Löffingen

Evakuierung für manche ein Abenteuer

von Silvia Bächle

Für viele Löffinger war es ein Schock, als es am Freitagabend an der Haustür klingelte und sie von Rettungskräften aufgefordert wurden, ihre Wohnung zu verlassen. Grund war der Fund einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Bahnhof, die erfolgreich entschärft wurde.

Löffingen. Aus Sicherheitsgründen wurde im Radius von 300 Metern alles evakuiert und auch der Ver kehr wurde umgeleitet.

Unterschiedlich wurde die Aktion von den Löffingern bewertet: Emine Bilgi und ihr Sohn Umit sahen es ganz locker "wir sehen es als Abenteuer". "Sicherheit geht einfach vor", sagte Hiltrud Trenkle, man denke in solchen Situationen nicht an Haus oder solche materiellen Dinge. Sven Seidel und Rudolf Gwinner waren sich einig, dass dies vielleicht wieder einmal passieren könnte, da der Bahnhof mehrfach im Krieg bombardiert worden war.

Karin Rüppel hatte zwar von der Fliegerbombe von ihrer Nachbarin gehört, war aber doch überrascht, als auch sie die Wohnung verlassen musste. "Ich bin zuversichtlich, habe aber auf jeden Fall meine Medikamente mit dabei, falls es länger dauert". Völlig überrascht war Yvonne Albrecht, sie kam mit ihrer Tochter von einer Beerdigung, ihr Weg nach Hause wurde bei der Linde unterbrochen. Die Jugendliche Andrea Tomic wurde von ihren Freunden auf das Schulareal begleitet. Die wohnen zwar auf dem Reichberg und waren nicht betroffen, wollten aber ihre Freundin unterstützen. "Nun kann man sich vorstellen wie es in Israel oder in Syrien ist, wenn täglich Bombenalarm ist", so Albert Trenkle.

Erstaunt war mancher Löffinger Bürger, wie weit ein Radius von 300 Metern sein kann. Knapp außerhalb lagen glücklicherweise das Altenpflegheim, die Seniorenwohnanlage und das Flüchtlingswohnheim.

Mehr als zufrieden zeigte sich Bürgermeister Tobias Link: "Der Kampfmittelräumdienst arbeitete hoch professionell, Polizei und Rettungskräfte Hand in Hand".

Sehr vernünftig hätten die Bürger reagiert, nur wenige hätten ihre Wohnungen nicht verlassen. Die Evakuierten wurden in der Schule mit Getränken versorgt, die Rettungskräfte im Feuerwehrgerätehaus.

Löffingen (gb). Die Aufregung in Löffingen war groß: Im Bereich des Bahnhofs wurde am Freitag bei Baggerarbeiten eine Fliegerbombe gefunden (wir berichteten). Zur Entschärfung durch die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes musste im Radius von 300 Meter um die Fundstelle alles geräumt werden. Um 21.25 Uhr dann die Nachricht: "Entwarnung, die Bombe ist entschärft – Evakuierung aufgehoben – alle Anwohner können zurück in die Wohnungen", so die Polizei.

Ein Bagger war auf eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen, womöglich eine 250-Kilo-Bombe. Sofort begannen die Absperrungen und der Kampfmittelräumdienst Baden-Württemberg in Stuttgart wurde informiert.

Die Polizei und der Bauhof übernahmen die Absperrung rund um den Bahnhof. Gegen 17 Uhr wurde der gegenüberliegende Supermarkt Neukauf evakuiert und geschlossen. Die Experten begutachteten die Fliegerbombe und ordneten die Evakuierung in einem Radius von 300 Metern an. Glücklicherweise lag das Altenpflegeheim nicht im Gefahrenradius, freuten sich vor allem die DRK-Rettungskräfte.

Gegen 19.30 Uhr wurde mit der Evakuierung begonnen. Die Rettungskräfte und die Polizei gingen von Haus zu Haus. "Eine sehr zügige und geordnete Aktion", empfand es beispielsweise Heimatforscher Rudolf Gwinner. So mancher Löffinger war überrascht, als es an der Haustüre klingelte. "Die Information durch die Polizei war sehr gut", so Albert Trenkle. Über 200 Bürger wurden in der Hauptschule registriert, Gehbehinderte und ältere Menschen wurden von den Rettungskräften per Fahrzeug in die Schule gebracht. 60 Helfer versorgten die Bürger. Im Einsatz waren auch die Hausmeister Rudolf Nägele und Rainer Vetter. Gefordert war Bürgermeister Tobias Link, der zwischen Schulgelände und Einsatzleitung im Feuerwehrgerätehaus pendelte.

Starke Polizeikräfte wurden nach Löffingen zusammengezogen. Einsatzleiter Clemens Winkler sprach von einer sehr guten Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte. Im Feuerwehrgerätehaus war die Einsatzleitung eingerichtet, im Floriansstüble wurden die Einsatzkräfte mit Getränken und Brötchen versorgt. Sehr zufrieden zeigte sich Clemens Winkler nach der Aufhebung der Evakuierung. "Es waren 32 Landes- und Bundespolizisten dazu zwölf Polizisten vom Polizeirevier, 75 Feuerwehrkräfte und 45 Rettungskräfte im Einsatz.

Die Informationen liefen perfekt. So hatte die Stadt ein Info-Telefon eingerichtet.

Um 19.30 Uhr waren die Spezialisten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst eingetroffen. Die beiden Experten Daniel Kuhn (44 Jahre, seit 17 Jahren im Dienst), Sven Denneler (30 Jahre, seit sechs Jahren im Dienst) hatten nach 30 Minuten die Vorbereitung abgeschlossen. Der 32-jährige Baggerfahrer Andi Fritz hatte sich bereit erklärt, die gefährliche Baggertägigkeit zu übernehmen. Auch ein Notfallmanager war vor Ort.

Kurz vor 21.30 Uhr war der Blindgänger entschärft und konnte abtransportiert werden, die Bürger konnten in ihre Häuser zurück.

Nach dem Fund der Fliegerbombe werden gerade bei älteren Bürgern Erinnerungen wach. Im Zweiten Weltkrieg ist der Löffinger Bahnhof mehrfach bombardiert worden. Grund hierfür war das Munitionslager im Löffinger Stadtwald und die Kisten- Munitionsfabrik Benz. 1945 glich das Gelände am Löffinger Bahnhof einer Kraterlandschaft. Dieser Blindgänger soll aus dieser Zeit stammen.