Lahr

Nächster Bombenfund am Hohbergsee

von Herbert Schabel

Lahr - Nur eine knappe Woche nach dem Fund einer Bombe auf dem früheren Akad-Gelände ist dort erneut ein Sprengkörper ausgegraben worden. Er wurde Dienstag gegen 18 Uhr entschärft, zuvor waren die Wohnungen in der Nähe evakuiert worden.

Die Männer des Kampfmittelbeseitigungsdiensts mit Sitz in Stuttgart kennen mittlerweile den Weg zum Hohbergsee. Wie am vergangenen Mittwoch galt es für sie, eine 250-Kilo-Bombe zu entschärfen, die vermutlich bei einem Großangriff der Alliierten am 19. Februar 1945 abgeworfen worden war.

Die explosive Altlast ist am Dienstag gegen 13 Uhr bei Sondierungsarbeiten auf der Grünfläche neben dem früheren Akad-Gebäude entdeckt worden – nur 20 Meter von der Stelle entfernt, an der die erste Bombe gefunden worden war. Das Terrain, auf dem Wohnhäuser gebaut werden sollen, wird zurzeit von einem Spezialunternehmen auf mögliche explosive Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Jede Stelle, an der mit Detektoren ein größerer Metallgegenstand geortet worden war oder anhand von alten Luftaufnahmen Blindgänger vermutet wurden, war mit einem roten Fähnchen markiert worden. Eines hatte auch an der Stelle in der Erde gesteckt, an der nun die nächste Bombe entdeckt wurde.

Polizisten gehen von Haus zu Haus

Das Gesetz schreibt für so einen Fall eine Evakuierung im Umkreis von rund 300 Metern vor. Dafür wurden zwei Shuttle-Busse rekrutiert, die die Bewohner von der Haltestelle in der Bertha-von-Suttner-Allee zum Max-Planck-Gymnasium brachten, wo sie in der Turnhalle mit Getränken versorgt wurden. Laut­sprecherwagen der Polizei fuhren durch die Straßen und forderten die Bewohner zum Verlassen ihrer Häuser auf, die das Prozedere inzwischen gewohnt sind und ohne Murren zur Bushaltestelle gingen. Rund 700 Menschen wohnen in dem Gebiet am Rand des Langenhards, von denen laut Polizeisprecher Patrick Bergmann etwa 100 zu Hause waren und so die Evakuierung mitmachen mussten.

Ehe die Bombenentschärfer loslegten, gingen Polizisten von Haus zu Haus, drückten jeden Klingelknopf, sahen durch Fenster und horchten an Türen – so sollte sichergestellt werden, dass keiner zurückbleibt. Betroffen war das Areal zwischen Hohbergweg und Schillingsweg, der Straße zum Langenhard im Osten und der Feuerwehrstraße im Süden, die Bertha-von-Suttner-Allee, Aristide-Briand-Straße, Lester-Pearson-Straße und der Gustav-Stresemann-Ring. Gegen 16 Uhr wurde dort mit der Evakuierung begonnen, und um 17 Uhr wirkte das Gebiet bereits wie ausgestorben. Nur noch Polizisten waren zu sehen, die alles absuchten.

Insgesamt 80 Beamte waren am Dienstag im Einsatz, von denen viele dafür von Offenburg nach Lahr beordert worden waren, außerdem Kräfte von DRK, Feuerwehr und der Stadtverwaltung, die die Evakuierung organisierten. Zuletzt verließen dann auch die Polizisten den 300-Meter-Radius, danach machten sich die Bombenentschärfer an ihre Arbeit.

Kurz nach 18 Uhr kam dann die erlösende Nachricht: Der Zünder ist entfernt, woraufhin die Absperrungen aufgehoben wurden und die Bewohner zurück in ihre Häuser durften. Der Blindgänger wird zu einer Spezialfirma gebracht, wo er aufgesägt und der Sprengstoff TNT verbrannt wird.

Info: Experten geben Entwarnung

Innerhalb von sechs Tagen zwei Bombenfunde, verbunden jeweils mit einer Evakuierung. Wird das jetzt für die Menschen am Hohbergsee zum Dauerzustand? Nein, wird es wohl nicht. Polizeisprecher Patrick Bergmann, der am Dienstagnachmittag die Journalisten vor Ort mit Infos versorgte, teilte mit, dass dort "sehr wahrscheinlich" keine weiteren Bomben auftauchen werden. Zu dieser Erkenntnis sei das Spezialunternehmen gekommen, welches das Terrain in den vergangen Tagen im Auftrag des Bauherrn Imolar auf explosive Altlasten des Zweiten Weltkriegs untersucht hat.