Kalender von Neil David Sinclair

Bunte Hunde helfen dem Tierheim

von Frank Rothfuß

Harte Hunde gibt es, arme Hunde, krumme Hunde, blöde Hunde, manchen begegnet gar ein dicker Hund. Doch heute wollen wir von bunten Hunden erzählen. Von solchen mit vier Beinen und solchen mit zwei Beinen.

Stuttgart - Neil David Sinclair (31) ist ein Kunstwerk. Seinen ganzen Körper zieren Tätowierungen. „Ich trage Kunst am Körper, andere hängen sie an die Wand.“ Um im Bild zu bleiben, der Stuttgarter Sinclair sammelt Kunst im Stile des Schweizer Surrealisten HR Giger. „Biomechanoid“ nennt Giger das, er verschmilzt die Mechanik mit der Kreatur, heraus kam dabei etwa die Filmfigur Alien, für deren Erfindung und Ausgestaltung Giger einen Oscar bekam. „Alienzeugs“ und „Totenköpfe“ hat sich Sinclair also tätowieren lassen. Ein finsterer Geselle? Weit gefehlt. Schauen Sie nur mal oben auf dem Foto, wie vertrauensvoll Hündin Lexy ihren Kopf in Sinclairs Hände legt. Zwei „Bunte Hunde“. So nennen Sinclair und seine Freundin Nadine Schränkler (33) ihren mit Hilfe von Freunden erstellten Kalender. Den verkaufen sie zugunsten des Tierheims. Denn das wäre beinahe auf den Hund gekommen.

Man musste ja die Stadt zum Jagen tragen, um das Tierheim angemessen zu unterstützen. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt, dachten neben vielen anderen Tierfreunden auch Sinclair und Schränkler während der Diskussion um das mögliche Aus des Tierheims. Sie wollten helfen. Und kamen auf die Idee mit dem Kalender. Sie zeigen tätowierte Menschen mitsamt ihren Tieren. Und schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie helfen dem Tierheim und wollen zeigen, „dass Tätowierte keine Serienmörder sind, sondern Herz haben“. Ob das noch nötig ist in Zeiten, wo sich jeder halbwüchsige Profikicker zum Affen macht und stolz seine Tattoos in die Kamera hält? Harmloser geht es ja gar nicht mehr. Von wegen harte Hunde, diese Milchbärte beißen weder noch bellen sie.

Es gibt krumme Hunde, wie den Amerikaner Robert Norton Kennedy, der auf der Stirn den Spruch spazieren trägt : „Bitte vergebt mir, wenn ich etwas Dummes sage oder mache. Vielen Dank!“ Oder den Rapper Gucci Mane, der sich eine Eistüte ins Gesicht stechen ließ. Ob er damit sagen will, „Leckt mich!“ oder auch bloß, dass durch sein Hirn ein eiskalter Wind weht, wissen wir nicht – aber vor solchen Typen muss man doch keine Angst haben? Offenbar doch. Sinclair erzählt, dass er einst vom Flughafen mit der S-Bahn nach Stuttgart fuhr. Die Bahn war voll, immer mehr Menschen drückten hinein, standen dicht an dicht. „Die Leute quetschten sich aneinander“, sagt Sinclair, „aber die drei Plätze bei mir blieben frei.“ Tätowierte sind Verbrecher oder doch zumindest mit Vorsicht zu genießen, diesem Vorurteil begegnen Sinclair und Schränkler des Öfteren. Auch sie schmückt sich mit Tattoos und sagt: „Wir wollen mit diesem Projekt auch unter Beweis stellen, dass wir Mitgefühl besitzen und in der Gesellschaft Verantwortung tragen, auch wenn das Menschen mit Tattoos nicht zugetraut wird.“ Ob bunt, schwarz oder weiß, sie tun Gutes – und das ist doch wohl des Pudels Kern.

Schränkler arbeitet übrigens bei der Polizei. Beinahe jedenfalls. Sie ist Maskenbildnerin bei der „Soko Stuttgart“, den Verbrechensjägern vom ZDF. Dort darf man übrigens tätowiert sein, bei der richtigen Polizei soll man das bald nicht mehr dürfen, fordert Innenminister Reinhold Gall, Sozialdemokrat und Feuerwehrmann. Gut, beide Organisationen sind nicht gerade für ihre Liebe zu bunten Hunden bekannt, da muss man mit den Wölfen heulen. Bei der „Soko“ hingegen darf man sogar den Hund zur Arbeit mitbringen. Sinclairs und Schränklers neun Monate alter Potago-Mischling Tequila aus Griechenland zählt dort ebenso zur „Soko“-Familie wie Lexy. Die nun sogar zum Covergirl auf dem Deckblatt des Kalenders geworden ist. Der Kalender kann für 25 Euro in verschiedenen Geschäften gekauft werden, etwa bei Ink-Station, Heilbronner Straße 93, Schränkler Raumausstattung, Böblinger Straße 149, oder Meloncrew, Schillerstraße 20 in Ludwigsburg. Die komplette Liste der Geschäfte findet man auf der Webseite http://friends-in-hands.jimdo.com. Dort kann man den Kalender auch bestellen. Verkauft haben ihn die Macher auch schon auf dem Weihnachtsbasar im Tierheim. „Das war lustig“, sagt Sinclair, er war eine ebenso große Attraktion wie der Kalender. Ein Kunstwerk eben. Ein bunter Hund, mit dem man Pferde stehlen kann.