Kreis Calw

Kliniken noch tiefer in den roten Zahlen

von Roland Buckenmaier

Kreis Calw - Ungeachtet der Flut von Leserbriefen, in denen vehement eine Änderung des Medizinkonzeptes 2020 gefordert wird, hält Landrat Helmut Riegger an seiner Linie fest. An der vom Kreistag beschlossenen Umstrukturierung der beiden Kreiskliniken will er nicht rütteln. Derweil rutschen die Krankenhäuser immer tiefer in die roten Zahlen.

Eigentlich stand auf der Sitzung des Verwaltungsausschusses nur der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebes Immobilien der Krankenhäuser Calw und Nagold zur Debatte. Der Plan schließt mit einem Fehlbetrag in Höhe von 1,2 Millionen Euro ab. Doch die Gesamtverluste der beiden Krankenhäuser fallen in diesem Jahr weit höher aus. Zu den 1,2 Millionen kommen weitere 5,8 Millionen Euro Betriebsverluste. Summa summarum also sieben Millionen Euro.

Dabei, so erinnerte FDP-Kreisrat Karl Braun in der Sitzung, sei 2007, als man den Zusammenschluss mit dem Klinikverbund Südwest suchte, die Situation mit einer runden Million Euro Abmangel weit weniger dramatisch gewesen. Vergeblich habe man seit 2010 versucht, einer Verschuldung gegenzusteuern.

Dennoch plädierte der Freidemokrat, an dem Medizinkonzept 3plus, das eine Sanierung des Nagolder Krankenhauses und den Neubau eines Gesundheitscampus in Calw mit 135 Betten vorsieht, festzuhalten. Bei der Bürgerbeteiligung sei man "aufwendig und sorgfältig" vorgegangen: "Dazu sollte man stehen." Braun wurde noch deutlicher: "Wenn die Calwer ihr Krankenhaus sterben sehen wollen, dann müssen sie genau so weiter machen."

Landrat Helmut Riegger, der sich in der Klinikfrage zunehmend persönlichen Angriffen ausgesetzt sieht, verteidigte seine Haltung: "Bei allen Beschlüssen stand der Kreistag mit großer Mehrheit dahinter. Das kann ein Landrat nicht alleine entscheiden."

Von dem Medizinkonzept will er nicht abrücken: "Wir werden das 1:1 so machen, wie wir es beschlossen haben."

Im April kommenden Jahres soll mit dem Umbau der Nagolder Klinik begonnen werden, ein Jahr später – "wenn’s nach uns geht" – will man den Spatenstich für den Neubau in Calw setzen. "Das ist der Stand der Dinge", erklärte Riegger kategorisch, "und daran hat sich überhaupt nichts geändert."

Noch bevor ein Kreisrat das Thema in der öffentlichen Sitzung weiter vertiefen konnte, zog Riegger einen Schlussstrich unter die kurze Debatte über den Wirtschaftsplan der Eigenbetriebe: "Lassen wir abstimmen."