützer fordern hingegen andere Schritte. So sollten Landwirte etwa individuelle Beratung und Geld für geeignete Zäune erhalten. Seit etwa 150 Jahren galten Wölfe in freier Wildbahn im Südwesten als ausgerottet - bis 2015 die Raubtiere zum ersten Mal wieder nachgewiesen wurden. Noch handelt es sich um einzelne Tiere. Nur in Ausnahmefällen wird ein Abschuss erlaubt.