Kreis Freudenstadt

Ministerin besucht regionale Unternehmen

von Lena Müssigmann

Horb/Freudenstadt - Die Begrüßungen fallen überschwänglich aus für Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, die ihre Reise durch den Landkreis Freudenstadt am Donnerstagmorgen in Horb (Kreis Freudenstadt) beginnt. Küsschen rechts und links von ihrem CDU-Parteifreund und Landtagsabgeordneten Norbert Beck, freundliche Worte zur Begrüßung von Landrat Klaus Michael Rückert (CDU) – dann klinkt sich die Ministerin selbst ein. "Darf ich auch ganz kurz sprechen?", fragt sie vorsichtig. Natürlich darf sie. "Wir wollen Sie nicht nur zutexten", erwidert Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger (CDU). Die Stimmung ist gelöst, es wird gelacht.

Gespräche sind der aus Balingen (Zollernalbkreis) stammenden Hoffmeister-Kraut auf ihrer Reise in den Landkreis am wichtigsten. Sie will etwas über die Arbeit von Unternehmern, Verbandsvertretern und Politikern erfahren, statt in Konferenzsälen zu sitzen. Wohlweislich hat sie flache Schuhe angezogen, in denen sie im weiteren Verlauf des Tages durch die Produktionshallen der regionalen Unternehmensgrößen geführt wird.

Einen Tag im Monat nimmt sich die Ministerin Zeit, einen Landkreis in Baden-Württemberg zu bereisen. Nach dem Rems-Murr-Kreis im Februar ist nun der Kreis Freudenstadt dran. Sie wolle sich nicht nur in dem Kosmos "Stuttgart, Freiburg, Heidelberg" bewegen, beteuert Hoffmeister-Kraut. "Die Wirtschaft ist in der Fläche ganz stark."

Sie hat in Horb 2011 die Gartenschau besucht und fährt mit ihrer Familie öfter zu Freunden in den Schwarzwald, wie sie erzählt. Ausgesucht werden die Firmen, die sie besucht, nach ihrer Größe, Auszeichnungen oder nach ihrer Fortschrittlichkeit auf einem Gebiet. In Waldachtal-Tumlingen besucht sie den Dübelexperten Fischer, den Verpackungsspezialisten Koch Pac-Systeme in Pfalzgrafenweiler, den Maschinenbauer Arburg in Loßburg und das Hotel Lauterbad in Freudenstadt.

Zu Beginn besichtigt sie auf dem Gelände der ehemaligen Horber Kaserne das Innonet Kunststoff, einen Zusammenschluss aus knapp 100 Unternehmen, Verbänden und Hochschulen, die mit Kunststoff zu tun haben – laut dem Horber Wirtschaftsförderer Axel Blockwitz das drittgrößte Kunststoff-Netzwerk in Deutschland. In den Ausstellungsräumen ist von der Salatschüssel aus Kunststoff bis hin zum Plastikspielzeug die Bandbreite der Produkte dieser Branche zu sehen.

Branchennetzwerke zum Austausch und Aufbau von Wissen zu gründen, sei richtig, um sich gegenseitig zu stärken. "Sie haben Perspektive und entwickeln sich weiter, so muss es sein", lobt die Ministerin. Es sei auch ein politisches Interesse, Wirtschaftsstandorte in ländlichen Räumen zu stärken. Schließlich gebe es in den Ballungsräumen zunehmend Platzprobleme – "denke man nur an die Wohnsituation". Deshalb gewinne der ländliche Raum an Bedeutung, wo auch die meisten der im Innonet zusammengeschlossenen Firmen sitzen.

Dann geht es hinaus auf den ehemaligen Exerzierplatz der Kaserne. Der freie Platz soll für Wohnungsbau genutzt werden. Warum zur Arbeit ins Ballungszentrum Stuttgart pendeln, und nicht fürs Wohnen aufs Land?, fragt OB Rosenberger, der seine Stadt als attraktiven Wohnort für Familien präsentiert, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt nicht mehr fündig werden. Er hoffe, dass Wohnbauförderung nach Horb fließe, um auch günstigen Wohnraum schaffen zu können.

Nicht nur der Horber OB, auch der Landrat und die Unternehmer haben Themen im Gepäck, die sie der Ministerin mitgaben. Der Landrat beklagt beispielsweise die schlechte Anbindung des westlichen Landkreises Freudenstadt an die Autobahn und warb für den geplanten Hochschulcampus in der Kreisstadt.

Das Dübelimperium Fischer in Waldachtal-Tumlingen ist die zweite Station auf der Tour. Inhaber Klaus Fischer stellt persönlich sein weltweit agierendes Unternehmen vor. "Das ist wie in der Champions League", sagt die begeisterte Ministerin. Fischer und sie haben offensichtlich einen guten Draht zueinander. Beim Mittagessen in der Fischer-Kantine kommen sie ins Plaudern über die gemeinsame Leidenschaft: Pferde. Hoffmeister-Kraut erzählt, dass ihre drei Töchter reiten. Fischer schwärmt von Olympiasieger Michael Jung, den er sponsert.

Sie streifen noch vor dem Hauptgang die Weltpolitik. Über den Rehrückenmedaillons an Steinpilzrahmsoße kommen sie auf die Jagd zu sprechen – in Hoffmeister-Krauts Familie ein beliebtes Hobby. "Ich jage nicht, geh aber manchmal gerne mit", verrät sie. Mit dem Blick auf die Uhr lässt sie eines der Apfelküchle zum Nachtisch liegen. Fischer schenkt der freudestrahlenden Hobbyreiterin zum Abschied ein Hufeisen des Gold-Pferdes Sam von Michael Jung.

Dritter Halt ist beim Verpackungsspezialisten Koch Pac-Systeme in Pfalzgrafenweiler. Die Firma mit 300 Mitarbeitern stellt Maschinen her, die vollautomatisch insbesondere Kosmetikartikel wie Zahnbürsten, Rasierer oder Kontaktlinsen verpacken.

Bei der Besichtigung der Produktionshallen trifft Hoffmeister-Kraut wie schon in Tumlingen vor allem auf Männer. "Mädchen für MINT-Berufe zu motivieren, ist eine Herausforderung", sagt sie. "Aber vor dem Hintergrund des demografischen Wandels muss man es schaffen." MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Das Thema Frauen und Beruf liege ihr ohnehin am Herzen. Auch das Programm "Spitzenfrauen" wolle sie wiederbeleben.

Die Ministerin bekommt viele Informationen und Produktproben geschenkt, verteilt aber auch Werbematerial: Sie macht bei den Unternehmern die Industriewoche Baden-Württemberg bekannt. Von 19. bis 25. Juni sollen Unternehmen ihre Türen für besondere Aktionen, Führungen oder ähnliches öffnen, so die Idee. "Wir wollen die Industrie enger in Verbindung bringen mit der Bevölkerung", kündigt Hoffmeister-Kraut an. Zum einen interessiere sich die Bevölkerung dafür, was hinter den Firmentoren vor sich geht. Zum anderen steige durch diese Nähe auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, etwa bei Erweiterungen einer Firma.

Beim Maschinenbauer Arburg schließlich geht es noch um innovative Spritzgießmaschinen. Zum Abschluss ist im Hotel Lauterbad unter anderem der Tourismus das Thema. Aus Sicht des Landrats hat sich das straffe Programm gelohnt. Rückert bewertet den Besuch der Ministerin abschließend: "Ich erlebe sie als sehr aufgeschlossen und inter­essiert an unseren Themen."