Lauterbach

Einst reger Wirtschaftsbetrieb in Sulzbach

von Georg Borho

Man mag es kaum glauben: Sulzbach hatte ab 1875 vier Wirtschaften beherbergt. Seit Ende des Jahres 2016 herrscht jedoch "tote Hose". Im ersten Teil geht es um die "Brücke" und "Neue Brücke", im zweiten um "Hasen" und "Wilhelmshöhe".

Lauterbach-Sulzbach. Eine Spurensuche mit Heimatforscher Josef King bringt einiges zutage.

"Zur Brücke"

Das Gasthaus Zur Brücke war das älteste in Sulzbach. Erster Wirt war Josef Moosmann, Landwirt und Weber. Im hinteren Teil des alten Bruckhofs betrieb er vermutlich ab 1839 in der Stube die Wirtschaft. Durch die Konkurrenz der Wirtschaft Neue Brücke hatte der Wirtschaftsbetrieb allerdings sehr nachgelassen. Zuletzt beschränkte sich die Bewirtung nur noch auf ein bis zwei Tage im Jahr, um die Konzession nicht zu verlieren. Im Jahr 1933 wurde die Konzession dann entzogen. Eine neue war nicht möglich, da es in Lauterbach bereits 20 Wirtschaften gab.

"Neue Brücke"

Im Haus an der "Brücke" betrieb Roman Moosmann einen Krämerladen. Im Jahr 1873 ist dieser abgebrannt. Daraufhin beantragte er im Juni 1875 die Konzession für eine Wirtschaft und betrieb nebenher den Krämerladen. Wenige Monate später erstellten er und Andreas Hug einen Anbau an das Haus. Der Kaufladen wurde dadurch vergrößert. Die Wirtschaft blieb auf die Wohnstube begrenzt. Hauskauf und der Anbau haben Andreas Hug jedoch finanziell überfordert.

Wilhelm Flaig, von Beruf Bäcker, betrieb ab 1890 die Wirtschaft und den Krämerladen an der "Brücke". Er bekam seine Wirtschaftskonzession. Danach plante er einen An- und Umbau. So wurde im Untergeschoss neben der Backstube, ein Geschirrladen errichtet. Über dem Stall entstand ein Mehlmagazin. Der Laden neben der Wirtschaft wurde durch einen Anbau "gegen den Berg" erweitert. Dass der "Bruckwirt" Wilhelm Flaig immer auf der Höhe der Zeit war, beweist sein Bauantrag von 1906, mit dem er zur Erzeugung von Gaslicht eine Acetylenanlage baute. Mit dem erzeugten Gas konnte das im Haus benötigte Licht bereit gestellt werden.

Im Jahr 1909 wurde die Ausweitung der Konzession auf die Terrasse beantragt. Der Sohn von Wilhelm Flaig, Otto, hatte Pläne, mit Wilhelm Laufer ein Wassertriebwerk zur Stromerzeugung zu bauen. Die Besitzer der sogenannten "Pelzmühle", Fridolin Laufer (Wälderbauer), Broghammer und Schillinger vom Finsterbacherhof, waren damit einverstanden. Allerdings ist im Genehmigungsbescheid vom 21. Dezember 1926 bestimmt, dass dieses Werk nur benutzt werden kann, wenn die Bauern das Wasser für die Mühle nicht benötigen.

Mit diesem E-Werk hatte Otto Flaig die komplette Nachbarschaft mit Strom versorgt. Es wurde eine Freileitung bis zur Schule und bis zum Gasthaus "Wilhelmshöhe" gelegt.

Im Jahr 1929 baute Wilhelm Flaig hinter dem Gasthaus ein WC. Der Sohn Otto Flaig beantragte im Oktober 1929 die Konzession zur Führung der Wirtschaft mit Bäckerei und den Laden und beantragte am 2. Mai 1930 die Ausweitung derselben auf zwei Zimmer neben der Gaststube.

Otto Flaig, als erster Autobesitzer in Sulzbach, beantragte 1936 den Anbau einer "Kraftwagenhalle" (Garage), einer Waschküche und ein Jahr später einen Saalanbau an die Wirtschaft. Als Begründung wurde erwähnt, Sulzbach beherberge circa 1000 Einwohner und bei einer richtigen Hochzeit seien 250 bis 300 Personen zu erwarten.

Der Saalbau wurde genehmigt, die Konzession wurde indes nicht erteilt. Vermutlich wegen dem fehlenden Parteibuch. Für Hochzeiten, Theateraufführungen und Konzerte musste eine Tageskonzession beantragt werden. Im Jahr 1950 wurde die Konzession "wohlwollend" erteilt. Von nun an wurde jedes Jahr im jährlichen Wechsel vom Junggesellenverein und Männergesangverein Sängerlust, Theater gespielt.

Als letzte Investition wurde 1970 der Bau einer Kläranlage genehmigt. Der Wirtschaftsbetrieb endete im Mai 1973. Es erfolgten von 1978 bis 2017 mehrere Pächterwechsel.