Königsfeld

Vorliebe für japanische Comics

von Schwarzwälder Bote

Königsfeld. Spricht man Tina auf ihre Vorliebe für japanische Mangas (Comics) an, so wird man mit Informationen und Begriffen geradezu überschüttet. Sie kennt unzählige der Geschichten und ihrer Helden, erklärt den Unkundigen, in welcher Richtung ein Manga gelesen wird und zeichnet selbst die charakteristischen Figuren mit den großen, schattierten Augen, dem spitzen Kinn und den ausgeprägten Outlines.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Shiva, Sara und Cosima, allesamt Schülerinnen der achten und neunten Klassen, hat sie an den Zinzendorfschulen die Manga-AG ins Leben gerufen, die vom Referendar Fabian Mario betreut wird, der selbst in Japan studiert hat.

"Mangas haben ihre Wurzeln im Japan des 8. Jahrhunderts", erklärt Mario. "Budd­histische Mönche malten damals Bildergeschichten zum Alltag oder dem Leben nach dem Tod auf kleine Papierrollen." Heute finden sich die traditionell schwarz weiß gehaltenen Zeichnungen auf der ganzen Welt wieder. "Man darf sie nicht mit Comics oder mit bloßer Unterhaltung für Kinder gleichsetzen", so Fabian Mario. Es gebe Mangas für jede Altersgruppe, sei es für Dreijährige, denen die kleine Katze Chii zeigt, wie sie mit Haustieren umgehen und ihnen beim Spracherwerb hilft oder für Jugendliche, die Superhelden im Kampf gegen Außerirdische anfeuern. Selbst für die Generation 40+ gebe es Mangas. Die handeln oft von ernsteren Themen wie Scheidung und Verlust.

In der Manga-AG geht es darum, verschiedene Beispiele gemeinsam anzuschauen, zu untersuchen und selbst zu produzieren. Dabei lernen die Schülerinnen ganz nebenbei viel über die japanische Kultur. Sie hören gerne japanische und koreanische Popmusik und blättern in japanischen Lifestyle-Magazinen. Tina lernt sogar schon ein paar Brocken Japanisch und kann sich bereits in dieser so fremden Sprache vorstellen.

Die anderen in der AG konzentrieren sich ganz aufs Malen. Amira hat sich besondere Zeichenstifte für ihre Mangas besorgt und kopiert ganz präzise das Bild einer Katze mit spitzen Zähnen.

Die Jüngste in der AG, die Fünftklässlerin Lucy, hat sich für den Kawaii-Stil entschieden, für den etwa die Pokémon-Figur Pikachu steht oder Hello Kitty.

Jeder findet so sein Spezialgebiet und kann sich mit den anderen austauschen. Nebenbei öffnen sich ganz neue Horizonte zum Verständnis einer fremden Gesellschaft.