Lokales

Ein Priester als Magier

von Schwarzwälder-Bote

Von Martina Zieglwalner VS-Villingen. Sein Zuhause ist die ganze Welt, seine Liebe gilt der internationalen Brückensprache Esperanto, dem Puppenspiel und der Zauberei. Als Trixini ist er in mehr als 50 Ländern aufgetreten. Und dennoch hat er nie seine Heimatstadt und das Villingerisch vergessen: Hansjörg Kindler, der dieses Wochenende die 80er-Feier seines Jahrgangs mitgestaltet.Sein eigener runder Geburtstag liegt schon einige Wochen zurück: Am 3. September 1933 ist der aus der Familie Kindler-Sterk stammende Zauberkünstler zur Welt gekommen und in der Bicken­straße aufgewachsen. Erinnerungen an seine Kindheit wie das unfreiwillige Bad im Brunnen hat er ebenso in Gedichten festgehalten wie die Villinger Sage vom Zaubermönch. Aber auch biblische Geschichten hat er auf seine ganz eigene Weise zu Papier gebracht, ob als Dialektversion oder mit einer gehörigen Portion Humor versehen.

Schon früh hat sich sein musisches Talent gezeigt, doch angesichts der schlechten Mathenoten habe sein Lehrer in der Oberschule gemeint, er könne höchstens als Straßenkehrer arbeiten, erzählt der 80-Jährige. Im Nachhinein ein Glücksfall: Der Junge kam in die Schule Schloss Salem, deren Lehrer seine Begabung für Sprachen, Puppenspiel und Zauberei förderten.

Diese Leidenschaften ließen ihn sein Leben lang nicht mehr los. Er absolvierte eine Ausbildung bei der Hohnsteiner Handpuppenbühne in Hamburg und spielte im Team mit. In seinem zweiten Berufsleben führte der "Magier mit dem Blauen Stein" 13 Jahre lang eine Puppen- und Zauberbühne in Paderborn. "Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können", betont Trixini.

Denn er hatte einmal einen ganz anderen Weg eingeschlagen, von dem bis heute seine mitunter religiös geprägten Werke zeugen: Der Theologe war 17 Jahre Priester der römisch-katholischen Kirche, zuletzt als Europapfarrer in Luxemburg. Die Zeit im Ausland hat ihm die wichtige Rolle des Esperanto als sprachliches Bindeglied zwischen den Völkern vor Augen geführt. Bis heute macht er sich für die Kunstsprache stark, hat Gedichte und Übersetzungen veröffentlicht. Und kaum kommt er aufs Esperanto und dessen faszinierenden Klang zu sprechen, schlägt sein Temperament durch: Mitten im Gespräch setzt Kindler mit sonorer Stimme an und singt die Esperantoversion von "Am Brunnen vor dem Tore". Und schlüpft kurze Zeit später in verschiedenste Rollen, der Puppenspieler keift als alte Hexe, der Zauberkünstler mimt den französischen Conférencier. "Die Klappe habe ich von meiner Mutter geerbt, die konnte einen ganzen Saal unterhalten", stellt er mit einem Schmunzeln fest. Vom Vater hingegen habe er das Faible fürs Schreiben geerbt.

Seine auch autobiografisch gefärbten Bücher geben einen Einblick in die Erlebnisse des Zauberkünstlers, der Mitglied des magischen Zirkels und des magischen Rings in der Schweiz ist, regen mit "Zauberhaften Schmunzelversen" zum Lachen an, setzen sich aber auch wie "Die ökumenischen Hunde" mit der Religion und der Zeit im Dienst der Kirche auseinander, zuletzt ehrenamtlich als altkatholischer Priester.

Die Tätigkeit als Seelsorger, das ist Kindlers andere starke Seite, der er sich bis heute verschrieben hat. Da hat er sich in Kroatien im Flüchtlingslager eingesetzt und den Trixini-Verein für Esperanto und Behinderte gegründet, er bringt mit seinen Auftritten neue Lebensfreude in Kliniken und kümmert sich um todkranke Kinder. Auch er selbst sei schon sehr krank gewesen, gibt er zu. So mischen sich durchaus nachdenkliche Töne unter die vordergründig heiteren Geschichten aus seinem bewegten Leben, das ihn über viele Stationen inzwischen nach Rieden am Forggensee im Allgäu geführt hat. Einen ganzen Stapel an Anekdoten aus den gemeinsamen Jugendzeiten hat er jetzt im Gepäck, um seine Jahrgänger mit Versen zu erheitern – viele in der Sprache seiner Kindheit, dem Villingerisch.